LGBT-Leitfaden für französischsprachige Journalisten

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LGBT-Leitfaden für französischsprachige Journalisten

(Blogmensgo, schwuleer Blog vom 24. Juni 2014) Die französische Vereinigung der LGBT-Journalisten (AJL = L’Association des journalistes) hat am 23. Juni 2014 einen Leitfaden für die vorbildliche Arbeit von Journalisten veröffentlicht. Unter dem Titel „Informieren ohne zu diskriminieren“ (Informer sans discriminer) versucht dieser, Journalisten zu helfen, in ihrer Arbeit schwullesbische Themen auf korrekte und angemessene Weise anzusprechen.

AJL: Webseite | Facebook-Seite | Presse-Broschüre (HTML | PDF)

In sieben Kapiteln werden die häufigsten journalistischen Fehler aufgezeigt, wie z. B. falsche Darstellungen aus Unwissenheit, Klischees, Konformitäts- bzw. Gewohnheitsfehler usw.

Broschüre von AJL

28 Seiten – gesunder Menschenverstand gegen schlechte journalistische Praktiken © Ajlgbt.info.

Die Broschüre versucht so gut wie möglich aufzuzeigen, was nicht geht, warum es nicht geht und was man stattdessen tun kann – und das für das gesamte schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Spektrum. Natürlich kommen auch weitere Themen zur Sprache, wie z. B. die neutrale Information über HIV/AIDS und juristische Fragen.

Redewendungen wie „sich zu seiner Homosexualität bekennen“ oder „eine normale Familie“ sind gute Beispiele hierfür. Das Konzept der „Normalität“ ist schon an sich diskriminierend, genauso wie die systematische Nennung der Nationalität eines Straftäters, sofern diese nicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Straftat steht.

Die Vereinigung AJL erklärt über ein Interview mit der Rechtsanwältin Léa Forestier außerdem einige Elemente des französischen Rechts, die man kennen sollte, wenn man über Konzepte schreibt, die mit Homosexualität oder Homophobie zu tun haben. Das ungewollte Outing einer homosexuellen Person sowie homophobe Handlungen ziehen möglicherweise strafrechtliche Folgen nach sich. Leider kommen einige Schlüsselkonzepte zur Ehe, zur Adoption und zum Abstammungsrecht zu kurz, denn auch in diesen Bereichen schreiben Journalisten häufig unqualifizierte Äußerungen oder auch ganze Artikel.

Die AJL wurde 2013 gegründet, mitten in der Debatte zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare in Frankreich. Die Broschüre Informer sans discriminer erscheint nur wenige Tage vor dem CSD in Paris, der dieses Jahr unter dem Motto Marche des fiertés lesbiennes, gaies, bi et trans (in etwa: „Schwullesbischer Umzug des Stolzes“) stehen wird. Dies ermöglicht eine größtmögliche Verbreitung der Broschüre und hoffentlich die Vermeidung der schlimmsten Fehler, Auslassungen, Irrtümer, ungeschickten Formulierungen und Phrasendreschereien seitens der Berichterstatter.

Ein solcher Leitfaden wäre auch eine notwendige und sehr nützliche Sache für den deutschen Sprachraum, wo es noch immer jede Menge Ignoranz und Idiotie bei Journalisten und Autoren gibt, die natürlich häufig als Meinungsmacher und Multiplikatoren wirken.

Wolfgang / MensGo
(Nach Pressemeldungen vom 23. Juni 2014, darunter Dialogai, Le Figaro und L’Expansion)

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