Macht Klinkenputzen die Öffentlichkeit schwulenfreundlicher?

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Macht Klinkenputzen die Öffentlichkeit schwulenfreundlicher?

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 19. Oktober 2014) Nur durch die Tatsache, dass Leute Schwule und Lesben in ihrem Bekanntenkreis haben, verstehen sie die Forderungen der schwullesbischen Gemeinschaft besser. Das haben Wissenschaftler in den Vereinigten Staaten durch die Analyse von Sensibilisierungskampagnen bewiesen.

Wir sollten vorweg schicken, dass bei amerikanischen Wahlkämpfen sehr viel stärker um die einzelnen Stimmen gekämpft wird als hier in „Old Europe“. Die militantesten Wahlkämpfer schrecken auch vor echtem Klinkenputzen nicht zurück, um den Menschen ihre Argumente für oder gegen eine bestimmte Partei oder Meinung darzulegen.

Hier ein kurzes aber sehr bewegendes Video eines lutherischen Priesterehepaars, das nach einer kurzen Unterhaltung mit schwulen Männern seine Meinung zur Homo-Ehe von Ablehnung zur Zustimmung geändert hat:

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass man jemanden (sogar einen völlig Unbekannten) positiver zu Schwulen und Lesben machen kann oder seine Wandlung zu einer positiven Haltung beschleunigen kann, wenn man ihm nur zu verstehen gibt, dass man schwul bzw. lesbisch ist.

Die Untersuchung begann im Januar 2009 in Kalifornien mit der Kampagne Vote for Equality. Einer ihrer Leiter, Dave Fleischer, hat zunächst Aktivisten in Wohnviertel geschickt, in denen das Referendum zum Verbot der Homo-Ehe sehr viele Stimmen sammeln konnte. Die homo- und heterosexuellen Helfer haben zunächst die 11.000 Bürger nach ihrer Meinung zur Homo-Ehe und deren Begründung befragt, bevor sie sich ausführlich mit ihnen unterhielten. Dabei haben sie sich als schwul, lesbisch oder heterosexuell zu erkennen gegeben und die Bürger aufgefordert, sich daraufhin zu äußern.
In vielen Fällen haben die Befragten ihre schwulenfeindliche Einstellung abgemildert oder sogar aufgegeben.

Zusammen mit zwei Forschern von der Uni, Donald Green (Columbia) und Michael LaCour (UCLA) hat Dave Fleischer eine weitere, diesmal wissenschaftlichere Untersuchung durchgeführt. Wiederum haben freiwillige Helfer 1000 Bürger aus Wohnvierteln besucht, die für das Verbot der Homo-Ehe gestimmt hatten. Bei der Hälfte der Befragten hat sich der Interviewer als homosexuell zu erkennen gegeben, bei der anderen Hälfte als heterosexuell. Später wurde die Umfrage auf telefonischem Weg noch ergänzt – und die Forscher erlebten eine dreifache Überraschung:

  1. Der Anteil schwulenfreundlicher Meinungen war bei den homosexuellen Interviewern dreimal so hoch wie bei den heterosexuellen.
  2. Die Verwandten und engen Bekannten der Befragten haben zu nahezu identischen Anteilen ebenfalls eine schwulenfreundliche Meinung angenommen.
  3. Die Entwicklung zu einer positiven Einstellung war auch zwölf Monate später noch nachweisbar.

Fleischer und Green haben festgestellt, dass dieses „Ansteckungsprinzip“ bei der Meinungsänderung auch bei anderen sensiblen Themen funktioniert, z. B. bei der politischen Einstellung oder dem Abtreibungsrecht.

Man kann also Meinungsumfragen bzw. sogar Wahlen einfach dadurch beeinflussen, dass man die Befragten bzw. Wähler in Kontakt mit Menschen bringt, die nicht dieselbe Meinung vertreten. Dazu reichen schon 20 Minuten pro Zielperson aus, also etwa eine Stunde für drei Personen.

Diesseits des Atlantiks scheint das schwer nachzuvollziehen, weil wir deutlich andere Kommunikationswege und -gewohnheiten haben. Man stelle sich doch nur einmal eine Armee an Schwulen und Lesben vor, die Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und Großbritannien deutlich schwulenfreundlicher stimmen, einfach dadurch, dass sie auf die Bürger zugehen und sich mit ihnen unterhalten.

Na ja – warum eigentlich nicht?

Wolfgang / MensGo
(Nach Businessweek vom 9. Oktober 2014)

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