Schwule Jugendliche in Großbritannien: Stark diskriminiert in der Schule, schlecht informiert über HIV/AIDS

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Schwule Jugendliche in Großbritannien: Stark diskriminiert in der Schule, schlecht informiert über HIV/AIDS

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 14. März 2015) Wie informieren sich junge britische Schwule und Bisexuelle über Sex, sexuelle Kontakte und HIV? Dies wollte die Interessengruppe National AIDS Trust über eine Online-Umfrage herausfinden. Die Ergebnisse sind besorgniserregend und sogar alarmierend.

Hier eine Präsentation mit den zentralen Ergebnissen der Umfrage:

Überaus schlecht informiert

Jugendliche in Großbritannien leiden unter gravierenden Wissenslücken zu den Themen gleichgeschlechtliche Beziehungen und HIV/AIDS. Diese Wissenslücken, gepaart mit der Unzuverlässigkeit zufällig aufgeschnappter Informationen, bilden die Basis von modernen Sagen und Desinformation.

Mangelhafte Unterrichtung in Sexualkunde

Drei Viertel der Befragten bestätigen, dass der Sexualkundeunterricht keinerlei Informationen, Ratschläge oder Unterstützung zum Thema Homosexualität enthielt.

Zwei Drittel der Jugendlichen erhielten keine Informationen zu HIV-Tests.
Ein Drittel ist nicht über die Übertragung von HIV und dem Schutz davor (safer sex) informiert worden.

Gravierender Informationsmangel

Mehr als die Hälfte der Zielgruppe hat keine Informationen, Beratung oder Hilfe zum Thema HIV gesucht, und zwar nicht Mangel an Interesse sondern aus Scham und Unbehagen.

Junge Schwule und Bisexuelle wenden sich vor allem an gewisse Webseiten, insbesondere die der schwulen Community. Natürlich besuchen sie auch Pornoseiten, um dort die gesuchten Informationen zu schwulem Sex zu finden. Manche wenden sich auch an Lehrer oder andere Erwachsene im schulischen Umfeld bzw. an Info-Zentren des Gesundheitswesens.

Alles oder nichts

Zum Thema Prävention wissen 71 % der Befragten nicht, dass es Medikamente zur Postexpositionsprophylaxe (PEP) gibt, die nach einem ungeschützten Sexualkontakt eingenommen werden. 60 % der Umfrageteilnehmer wissen ebenfalls nicht, dass sexuell aktive Schwule sich mindestens einmal pro Jahr testen lassen sollen.

Auszug aus der Umfrage

Zum Vergrößern klicken. © Nat.org.uk.

Auch der allgemeine Informationsstand zu HIV/AIDS ist alarmierend. 29 % der Befragten wissen nicht, dass sich das HI-Virus weder durch den Speichel noch durch Küssen übertragen lässt. 27 % wissen auch nicht, dass HIV durch Sperma, Blut, Muttermilch sowie vaginale und rektale Körperflüssigkeiten übertragen werden kann.

Homophobe Diskriminierung und Mobbing in der Schule

55 % der jugendlichen Befragten sind aufgrund ihrer sexuellen Orientierung schon einmal Opfer von Diskriminierung oder Mobbing in der Schule gewesen – entweder durch einen anderen Schüler, eine Lehrer oder einen anderen Erwachsenen im schulischen Umfeld.

Drei Viertel der Teilnehmer berichten auch von Online-Mobbing und -Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Rechtsstaat

Von den befragten Teilnehmern wissen 75 % nicht, dass die britischen Gesetze jegliche Form von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbieten.

Methodik: Die Online-Studie Boys Who Like Boys hat 1096 schwule, bi- und transsexuelle Jungen von 14 bis 19 Jahren mit Wohnort in Großbritannien befragt. Die endgültigen Ergebnisse beziehen sich auf 961 im Zeitraum April bis Juni 2014 ausgefüllte Fragebögen.

Da es für die Teilnahme keine bestimmten Quoten gab, sind die Umfragedaten sehr heterogen. In der Stichprobe ist die Altersgruppe 16-17 Jahre mit 48 % sehr stark vertreten, die Altersgruppen 14-15 Jahre (27 %) und 18-19 Jahre (25 %) hingegen weniger stark. Überdurchschnittlich stark vertreten sind weiße Jugendliche (91 %) und Jugendliche mit Wohnsitz in England (83 %). 61 % der Teilnehmer definieren sich als schwul und 39 % als bisexuell.

Kommentar: Die Unwissenheit der jungen Schwulen über ihre grundlegenden Rechte ebnet das Feld für homophobe Einstellungen und Aktionen.

Mit Blick auf HIV/AIDS ist es illusorisch, die Pandemie ohne aktive, also gut informierte Teilnahme der jungen Schwulen und Bisexuellen einzudämmen. Und das gilt natürlich nicht nur für Großbritannien sondern überall.

Wolfgang / MensGo
(Nach The Independent vom 8. März 2015)

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