Konkursverfahren für Têtu eingeleitet

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Konkursverfahren für Têtu eingeleitet

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 26. Juli 2015) Am 23. Juli hat das französische Wirtschaftsgericht das Konkursverfahren gegen die Firma CPPD, die Muttergesellschaft von Têtu, eingeleitet. Die neun Angestellten der französischen schwulen Monatszeitschrift werden entlassen.

Titel von Têtu

Die 212. und letzte Ausgabe von Têtu. © Tetu.com.

Têtu wird eingestellt

Seit der Eröffnung des offiziellen Umstrukturierungsverfahrens (siehe unseren Artikel vom 2. Juni 2015) hat sich die finanzielle Lage des sehr stylishen Hochglanzmagazins nochmals verschlechtert, und die erhoffte Übernahme kam trotz zweier Angebote nicht zustande, wie der Eigentümer jetzt in einer Pressemitteilung (auf Französisch) verlautbarte.

Wie kam es dazu? Es ist wohl nicht die Schuld einzelner Akteure, sondern vielmehr das Ergebnis gesellschaftlicher Tendenzen und aktueller Konsumgewohnheiten: Ein allgemein schwieriges wirtschaftliches Umfeld, strukturelle Probleme beim Vertrieb, zaghafte PR-Agenturen und ein verändertes Kaufverhalten der Zielgruppen. Jüngere Schwule sind glücklich mit den rechtlichen Errungenschaften der letzten Jahre und sehen sich oft nicht mehr als „anders“.

Der Eigentümer von Têtu, Jean-Jacques Augier, meint in seiner Pressemitteilung, dass es heute „eine verbreitete Fehleinschätzung sei, dass die Gleichgültigkeit gegenüber unserem Anderssein bereits vollständig erreicht sei, dass das Blatt sich komplett gewendet hätte und dass es in den Augen der Öffentlichkeit keinen Unterschied mehr mache, ob man schwul ist oder nicht.“

Tetu.com und die Marke Têtu stehen zum Verkauf

Die Marke Têtu soll bald versteigert werden, und die derzeit rentable Webseite Tetu.com wird vorläufig weiterbetrieben, wenn auch in kleinerem Umfang.

In letzter Zeit wurden pro Monat nur noch etwa 28.275 Exemplare von Têtu verkauft. Die aktuelle Ausgabe Juli/August wird vermutlich die Auflage nochmals steigern können – aber wohl nur weil Mika auf dem Titel erscheint und es die letzte Ausgabe des gedruckten Magazins sein wird.

Trotz seines recht großen Erfolgs war das sehr aufwändig gestaltete Hochglanzmagazin seit seinem ersten Erscheinen vor 20 Jahren fast ständig defizitär. Die finanziellen Verluste wurden stets von den Eigentümern übernommen.

Der Gesamtverlust des Geschäftsjahrs 2015 wird sich vermutlich auf etwa 500.000 Euro belaufen. Das ist zwar nur die Hälfte verglichen mit dem Vorjahr, aber für eine Fortführung des Magazins immer noch zu viel.

Auch Yagg kämpft ums Überleben

Auch das französische schwule Internetportal Yagg sucht derzeit mindestens 3000 neue zahlende Mitglieder, um weitermachen zu können. Seither haben knapp 1400 Leser (Stand heute) eine zahlende Mitgliedschaft abgeschlossen, aber das entspricht erst 46 % der benötigten Neuzugänge.

Durch eine Kapitalerhöhung im März 2015 war es Yagg gelungen, knapp 41.000 Euro aufzubringen – hier ist die Hoffnung also noch nicht ganz verloren.

Wolfgang / MensGo
(Nach Tagespresse vom 23. Juli 2015, darunter Tribune de Genève, RFI und Le Monde)

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