USA: Gefängnisstrafe für Weigerung, Homo-Paare zu trauen

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USA: Gefängnisstrafe für Weigerung, Homo-Paare zu trauen

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 4. September 2015) Die Leiterin des Standesamts in Rowan (Kentucky), Kim Davis (49) wurde am 3. September 2015 vorläufig inhaftiert, weil sie sich geweigert hatte, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen. Die Beamtin hatte verkündet, lieber ins Gefängnis gehen zu wollen, als in Ihrem Standesamt Eheschließungen zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren zu vollziehen.
[Aktualisierung vom 14. September 2015 am Ende des Artikels, nach dem Kommentar.]

Die Fakten

Anfang Juli 2015 wollten David V. Moore und sein Partner nach 17 Jahren gemeinsamen Lebens heiraten. Im County Rowan (Kentucky) wurde ihnen jedoch dreimal hintereinander die Eheschließungslizenz verweigert – beim zweiten und dritten Mal sogar trotz eines Kameramanns, der alles aufzeichnete. Hier einer der fruchtlosen Versuche:

Einigen anderen gleichgeschlechtlichen Paaren hat die Leiterin des Standesamts, Kim Davis, die Eheschließung aufgrund ihrer religiösen Ansichten genauso verweigert. Auch ihre fünf Untergebenen (darunter ihr Sohn Nathan Davis) wollten die gleichgeschlechtlichen Eheschließungen nicht vollziehen.

Ohne die Unterschrift des Standesamtsleiters auf den Formularen wird normalerweise in den USA keine Eheschließung vollzogen.

David V. Moore und sein Partner haben – zusammen mit anderen lesbischen und schwulen Paaren – Kim Davis angezeigt und auf eine Geldstrafe verklagt.

„Gottesgläubige Närrin“

Bundesrichter David L. Bunning ist über die Forderungen der Kläger hinausgegangen und hat eine vorübergehende Haftstrafe verhängt.

Zugleich hat der Richter verhängt, dass die untergebenen Standesbeamten die Homo-Ehen in Abwesenheit der Leiterin zu vollziehen hatten. Ab dem 4. September sollten zunächst zwei gleichgeschlechtliche Eheschließungen stattfinden.

Homophobe Spinner

Von den 120 Standesbeamten in Kentucky weigern sich drei (darunter Kim Davis) aufgrund religiöser Motive, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen.

Dieses Gerichtsverfahren hat sofort Eingang in die Politik gefunden, insbesondere bei den Kandidaten für die Präsidentschaftswahl 2016.

Hillary Clinton hat sofort Richter Bunnings Entscheidung unterstützt:

Tweet von Hillary Clinton

Zum Vergrößern klicken.

Mehrere republikanische Kandidaten haben sich im Namen der Religionsfreiheit sofort auf die Seite von Kim Davis geschlagen.

Ein Wort von Jimmy Carter…

Unabhängig von dieser aktuellen Geschichte ein Wort vom früheren Präsidenten Jimmy Carter vom März 2012. Carter, selbst Evangelist und ein sehr guter Bibelkenner, antwortete zur Frage der Diskriminierung von Schwulen und Lesben aufgrund biblischer Texte:

Interview mit Jimmy Carter

Zum Vergrößern klicken, ©HuffPost.

 

Kommentar: Ein weises Wort von Jimmy Carter. Am Ende seines Lebens findet der todkranke Ex-Präsident sehr vernünftige Worte – trotz seiner früher weniger schwulenfreundlichen Kommentare.

Als Beamtin hat Kim Davis eine sehr verwunderliche Einstellung zu ihren staatlichen Pflichten. Wenn sie diese nicht ausführen möchte, dann sollte sie einfach zurücktreten und anderen Leuten den Vortritt geben.

[Hier die Aktualisierung vom 14. September 2015. Seit der ursprünglichen Fassung des Artikels am 4. September 2015 ist doch einiges passiert.]

Erste gleichgeschlechtliche Trauungen in Rowan

Nach fünf Nächten im Gefängnis von Grayson (Kentucky) wurde Kim Davis am 10. September 2015 wieder entlassen. Richter Bunning hat ihre Freilassung angeordnet, weil ihre Untergebenen im Standesamt jetzt Hochzeitslizenzen an schwule und lesbische Paare ausgeben.

Vorläufige Freiheit

Richter Bunning hat Kim Davis auferlegt, in keiner Weise auf die Ausgabe von Hochzeitslizenzen durch ihr Personal einzuwirken. Davis hat bis zum 14. September Urlaub genommen – offiziell, um sich für die vielen Nachrichten des Zuspruchs Zeit zu nehmen.

Mark und Allen getraut von Brian

Mark Shrayber und Allen Corona sind nach acht Jahren des Zusammenlebens das erste schwule Paar, das im Standesamt von Rowan (Kentucky) geheiratet hat, obwohl sie eigentlich in San Francisco (Kalifornien) leben.

Die Trauung wurde von Brian Mason vollzogen, einem Standesbeamten, der laut eigener Aussage auch weiterhin Homo-Ehen vollziehen werde, auch wenn es seine Chefin, Kim Davis, ihm verbiete.

Ungewisse Zukunft für Kim Davis

Die renitente Chefin des Standesamts Davis hat sich noch nicht dazu geäußert, ob sie der Anordnung von Richter David L. Bunning nach ihrer Rückkehr an den Arbeitsplatz folge leisten würde. Sie hat aber auch nicht gesagt, dass sie zurücktreten wolle, weil sie keine Homo-Ehen erlauben möchte.

Die Amerikaner missbilligen das Verhalten von Kim Davis

Richter Bunnings Entscheidung, Davis ins Gefängnis zu stecken hat in den USA viel Polemik hervorgerufen. Dennoch sprechen sich 56 % der Amerikaner für und nur 31 % gegen diese Maßnahme aus (nach einer YouGov-Umfrage für die Huffington Post. Bei den Demokraten ist die Zustimmung besonders hoch (72 %), wohingegen sie das republikanische Lager in zwei Hälften spaltet (je 42 % dafür und dagegen).
Übrigens: Kim Davis wurde durch Demokraten zur county clerk befördert.

Kim Davis : OUT

Kim Davis : OUT! (Zum Vergrößern klicken)

Sollte man sie im Gefängnis lassen? Immerhin meine 40 % der Befragten JA, gegenüber 44 % NEIN.

Die Meinungen zum Amt von Kim Davis sind noch stärker geteilt: Fast zwei Drittel der Amerikaner (65 %) finden, dass sie zurücktreten sollte, und 4 % dass sie Trauungen unabhängig von der sexuellen Orientierung der Paare durchführen sollte. Nur etwa ein Viertel (23 %) finden, dass die evangelikale Christin weiterhin ihr Amt ausführen und keine gleichgeschlechtlichen Paare trauen sollte.
(Umfrage im Zeitraum 4.-7. September 2015 unter 1.000 Amerikanern ab 18 Jahren.)

Kim Davis hält sich für Sylvester Stallone

Kim Davis wird möglicherweise auch ein Anzeige für die nicht genehmigte Verwendung eines Lieds erhalten, und zwar von „Eye of the Tiger“ der Gruppe Survivor (Teil der Filmmusik von Rocky III, mit Sylvester Stallone).

Ein Koautor des Lieds, Frankie Sullivan, hat die nicht genehmigte Verwendung des Lieds gerügt und gemeint, er hätte die Verwendung nicht genehmigt, wenn man ihn gefragt hätte.

Ein andrerer Koautor, Jim Peterik, war verdutzt über die Verwendung des Songs außerhalb des sportlichen Umfelds. Auch für Sportveranstaltungen bitten die Organisatoren stets zuvor um die Genehmigung für die Verwendung des Lieds.

Sullivan und Peterick haben sich allerdings noch nicht dazu geäußert, ob sie rechtliche Schritte einleiten wollten.

Kommentar: Leute in bestimmten Berufen äußern sich besonders streng gegen Kim Davis. Im Militär und auch im zivilen Staatswesen hat ein Gesetz, ein Befehl, eine Anordnung oder wie auch immer, von den Angehörigen des jeweiligen Systems umgesetzt zu werden, ohne hinterfragt zu werden. Also entweder sich fügen, oder aber die Konsequenz tragen und zurücktreten.

Wolfgang / MensGo
(Nach amerikanischer Tagespresse, darunter The New York Times vom 3. September und ABC News vom 4. September 2015)

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