Mehr Akzeptanz für Transidentität in den USA?

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Mehr Akzeptanz für Transidentität in den USA?

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 11. März 2014) Vier amerikanische Kliniken haben sich auf Fragen der geschlechtlichen und sexuellen Identität von Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Sie nehmen z. B. transsexuelle, intersexuelle, hermaphroditische junge Menschen auf – also Menschen, deren psychische Identität nicht (oder nicht vollständig) mit ihrem biologischen Geschlecht übereinstimmt.

Die Journalistin Natascha Tatu hat zum Thema Akzeptanz und klinische Behandlung von Kindern und Jugendlichen, die nicht im Einklang mit ihren angeborenen Geschlechtsmerkmalen leben, eine hervorragende Untersuchung vorgelegt.

Die Untersuchung zeigt, wie vier verschiedene Krankenhäuser in den USA mit diesem Personenkreis umgehen. Diese vier Krankenhäuser haben mehrere Dinge gemeinsam: Sie sind Pioniere auf dem Gebiert, sie hören den Menschen zu ohne zu verurteilen, sie nehmen die Menschen auf und begleiten sie – ganz ohne den Versuch, diese „Patienten“ zu behandeln oder zu „heilen“. Sie betrachten sie eben nicht als „krank“, schlagen multidisziplinäre Ansätze vor, sprechen offen, tolerant und gerne auch militant über das Thema, und darüberhinaus sind sie überzeugt davon, dass diese Methode auch noch finanziell rentabel ist.

Dr. Robert Garofalo, auch kurz „Doktor G.“ genannt, hat im Lurie Children’s Hospital eine spezielle Abteilung für Kinder und Jugendliche gegründet, deren biologisches und gefühltes Geschlecht nicht zusammen passen. Dort gibt es Platz für 75 Patienten, von 3 Jahren bis hin zum jungen Erwachsenenalter.

Die Besonderheit dieser Abteilung wird auch durch die Persönlichkeit ihres Leiters, Dr. Rob Garofalo, geprägt, der im nachstehenden Video seinen Standpunkt erläutert:

Diese Begleitung haben die jungen Leute wirklich nötig, denn ihr Leiden mit sich selbst, häufig mit den Eltern (die selbst auch leiden) und fast immer im Umgang mit der Außenwelt ist sehr groß. Außenstehende reagieren meist prompt – bestenfalls mit einem amüsierten Lächeln und schlimmstenfalls mit einer scharfen und unerwünschten Verurteilung.

Viele Köche verderben den Brei... und so meinen viele Leute im Umfeld, sie wären qualifiziert, Ratschläge zu geben, wobei diese aber doch häufig unsinnig sind und auf die jungen Menschen noch mehr destabilisierend wirken. Die meisten Menschen halten nun einmal Leute, die nicht in ihr zwei-Schubladensystem passen, für abnormal.

Alles wird noch schlimmer und komplizierter, wenn wohlmeinende Menschen alles in einen Topf werfen: Homosexualität, Bisexualität, Transsexualität, psychische Erkrankungen, Sexsucht – ja, bis hin zur Pädophilie und Zoophilie.

Dieser ganze Mischmasch kann durchaus dramatische Konsequenzen haben, wenn Scharlatane mit dem Vorwand, sie seien Ärzte, Psychiater oder Psychoanalytiker, Krankheiten zu diagnostizieren, wo es gar keine gibt, und diese anschließend mit teuren und unwirksamen Therapien zu „heilen“ versuchen.

Das Ergebnis all dieser unnützen Versuche ist, dass sich die jungen Menschen noch schlechter mit und in ihrem eigenen Körper fühlen und der Umgang mit dem sozialen Umfeld noch schwieriger wird. In der Jugend neigt man zu übertriebenen oder unangebrachten Reaktionen wie z. B. risikoreichen sexuellen Praktiken, Depressionen oder auch Selbstmordversuchen, und all das findet man bei diesem Personenkreis sehr viel häufiger als bei Vergleichsgruppen derselben Altersstufe.

Insbesondere das risikoreiche Sexualverhalten führt zu einer erhöhten Ansteckung mit HIV/AIDS. „Doktor G.“ hat als Spezialist für AIDS eine Unzahl an Transsexuellen Menschen kennen gelernt, die sich mit HIV angesteckt hatten.

Die Reportage von Natascha Tatu ist sehr ergreifend, fast erschütternd. Die Journalistin erwähnt jedoch auch eine positive Entwicklung, nämlich die aktuelle Facebook-Initiative, die eine große Anzahl an Bezeichnungen für die geschlechtiliche Zugehörigkeit zulässt.

Natascha Tatu führt an, dass die Amerikaner sehr viel offener als die meisten Europäer mit Fragen der „sexuellen Dysphorie“ umgehen, die einst als „sexuelle Identitätsstörung“ bezeichnet und als Krankheit betrachtet wurde. Diese Aussage kann man durchaus kritisch betrachten, auch wenn Initiativen wie die von Facebook oder auch die Videopräsentation von „Doktor G.“ diesseits des Atlantiks überaus selten sein mögen.

Die USA, ein Eldorado für Transsexuelle? Möglicherweise kann man das Land von Barack Obama als aufgeschlossener gegenüber Veränderungen sowie gegenüber der sexuellen Vielfalt betrachten. Andererseits ist das Land von George Bush aber auch immer von engstirnigem Moralismus und religiösem Fanatismus geprägt gewesen. Angenommen, die Vereinigten Staaten seien doppelt so offen gegenüber diesen Fragestellungen als Frankreich, Italien oder Deutschland, dann sind das in absoluten Zahlen immer noch wesentlich mehr Fälle in den USA als auf dieser Seite des Atlantiks. Frei nach Einstein: Alles ist relativ.

Wolfgang / MensGo
(nach NouvelObs.com vom 9. März 2014)

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