Indien erkennt die Existenz eines dritten Geschlechts an

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Indien erkennt die Existenz eines dritten Geschlechts an

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 18. April 2014) Der oberste Gerichtshof von Indien hat per Erlass vom 15. April 2014 die offizielle Anerkennung eines „dritten Geschlechts“ in den 28 Staaten und 7 Territorien Indiens gefordert. Die National Legal Services Authority (Nalsa) sowie Laxmi Narayan Tripathi – eine in Indien sehr bekannte Transsexuelle – hatten im September 2012 das höchste indische Gericht zu dieser Frage angerufen.

Oberster Gerichtshof: site web | l’arrêt (en PDF)

Hier ein langes Portrait-Interview mit Laxmi Narayan Tripathi:

Die beiden Richter K. S. Radhakrishnan und A. K. Sikri befinden, dass „die Anerkennung eines dritten Geschlechts ist keine soziale oder medizinische Frage sondern eine Frage der Menschenrechte“. Dieses Geschlecht, das weder Mann noch Frau ist, muss von denselben Rechten und Vorteilen profitieren können, wie die anderen – insbesondere in den Bereichen Bildung, Arbeits- und Sozialrecht, präzisieren die Richter. Außerdem erklären Sie, dass die Nichtanerkennung dieser dritten Geschlechtsidentität dem Artikel 15 der Verfassung wiederspricht.

„Transsexuelle Menschen sind ebenfalls indische Staatsbürger. Der Geist der Verfassung ist es, jedem Bürger dieselben Chancen zu bieten, zu wachsen und ihr volles Potenzial zu nutzen, und zwar unabhängig von der Kaste, Religion oder Geschlechtsangehörigkeit.“

Der Beschluss des obersten Bundesgerichts gilt für jede Person, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugehörig fühlt. Dazu gehören zahlreiche trans- oder intersexuelle Menschen genauso wie hijra (Eunuchen) – Laxmi Narayan Tripathi sieht sich als hijra.
Häufig werden diese Menschen in die Prostitution oder zum Betteln gezwungen, um überleben zu können.

Die Einzelheiten und der zeitliche Ablauf der Umsetzung des Urteils sind noch festzulegen. Vermutlich wird sich der Beschluss des obersten Gerichtshofs auf alle offiziellen Dokumente wie Reisepass, Geburtsurkunde und Führerschein auswirken, aber genauso auch auf die Zulassungsquoten zu allen öffentlichen Bildungseinrichtungen sowie die Einstellungsverfahren bei der öffentlichen Verwaltung.

Indien könnte also, ähnlich wie Deutschland und Nepal, bald eines der wenigen Ländern werden, in dem im Reisepass ein drittes Geschlecht eingetragen werden kann. Das indische Bundesland Tamil Nadu an der Südspitze des Landes hat schon seither die Existenz eines dritten Geschlechts anerkannt.

Die beiden Richter K. S. Radhakrishnan und A. K. Sikri schreiben auch vor, dass die Zugehörigkeit zum dritten Geschlecht weder an einen geschlechtsanpassenden chirurgischen Eingriff noch an eine sonstige medizinische Behandlung gebunden sein darf.

Laxmi Narayan Tripathi (Facebook-Seite | kurzes Portrait-Interview) hat zusammen mit ihrem Lebenspartner Kinder adoptiert. Sie kämpft auch für die volle Gleichstellung der Homosexualität, deren Anerkennung allerdings vom selben obersten Gerichtshof Indiens letztes Jahr noch abgelehnt wurde.

Kommentar: Ein echter Doppelsieg, aber noch kein Sieg auf der ganzen Linie.

Das Urteil des obersten Gerichtshofs stellt einen unleugbaren Fortschritt für transsexuelle Menschen und die Anerkennung ihres Status dar. Dennoch haben die beiden Richter sehr deutlich und explizit klargestellt, dass ihre Entscheidung sich einzig und allein auf Personen des dritten Geschlechts bezieht und nicht auf Schwule, Lesben und Bisexuelle.

Wolfgang / MensGo
(Nach Tagespresse vom 15. April 2014, darunter Live Mint, NouvelObs.com und Europe 1)

 

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