Erstmals eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft im Tokioter Bezirk Shibuya

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Erstmals eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft im Tokioter Bezirk Shibuya

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 3. April 2015) Das Rathaus des angesagten Tokioter Stadtviertels Shibuya hat am 31. März 2015 eine Verordnung erlassen, die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zulässt. Ab Juli sollen die ersten schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften eingetragen werden – auch wenn sie (noch) keinerlei juristischen Bedeutung haben.

Hier eine Rundfahrt durch Shibuya in einem traditionellen Bus (Hachi-ko).

Busfahrt durch Shibuya

Hachi-ko-Bus in Shibuya. Zum Anschauen auf YouTube
auf das Bild klicken. © City.shibuya.tokyo.jp.

Dies ist eine Premiere in Japan. Die Verordnung wurde mit der Mehrheit der Stimmen des Stadtparlaments angenommen – allerdings ohne die Stimmen der regierenden liberal-demokratischen Partei, deren bekanntester Vertreter, Premierminister Shinzo Abe, in Shibuya lebt.

Diese zukünftige gleichgeschlechtliche Partnerschaft soll in etwa mit der traditionellen Ehe gleichgestellt sein, das heißt, dass die beiden Partner dieselben Rechte und Privilegien genießen werden wie heterosexuelle Paare. Einziger Schwachpunkt: Das Konstrukt wird (zunächst) nur in Shibuya selbst gelten.

Laut Wikipedia und aktuellen Presseberichten leben in Shibuya, einem trendigen, touristischen, wirtschaftlich erfolgreichen und modernen Viertel, etwa 217.000 Menschen, darunter etwa 9.000 Ausländer.

Das Bürgermeisteramt von Shibuya hat vor, Diskriminierung durch eine umgekehrte Stigmatisierung zu ahnden: Physische und juristische Personen, die die geplanten Partnerschaften nicht anerkennen wollen, werden auf der offiziellen Webseite des Stadtviertels angeprangert werden – und das, obwohl die Verordnung im Grunde juristisch nicht bindend ist.

Diese neue Verordnung ist Teil einer größeren Initiative, mit der Shibuya versucht, gleiche Rechte für alle, sexuelle Vielfalt, sexuelle Minderheiten und die Menschenrechte zu fördern. Der Bezirksrat möchte darüberhinaus demnächst eine Kampagne zur Sensibilisierung der Menschen auf LGBT-Themen starten.

Die beiden Städte Yokohama (zweitgrößte Stadt Japans) und Takarazuka (unweit von Osaka) sowie die Tokioter Stadtbezirke Setagaya und Toshima haben vor, dem Vorbild von Shibuya bald zu folgen.

Im Grunde ist die japanische Gesellschaft eigentlich nicht homophob, und viele Japaner (insbesondere die Jugend) toleriert Homosexualität, soweit sie diskret und möglichst unsichtbar bleibt. Deshalb ist das Thema Coming-Out aber auch nicht gerade sehr angesagt.

Premierminister Shinzo Abe ist eher gegen eine Legalisierung der Homo-Ehe, weil sie seiner Meinung nach eine Bedrohung für die traditionelle japanische Familie darstellt. Die japanische Verfassung (Art. 24) definiert die Ehe als eine Verbindung zwischen Mann und Frau.

Kommentar: Kein Aprilscherz – auch wenn die meisten Pressemeldungen die Nachricht am 1. April verbreiteten. :)

Vermutlich werden nur wenige Bürger von Shibuya die Möglichkeit der eingetragenen Partnerschaft ab Juli nutzen. The Economist sieht nur etwa 1.000 Menschen des Viertel, die davon profitieren werden.

Andererseits könnte diese Sache eine große touristische Wirkung entfalten: Zum einen bei Japanern, die nicht in Shibuya leben, aber insbesondere auch bei chinesischen Touristen.

Seit einigen Monaten führen die japanische Regierung und die Stadtverwaltungen eine Charme-Offensive gegenüber chinesischen Touristen durch. Viele Japaner sehen die Chinesen als recht gut betucht (auch dank der Schwäche des Yen gegenüber dem Yuan), großzügig (Made in Japan hat in China einen sehr guten Ruf), aber auch als unhöflich, laut, ungeniert, schlecht erzogen und nicht besonders schlau (viele kaufen in Japan Waren Made in China).

Immerhin: Wenn die gleichgeschlechtliche Partnerschaft die japanische Wirtschaft ankurbelt, dann ist sie auch gut für Japan. Ein Anfang ist sie allemal.

Wolfgang / MensGo
(Nach The Economist vom 21. März, The Japan Times vom 31. März 2015, Dozodomo.com vom 1. April, L’Express vom 2. April 2015)

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