Coming-Out des australischen Schwimmers Ian Thorpe

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Coming-Out des australischen Schwimmers Ian Thorpe

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 16. Juli 2014) Ian Thorpe, 31, hat es sich getraut: Der fünffache Schwimm-Olympiasieger aus Australien hat in einem Fernseh-Interview am 13. Juli 2014 seine Homosexualität bekanntgegeben.

Interview mit Ian Thorpe (Startseite) : Teil 1 | Teil 2 | Teil 3

Autobiographie von Ian Thorpe

Autobiographie vor dem Coming-Out. © Thorpe.

Ian Thorpe antwortete im Interview auf die Fragen des australischen Fernsehmoderators Michael Parkinson im Channel Ten. Der in Australien als „Thorpedo“ bekannte Ian Thorpe hat endlich seine Homosexualität eingestanden. Die immer wiederkehrenden Gerüchte, dass er schwul sei, waren regelmäßiger als seine eigenen Dementis. „Ich bin nicht heterosexuell...“, erklärte er, und auch warum er sich so lange dazu bedeckt gehalten hatte – von den ersten internationalen Erfolgen mit 14 Jahren bis zu seinem zweiten und endgültigen Rückzug vom Leistungssport im Jahre 2013 und bis jetzt.

Er hat seine olympischen und weltweiten Erfolge zugleich gegen seine Wettbewerber und sich selbst errungen, aber die Folge war eine ganze Reihe depressiver Phasen in seinem Leben. Am Ende war das „Closet“ einfach zu eng für den 1,95 m großen und 100 kg schweren Sportgiganten.

15 Jahre lang hat er es verleugnet, bis am 12. Juli 2014 Teile des Fernsehinterviews mit Parkinson durchsickerten. Auch in seiner Autobiographie This Is Me von 2012 stritt er ab, schwul zu sein.

Mehrere seiner früheren sportlichen Gegner haben die Ausstrahlung des Interviews nicht abgewartet und ihm sofort ihre Unterstützung zugesichert. „Ich bin stolz auf dich“, twitterte z. B. der Niederländer Pieter van den Hoogenband.

Tweet von Pieter van den Hoogenband

Nur wenige Wassersportler haben bis jetzt ihr Coming-Out preisgegeben, unter anderem der britische Turmspringer Thomas R. „Tom“ Daley (2013) und der Australier Matthew Mitcham (2008), der sehr viel Verständnis für die schwierigen Umstände seines Landsmanns aufbrachte, auch wenn dieser als zweitgrößter Schwimmer aller Zeiten und höchstdekorierter australischer Sportler gilt.

Viele Spitzensportler, unter anderem Mitcham, sehen das Coming-Out von Thorpe als einen Türöffner für eine größere Akzeptanz der Homosexualität im Sport und unter den Sportlern selbst. Ian Thorpe hofft selbst, „dass dies die Dinge für andere [Spitzensportler] heutzutage einfacher macht“. Zum Abschluss erklärt Thorpe seine schwierige Situation und den langen Prozess mit dem folgenden Satz: „Ich wusste nicht, ob Australien akzeptieren würde, dass sein Champion schwul ist. Aber jetzt sage ich Australien und der Welt, dass ich schwul bin.“

Tweet von Ian Thorpe

Kommentar: Erneut ein Spitzensportler, der sein Coming-Out hat – aber erst, nachdem er seine Badehose abgelegt hat.

Mit dem Unterschied, dass Thorpe im Schwimmen das bedeutet, was Michael Jordan im Basketball oder Beckenbauer im Fußball sind.

Zweifelsohne hätte das Coming-Out am Gipfel seines Erfolgs einen noch viel größeren Einfluss auf die Öffentlichkeit gehabt. Aber hätte Ian Thorpe (und jeder andere Spitzensportler) den dadurch entstandenen zusätzlichen Druck aushalten können? Thorpe hat seine depressiven Phasen, die ihn über weite Teile seiner Karriere geprägt hatten, als Folge seines „Geheimnisses“ erklärt. Natürlich kann man sich sehr wohl fragen, ob der durch ein Coming-Out erzeugte Druck aus Homophobie und Medienrummel nicht am Ende leichter zu ertragen gewesen wäre als die unterdrückte Homosexualität...

Bei der Gelegenheit sei auch erwähnt, dass Brad Thorson, ein früherer Profi des American Football und heute Rugby-Spieler, am 4. Juli 2014 auf seinem Blog ebenfalls sein Coming-Out bekanntgegeben hat. Natürlich hat Thorson nicht die Aura eines Thorpe oder einer Navratilova, aber dennoch trägt er seinen Teil dazu bei, das Thema „sexuelle Orientierung“ im Sport zu entschärfen. Sie ist eben gerade nicht inkompatibel zum Sport, weil sie gar nichts damit zu tun hat.

Wolfgang / MensGo
(Nach verschiedenen Pressemeldungen, darunter Rds.ca vom 12. Juli und NouvelObs.com vom 14. Juli 2014)

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