Italienische Justiz entzieht Eltern ein durch Leihmutterschaft ausgetragenes Kind

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Italienische Justiz entzieht Eltern ein durch Leihmutterschaft ausgetragenes Kind

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 14. November 2014) Das italienische Berufungsgericht hat die Rechtmäßigkeit eines Kindes abgelehnt, das durch eine Leihmutter in der Ukraine ausgetragen wurde. Die Richter haben gegen das Paar aus Breschia (Lombardei), das zur Austragung seines Kindes auf eine Leihmutter zurückgegriffen hatte, ein Strafverfahren eingeleitet und verweigert den Adoptiveltern, das Kind zu behalten.

Weinendes Baby

Aus den liebenden Armen der Eltern in die kalten Arme der Justiz? © CDC / Amanda Mills.

In Italien ist Leihmutterschaft strafbar – darauf hat sich das Berufungsgericht in seinem Urteil Nr. 24001 (derzeit noch nicht online verfügbar) berufen. Nach Meinung der Richter ist deshalb auch der Adoptionsantrag ungültig, da er ja auf einer Straftat beruht. Das Paar hatte der Leihmutter in der Ukraine 25.000 Euro überwiesen.

Die biologische Mutter hat den im Jahre 2011 geborenen Jungen, dessen Vater unbekannt ist, weggegeben und ist kurz nach der Geburt verschwunden. Die „Auftraggeber“, ein unfruchtbares italienisches Paar um die 50, hat versucht, das Kind auf dem italienischen Standesamt eintragen zu lassen – aber der Schwindel flog auf. Die italienischen Behörden hatten ihnen bereits dreimal zuvor die Adoption eines italienischen Kindes verweigert.

Die Staatsanwaltschaft hatte beantragt, den Adoptiveltern trotz des Täuschungsversuchs das Sorgerecht für das Kind zu überlassen. Das Berufungsgericht entschied jedoch, den Eltern das Kind wegzunehmen.
Da man das Kind nach italienischem Gesetz nicht aus der Ukraine adoptieren kann, hat es in Italien kein Aufenthaltsrecht.

Kommentar: In diesem Fall ging es um ein heterosexuelles Paar – aber im Falle eines Homo-Paares hätte sich an diesem Richterspruch nichts geändert.

Den Tatsachen nach haben die Richter sich an das italienische Recht gehalten. Dabei haben sie aber einen Waisenknaben geschaffen, und das obwohl es Adoptiveltern gegeben hätte, die das Kind sehr gerne und sicher mit Liebe aufgezogen hätten.

Möglicherweise wird dieses Urteil bei dem kleinen Kind einen bleibenden psychischen Schaden verursachen, denn es gibt nur wenige, noch schädlichere Umstände für ein Kind als ein Waisendasein und eine Heimunterbringung.

Das Recht auf Adoption eines Kindes ist ein fundamentales Menschenrecht, genauso wie das Recht auf Arbeit oder eine Eheschließung. Im vorliegenden Fall ist das heterosexuelle Paar leider steril: Die Frau hat keine Gebärmutter mehr, und der Mann verfügt über zu wenige Spermien für eine Befruchtung.

Es ist zu erwarten, dass diese Angelegenheit bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) gelangen wird. Dort wird das bisherige Urteil mit sehr großer Wahrscheinlichkeit annulliert werden, denn es widerspricht natürlich auf frappierende Weise dem Interesse des Kindes. Wie lange das dauern wird, ist schwer vorauszusagen – genauso wie der Schaden, den das Kind am Ende nehmen wird.

Wolfgang / MensGo
(Nach Le Figaro vom 12. November 2014)

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