343 „Gesetzesbrecherinnen“ fordern universellen Zugang zur künstlichen Befruchtung in Frankreich

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343 „Gesetzesbrecherinnen“ fordern universellen Zugang zur künstlichen Befruchtung in Frankreich

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 7. Juni 2014) Am 5. Juni 2014 forderten 400 Frauen auf der Titelseite der französischen Tageszeitung Libération die „Öffnung der künstlichen Befruchtung ohne Diskriminierung“, also für alle Frauen, ganz gleich ob homo- oder heterosexuell.

Aufruf der 343 „Gesetzesbrecherinnen“: Text und Petition (Verein APGL) | nur Text (Libération)

Die Titelseite der Libération

Manchmal muss man ein Gesetz umgehen, wenn man an sein Ziel kommen will. © Liberation.fr.

Jede Unterzeichnerin dieses Manifests erklärt, „zum Zweck der Familiengründung auf künstliche Befruchtung zurückgegriffen zu haben“. Neben der Öffnung der künstlichen Befruchtung für alle Frauen zählt der Text noch zwei weitere Hauptforderungen auf:

  • Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare: „Wir fordern, dass das Gesetz zur Adoption für schwule und lesbische Paare überall in Frankreich gelten muss.“
  • Gleiches Abstammungsrecht: „Wir fordern gleiches Recht für homo- und heterosexuelle Paare zur Anerkennung der Vater- bzw. Mutterschaft ihrer Kinder.“

Dieses Manifest der 343 „Gesetzesbrecherinnen“ hat ein berühmtes historisches Vorbild in Frankreich, das Manifest der 343 „Schlampen“ (vgl. Wikipedia, auf französisch), das am 5. April 1971 die Legalisierung der freiwilligen Abtreibung forderte.

Die beiden Initiatorinnen hofften auf die symbolische Zahl von 343 Unterschriften. Bevor jedoch die Liberation die erste Seite fertig hatte, war das Dokument bereits von 400 zumeist unbekannten Frauen unterzeichnet worden. Der Text wird auch von Tausend Sympathisanten und Vereinigungen unterstützt, darunter der Verein schwuler und lesbischer Eltern und zukünftiger Eltern (APGL).

In Frankreich wird eine künstliche Befruchtung nur für Frauen bis zu 43 durch die Krankenkassen bezahlt und von der Ärzteschaft unterstützt, und auch nur, wenn diese seit mindestens zwei Jahren mit einem Mann zusammen leben und das Paar auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen kann.

In allen anderen Fällen, also insbesondere für lesbische Paare, muss eine solche künstliche Befruchtung im Ausland durchgeführt werden – mit allen Kosten und Risiken sowie der Stigmatisierung, die dies mit sich bringt. Die „Gesetzesbrecherinnen“ geben also zu, „sich im Ausland künstlich befruchten haben zu lassen, um so eine Familie zu gründen“ – und dabei französisches Recht umgangen zu haben.

In Frankreich wurde das Gesetz zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im April 2013 verabschiedet. Allerdings wurden die Bestimmungen zur gleichgeschlechtlichen Elternschaft, Adoption und Fortpflanzung aus ursprünglichen Vorlage entfernt. Das stattdessen geplante Gesetz hierzu kam nicht wie gewünscht zustande, und so wird die parlamentarische Debatte zur künstlichen Befruchtung und Leihmutterschaft wohl auf 2017 verschoben, wenn es nach Premierminister Manuel Valls geht.

Wolfgang / MensGo

(Nach französischen Pressemeldungen, unter anderem NouvelObs.com vom 5. Juni und L’Express vom 6. Juni 2014)

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