Homo-Ehe feiert in Frankreich ihren ersten Jahrestag

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Homo-Ehe feiert in Frankreich ihren ersten Jahrestag

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 25. April 2014) Vor genau einem Jahr, am 23. April 2013 hat das französische Parlament endgültig die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen.

Infografik zu Homo-Ehen in Frankreichs Städten über 100.000 Einwohner

Zum Vergrößern klicken. ©Lejdd.fr

Zu anfangs wurde die Öffnung der Ehe von großen Demonstrationen begleitet, mit dem Vorwand, sie sei ein Angriff auf die Familie. Heute sind davon nur noch kleinere Demos von Hohlköpfen übrig, die von Geschäftemachern instrumentalisiert und durch die Bewegungen der Ultrakatholiken, Ultrafaschisten und der Ultrahomophoben angesteckt werden.

Hat die Homo-Ehe jetzt, ein Jahr später, die französische Gesellschaft zerstört, so wie die Schwarzseher es angekündigt hatten und noch immer behaupten? Jérôme Courduriès, Anthropologe und Autor von Homosexualité et parenté (Homosexualität und Familie), hat diese Frage im französischen Fernsehen mit Humor und viel gesundem Menschenverstand beantwortet:

„Die Leute, die hier von anthropologischer Veränderung reden, sind selbst keine Anthropologen. Jeder Anthropologe weiß sehr genau, dass keine Gesellschaft jemals starr und immobil ist. Natürlich ist die Öffnung der Ehe für Personen desselben Geschlechts eine bedeutende Veränderung – sie stellt jedoch nicht unser gesamtes System von Familie und Verwandtschaft auf den Kopf.“

Für vollständige statistische Daten wird man das Jahr 2015 abwarten müssen. Die Daten des französischen Statistikamts INSEE zur Homo-Ehe in Frankreich von 2013 bezogen sich nur auf einen Teil des Jahres, nämlich auf den Zeitraum ab Mai.

Die Zahl der in den letzten 12 Monaten geschlossenen Homo-Ehen ist nicht bekannt, weil die statistischen Zahlen nach Kalenderjahr angegeben werden. Es sind jedoch mit Sicherheit mehr als im Jahr 2013, in dem die 7.000 geschlossenen schwulen und lesbischen Ehen in etwa 4 % aller Ehen darstellten.

Nach einer vom Journal du dimanche durchgeführten Umfrage unter 25 Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern kam Paris an die Spitze aller Kategorien (siehe vorstehende Tabelle). Dort wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes die meisten gleichgeschlechtlichen Paare getraut (1.332 Paare), und dort ist auch der Anteil der Homo-Ehen am höchsten (15,63 %). Tatsächlich wurden in Paris mehr schwule und lesbische Hochzeiten gefeiert als in allen 24 anderen Städten der Umfrage zusammen. Nizza und Montpellier landen mit 122 bzw. 98 Homo-Ehen am Ende der Liste.

Die Statistiken zeigen, dass die schwulen Ehen meist überwiegen. Allerdings gibt es ein paar Städte, in denen es mehr lesbische Hochzeiten gab, nämlich Montpellier, Rennes und Villeurbanne. Unter den 25 befragten Städten liegt immerhin bei sechs (Paris, Nizzae, Montpellier, Nantes, Bordeaux und Rennes) die Quote der Homo-Ehen über der symbolischen Schwelle von 10 % aller Ehen.

Ein Jahr nach der Öffnung der Ehe haben homosexuelle Ehepaare noch immer nicht das Recht auf künstliche Befruchtung oder Leihmutterschaft, ebenso wenig wie die standesamtliche Anerkennung von im Ausland durch Leihmütter geborene Kinder. Damit ist klar, dass die „Ehe für alle“ noch immer nicht „gleiche Rechte für alle“ bedeutet. Bis dahin ist der Weg noch lang.

Wolfgang / MensGo

(Nach Meldungen der französischen Presse, unter anderem L’Express vom 20. April und France Inter vom 23. April 2014)

 

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