Endlich ein gelungener CSD in Belgrad

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Endlich ein gelungener CSD in Belgrad

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 29. September 2014) Zum ersten Mal seit 2010 fand gestern, am Sonntag, 28. September 2014, im Zentrum von Belgrad wieder eine CSD-Parade (Gay Pride) statt. Für die 1500 Teilnehmer ist, sicherlich auch aufgrund eines Aufgebots von 7000 Polizisten, alles gut verlaufen.

Gay Pride (CSD) von Belgrad: Webseite | Facebook-Seite

Hier eine ca. 20-minütige Videoreportage zum CSD in Belgrad (unkommentierter Originalton):

Der Umzug mit etwa 1000 Teilnehmern begann um 12:45 Uhr und führte über 2 km hinweg an drei symbolischen Orten vorbei: Start am Regierungssitz und Ende am Rathaus von Belgrad, dazwischen das Parlament, wo mehrere Redner Ansprachen hielten.

All das bei festlicher Stimmung, lautstark und bunt – allerdings ohne Umzugswagen. Die einzigen Autos im Umkreis waren die der anwesenden Polizeikräfte.

Das Zentrum von Belgrad war für den normalen Verkehr geschlossen, die öffentlichen Verkehrsmittel stillgelegt, und die Läden entlang der Umzugsstrecke mussten schließen.

Ziel: Schutz der Schwulen, Lesben, Transsexuellen und ihrer Sympathisanten, die am Ende einer CSD-Festwoche in der serbischen Hauptstadt an dieser symbolischen und wichtigen Veranstaltung teilnehmen wollten.

Auch die teilnehmenden bekannten Persönlichkeiten wurden so geschützt:

Als Regierungsvertreter die Ministerin Jadranka Joksimović und ihr Kollege Kori Udovički, der Bürgermeister von Belgrad Siniša Mali, mehrere Vertreter von serbischen Parteien und ausländischen Botschaften sowie der Dramaturg Biljana Srbljanović und der Regisseur Srđan Dragojević.

Gay Pride in Belgrad

Ein erster Schritt hin zur EU. Zum Vergrößern klicken.
© Flickr/graphphoto.

Das Abhalten eines CSDs unter vernünftigen Umständen sowie eine positive Haltung der serbischen Behörden gegenüber schwul-lesbischen Belangen ist Teil der Forderungen vor einer eventuellen Aufnahme Serbiens in die EU.

Aus diesem Grund hat die Regierung sehr offensichtlich ihre Zustimmung zur Abhaltung eines CSDs in Belgrad erteilt. In den Vorjahren wurden angebliche Sicherheitsprobleme immer wieder als Ausrede für ein Verbot verwendet. Der CSD 2010 war sehr stark von homophoben Krawallen und Gewalttätigkeiten getrübt worden.

Glücklicherweise gab es dieses Jahr keinerlei solcher Zwischenfälle. Ein paar Dutzend ultranationalistische Gegendemonstranten haben versucht, den Umzug zu stören, wurden aber durch die Polizei davon abgehalten. Es kam zu etwa 50 Festnahmen.

Vor dem CSD wurden allerdings an vielen Stellen der Stadt homophobe Graffitis angebracht. Und auch die serbisch-orthodoxe Kirche sowie ultrarechte Anführer haben sich mehrfach sehr negativ gegenüber dem Umzug geäußert.

Kommentar: Der serbische Premierminister hat mehrfach erklärt, der Grund für die offizielle Unterstützung des CSD sei nicht die versuchte Annäherung an die EU, sondern die Tatsache, dass das Land von Rechtsstaatlichkeit, Freiheit, den Menschenrechten und einer echten Freundschaft gegenüber der LGBT-Gemeinschaft geprägt sei.

Na ja... wer’s glaubt. Vielleicht wird ja der CSD 2014 oder 2015 weniger homophob geprägt sein, mit weniger Polizeiaufgebot, offener gegenüber der Bevölkerung und warmherziger gegenüber den Schwulen und Lesben. Und natürlich mit einem Vielfachen der Teilnehmer. Schön wär’s jedenfalls.

Wolfgang / MensGo
(Nach Tagespresse vom 28. und 29. September 2014, darunter inSerbia und L’Express)

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