Homosexualität in Afrika – noch immer Tabu!

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Homosexualität in Afrika – noch immer Tabu!

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 10. März 2014) Eine Woche nach der Ankündigung eines ultrarepressiven Gesetzes in Uganda wollte das Afrika-Journal des Kabelsenders TV5 Monde am 5. März 2014 um 20:00 Uhr eine Reportage über die Wahrnehmung von Homosexualität in Afrika ausstrahlen. Daraufhin hat sich auf seiner Facebook-Seite eine wahre Hasstirade ergossen.

Journal vom 5. März, 20:00 Uhr (auf Französisch): heute | die vergangene Woche im Archiv
(Sequenz von 8’32’’ bis 17’30’’. Falls nicht verfügbar, findet man ein französisches Transkript auf Yagg.)

Facebook-Posts von TV5 Afrique

Üble homophobe Kommentare gab’s da. (Text auf französisch). © DR (Zum Vergrößern klicken.)

„Muss man vor Homosexualität Angst haben?“ – Diese Frage stellte TV5 Afrique seinen Zuschauern auf seiner Facebook-Seite als Einstimmung auf die wöchentliche Sendung, die Lise-Laure Étia am 5. März dem Thema „Homosexualität in Afrika“ widmen wollte. Daraufhin hat die kamerunische Journalistin feststellen müssen, dass nahezu alle Kommentare auf Facebook Homosexualität verurteilten, und zwar häufig mit sehr harschen Worten. Der Fernsehsender sah sich deshalb gezwungen, die Diskussion auf seiner Facebook-Seite zu beenden.

Der kongolesische Schriftsteller Berthrand Nguyen Matoko war als Gast in der Sendung angekündigt. Seine Werke handeln häufig von Sexualität ganz allgemein, aber insbesondere auch von Homo- und Transsexualität sowie sexueller Identität, womit er in Afrika auf sehr ablehnende Reaktionen stößt. Schon seit seiner Kurzgeschichte Le flamant noir (Der schwarze Flamingo) im Jahre 2004 über den Roman La confession des âmes (Seelenbeichte) von 2012, in dem er sich der Sexualität von Priestern widmet, bis hin zu den neuesten Schriften legt der Autor stets den Finger in dieselbe Wunde – und damit schafft er sich Gegner, insbesondere in Afrika.

Screenshot

Beginn der Sendung mit Lise-Laure Étia. © DR.

„In Afrika ist alles, was irgendwie mit Sexualität zu tun hat, tabu“, erklärt Berthrand Nguyen Matoko. Man braucht nur die Zahl der Hetero-Paare, die Hand in Hand spazieren gehen, zu vergleichen zwischen Afrika und Europa.

„Homosexualität hat in Afrika schon immer existiert, das ist eindeutig bewiesen“, fügt der Hauptgast der Sendung hinzu. Dazu zitiert er die aus der vorkolonialen Zeit bekannten Fälle homosexueller Praktiken und Riten, z. B. bei den Zulu-Kriegern in Südafrika oder den Beti-Fang in Kamerun.

Die drei M’s der Kolonialisierung: Militär, Markt und Missionar. Die katholische und evangelische Missionarsstellung stützte sich auf biblische Erzählungen, in denen Homosexualität und die Homosexuellen als „widernatürlich“ verteufelt wurden, erläutert der Gast der beiden Moderatoren Lise-Laure Étia und Linda Giguère.

Wieso behauptet man in Afrika, dass die Homosexualität ein Importprodukt sei, eine aus dem Westen eingeführte Mode? Berthrand Nguyen Matoko sieht hierin eine Art Ablenkungsmanöver von sich auf dem absteigenden Ast befindenden Anführern (z. B. Robert Mugabe in Simbabwe oder Goodluck Jonathan in Nigeria), um so die „wirklichen Probleme der Gesellschaft zu verstecken“.

Kommentar: Muss man sich fürchten vor... Homosexualität? Oder vor Einwanderung? Vor der Vorstadtjugend? Vor Straftätern? Der Titel der Sendung war ziemlich reißerisch und nicht gerade sehr positiv formuliert. Die Länge des Interviews war mit neun Minuten eher lächerlich.

Schade, dass Berthrand Nguyen Matoko aufgrund der kurzen Zeit wohl aufgeregt war und deshalb auf die sehr vereinfachenden Fragen meist zu komplizierte Antworten gab – wenn auch viele seiner Argumente sehr zutreffend waren, insbesondere was die Rolle der Religion angeht.

Wie so häufig ist auch hier die Ignoranz die Mutter aller Vorurteile – und das gilt nicht nur in Afrika, sondern auch anderenorts. Die Themen sind nicht nur Homosexualität, sondern genauso häufig Judentum, Chinesen, Schwarze und vieles andere mehr.

Wolfgang / MensGo
(Nach Yagg vom 5. März 2014)

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