CSD-Themen: Für Transsexuelle in New York, für künstliche Befruchtung in Paris und gegen Polizeigewalt in Istanbul

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CSD-Themen: Für Transsexuelle in New York, für künstliche Befruchtung in Paris und gegen Polizeigewalt in Istanbul

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 27. Juni 2017) Wie jedes Jahr im Juni gab es vergangenes Wochenende die ersten CSDs in großen Städten rund um die Welt. Entweder mit gesellschaftspolitischen Forderungen und Party wie in Paris und New York, oder mit Forderungen und in der Defensive wie in Istanbul. Dort feuerte die Polizei mit Gummigeschossen auf die LGBT-Personen, die sich dem Versammlungsverbot widersetzt hatten. Heute geht es um Paris und in den kommenden Tagen dann um New York und Istanbul – alles in diesem Artikel.

Aktualisierung vom 30. Juni 2017: Bericht zum CSD in New York vom 25. Juni 2017 am Ende des Artikels.

Die folgenden Videos des CSD in Paris kommen von Marie Panic TV, einer sehr kreativen französischen Webseite.

Paris fordert künstliche Befruchtung für alle Frauen

Der CSD (Gay Pride) in Paris fand unter dem Slogan „Marche des fiertés LGBT“ (Parade des LGBT-Stolzes) letzten Samstag (24. Juni) statt. Die zentrale Forderung (Link) war der Zugang zu künstlicher Befruchtung für alle Frauen.

Nicht gehaltene Versprechen des Präsidenten

Bisher dürfen in Frankreich nur heterosexuelle Paare in bestimmten Fällen, wie z. B. Unfruchtbarkeit, von künstlicher Befruchtung profitieren, lesbische Paare und alleinstehende Frauen jedoch nicht. Die Leihmutterschaft ist in Frankreich generell nicht erlaubt.

Der frühere Präsident Hollande hatte die Öffnung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen seinerzeit als Wahlversprechen gegeben, aber dann nie eingelöst. Der neue Präsident Emmanuel Macron hat sich zu dieser Frage positiv geäußert, wollte dazu aber die Stellungnahme der nationalen Ethikkommission abwarten.

Diese Stellungnahme wurde heute (am 27.06.2017) bekannt gegeben: Die Ethikkommission empfiehlt die Öffnung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen, also sowohl für lesbische Paare als auch für Single-Frauen. Jetzt bleibt also abzuwarten, ob Macron der Empfehlung letztlich folgen wird.

Symbolische Bedeutung

Der CSD-Umzug 2017 war von diversen Symbolen geprägt.

Zum ersten Mal nahm die neue Partei LREM (La République en marche, etwa: Die Republik bewegt sich) von Präsident Macron am Umzug teil.

Die LREM-Teilnehmer am Umzug nahmen klar Stellung für die künstliche Befruchtung.

Parteipolitik...

Viele LGBT-Aktivisten zeigten sich erstaunt über die Teilnahme der LREM am Umzug, weil der neue Premierministers Édouard Philippe 2013 selbst noch gegen die künstliche Befruchtung für alle war, und weil seine Regierungsmannschaft zwei Minister enthält, die sehr deutlich gegen die Homo-Ehe sind.

Ganz symbolisch befand sich Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, an der Spitze des Umzugs. Allerdings wäre es schön gewesen, wenn sich dort auch noch ein paar andere Minister oder Ministerinnen eingefunden hätten.

Transsexuelle: Leider vergessen

In den letzten Jahren gab es leider für Transsexuelle keinerlei Verbesserungen. Von den Behörden werden sie nach wie vor stigmatisiert und wie kleine Kinder oder kranke Menschen behandelt.

Und noch ein Symbol: Der Pariser CSD 2017 war der 40, und 40 Jahre nach dem 25. Juni 1977 hat die Wahrnehmung und Einstellung der Öffentlichkeit zur Homosexualität doch wesentlich verbessert – auch wenn es nach wie vor gelegentlich noch homophobe Vorfälle gibt.

Viele Veränderungen

Die Themen haben sich geändert, aber noch immer gibt es gesellschaftspolitische Forderungen, zum Beispiel nach gleichen Rechten für alle.

Zum ersten Mal hat dieses Jahr auch der französische Staat den CSD-Umzug finanziell unterstützt. Insbesondere auch nach dem homophoben Anschlag von Orlando wurde die Unterstützung im Kampf gegen Homophobie jetzt offiziell gemacht.

Natürlich hat der CSD-Umzug selbst ebenfalls den Opfern von Orlando gedacht sowie an alle Menschen weltweit erinnert, die aufgrund ihrer Homosexualität verfolgt werden – insbesondere in Tschetschenien.

tweet Macron

Macron: Ein schwulenfreundlicher Tweet zur Unterstützung des CSD in Paris.

 

Aktualisierung vom 30. Juni 2017: Bericht zum CSD in New York:

NYC Pride 2017 – ein CSD (nicht) wie alle anderen

Der CSD-Umzug in New York am 25. Juni 2017 führte von einem symbolträchtigen Ort zum anderen: Vom Glamour der 5th Avenue (Ecke 36. Straße) bis hin zum wichtigen Symbol der Schwulenbewegung, der Christopher Street – 48 Jahre nach den Stonewall-Aufständen und 47 Jahre nach dem ersten NYC Pride March 1970.

Hier ein kurzes Video mit hoher Bildqualität:

Spott für Trump und seinen Kometen Haley

Da es vom diesjährigen Umzug noch keine offiziellen Zahlen gibt, hier die von 2016: 80 Wagen und 350 Gruppen zu Fuß ergaben eine gesamte Umzugslänge von mehreren Kilometern mit Tausenden Zuschauern. (Die Schätzungen für 2017 sprechen von ca. 40.000 Menschen.)

Der größte und allgegenwärtige Star des Umzugs war natürlich Donald Trump. Natürlich war er nicht selbst vor Ort, kam jedoch in zahllosen Karikaturen, Figuren und Slogans vor. Das Leitmotiv war das einfach Wort: resist. Auch seine Tochter Ivanka bekam ihr Fett weg.

Die neue Botschafterin der USA bei den Vereinten Nationen (UN) war in New York dabei und wurde laufend ausgebuht.

Blasio und seine lesbische Frau, Cuomo und sein schwuler Richter

Auch viele bekannte Persönlichkeiten nahmen am Umzug teil, wie z. B. Bürgermeister Bill de Blasio und seine Frau Chirlane McCray (die offen lesbisch gelebt hatte, bevor sie ihren zukünftigen Mann kennenlernte), Gouverneur Andrew Cuomo sowie Brook Guinan, die erste transsexuelle Feuerwehrfrau in New York.

Gouverneur Cuomo hat den Anlass genutzt, mit Paul G. Feinman den ersten offen schwulen Richter am regionalen Berufungsgericht zu nominieren, also am höchsten Gericht für den Bezirk New York.

Hier noch ein längeres Video von einem Betrachtungspunkt aus:

Chelsea Manning als freie Frau

Als Beweis des doch sehr politischen Umzugs (mit Anti-Trump-Charakter) war die Whistleblowerin Chelsea Manning dabei. Sie war noch von Barack Obama begnadigt worden und wurde dann aus dem Gefängnis entlassen.

Daneben waren natürlich noch viele andere Sänger, Schauspieler, Stars und Sternchen des amerikanischen Showbiz anwesend.

Übrigens wurde zum ersten Mal in der fast 50-jährigen Geschichte des Gay Pride in New York der gesamte Umzug von einem Fernsehsender live übertragen. Hier ein Auszug aus der Übertragung:

 

Wird fortgesetzt…

Wolfgang / MensGo

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