Coming-Out zweier britischer Top-Fußballer angekündigt

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Coming-Out zweier britischer Top-Fußballer angekündigt

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 27. Oktober 2015) Der Daily Mirror berichtet in seiner Ausgabe vom 24. Oktober 2015, dass zwei Fußballer der britischen Premier League sich zu ihrem Coming-Out entschlossen haben – darunter auch ein internationaler Spieler der englischen Nationalmannschaft.

[Aktualisierung vom 20. Oktober 2016: Aktualisierungen am Ende des Artikels – mit den widersprüchlichen Erklärungen des Pessimisten Greg Clarke (Präsident des englischen Fußball-Verbands) sowie des sehr schwulenfreundlichen Chris Sutton (früherer Stürmer der Nationalmannschaft).]

[Aktualisierung vom 10. Januar 2017: Greg Clarke macht eine Kehrtwende und beführwortet jetzt ein massives oder wenigstens kollektives Coming-out.]

[Aktualisierung vom 7. Juni 2017: Der französische Fußballer Antoine Griezmann versteht, warum Fußballer sich nicht outen.]

[Aktualisierung vom 19. August 2017: Der britische Profi-Schiedsrichter Ryan Atkin outet sich und kritisiert Homophobie im Fußball.]

Wer sind die beiden schwulen Fußballspieler?

Der Daily Mirror gibt keine näheren Hinweise zur Identität der beiden Top-Sportler. „Die beiden Fußballer – darunter ein internationaler Spieler – haben es ihren Familien und Freunden erzählt, und sie genießen die Unterstützung ihrer jeweiligen Clubs sowie der englischen Fußballföderation“, schreibt das britische Blatt.

Arsène Wenger und Olivier Giroud

Sind Arsène Wenger und Olivier Giroud, Trainer bzw. Stürmer von Arsenal, schwul? © Arsenal.com.

Ein dritter „sehr bekannter“ schwuler Profifußballer der ersten englischen Liga möchte sich derzeit nicht öffentlich bekennen, obwohl er sich schon 2011 vor seinen Freunden geoutet hat, berichtet die Zeitung weiter. Danach wurde sein Auto mit homophoben Schmierereien verunstaltet, so dass er einen weiteren Outing-Schritt fürchtet.

Wann wollen sich die beiden outen?

Laut dem Daily Mirror wollen sich die beiden Profispieler „vor Beginn der nächsten Saison“ öffentlich als schwul bekennen – also wohl vor oder während des Sommers 2016.

Vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 wird die EM in Frankreich stattfinden. Ob das Outing wohl vor, während oder nach diesem großen Medienereignis stattfinden wird?

Praktisch noch nie dagewesen

Nur ein international bekannter Fußballspieler hat sich bisher während seiner Karriere geoutet, und zwar Justin Fashanu im Jahr 1990. Nach diversen homophoben Beleidigungen und Angriffen beging er 1998 Selbstmord.

Ein weiterer Top-Spieler hat sich schon 2013 geoutet, und zwar der amerikanische Mittelfeldspieler Robbie Rogers am Tag seines Rückzugs aus dem Profisport. Später hat er sich die Profischuhe nochmals kurzzeitig angezogen und wurde damit der erste offen schwule Spieler in der US-Meisterschaft.

Auch Thomas Hitzlsperger hat Anfang 2014 mit seinem Outing bis nach seinem Rückzug aus dem Profifußball gewartet.

Insgesamt bedeutet das Coming-Out eines englischen Profi-Fußballers während seiner Karriere ein echtes Novum.

Theo Walcott auf dem Titel des Arsenal-Magazins

Ist Theo Walcott (Arsenal bzw. England) schwul? © Arsenal.com.

Warum jetzt die Outings?

Unter Berufung auf diverse Quellen hebt der Daily Mirror hervor, dass die Stigmatisierung von Schwulen heute nahezu Vergangenheit ist. Die Öffentlichkeit ist toleranter geworden und schwule Fußballer können für Clubs und Medien durchaus einen sehr interessanten Werbewert bedeuten.

Ratespielchen

Verschiedene britische Boulevardblätter behaupten, es gäbe mindestens acht schwule Spieler in der Premier League, ohne jedoch Namen zu nennen.

Unter anderem bringt Foot365.fr den Namen Theo Walcott (26), Stürmer in der englischen Nationalmannschaft und bei Arsenal London, ins Spiel, weil Bilder verbreitet wurden, die ihn in sehr nahem Kontakt mit anderen Männern zeigen.

Auch von einem anderen Spieler bei Arsenal wird gesprochen, dem Franzosen Olivier Giroud. Man weiß nicht, ob er schwul oder nur schwulenfreundlich eingestellt ist, aber unter anderem erschien er auf der Titelseite des vor kurzem eingestellten Schwulenmagazins Têtu.

Arsène Wenger, der französische Trainer von Arsenal ist ein weiterer Kandidat. Er steht zugleich für die positiven Werte des Sports, der Ästhetik und der Intelligenz.

Auch über den Deutschtürken Mesut Özil kann man fantasieren.

Lassen wir uns überraschen, was da bald auf uns zukommen wird...

Der Leiter des Verbands rät schwulen Fußballern der Premier League, sich nicht zu outen

In einem Interview am 17. Oktober 2016 hat der Präsident der englischen Football Association, Greg Clarke, erklärt, dass Spieler der Premier League durch ihr Coming-Out „schlimme Beleidigungen“ riskieren würden, und dass er sich „persönlich dafür schämt, dass sie sich für ein Outing nicht sicher genug fühlen“.

Außerdem hat er gesagt, die beiden Fußballer, die ihr baldiges Outing angekündigt hatten, sowie den Dritten, an dessen Auto homophobe Aufkleber angebracht worden waren, nicht zu kennen.

Chris Sutton findet, dass die Zeit für solche Coming-outs gekommen ist

Der frühere Stürmer und heutige Sport-Kommentator bei der BBC, Chris Sutton, ist mit Greg Clarkes Einstellung nicht einig.

Tweet von MainOnline Sport

Daily Mail verweist auf Chris Sutton und erinnert an das Coming-out von Thomas Hitzlsperger (Foto).

Sutton meinte in einem Forum, dass man sich nicht mit Nichtstun zufrieden geben kann, nur weil eine kleine Minderheit keine schwulen Fußballspieler sehen will.

Außerdem glaubt er, dass sowohl die Mitspieler als auch die Funktionäre schwule Spieler unterstützen würden.

I’m convinced that once the first gay footballer comes out, others will follow. It will be the best thing that happens to the homophobia debate.
Chris Sutton, früherer internationaler Fußballer

Mit den Fans mag es sich zwar etwas anders verhalten, so Sutton, aber warum sollte es im Fußballstadion nicht gehen, wenn es doch auch in der Schule und am Arbeitsplatz funktioniert.

Auch Tom Daley hat ja sein Coming-out, nach einigen üblen Reaktionen am Anfang, schließlich auf lange Sicht nicht geschadet.

Der Präsident des englischen Fußball-Verbands ruft zu kollektivem Coming-out auf, um eine Stigmatisierung zu vermeiden

Greg Clarke, der Präsident des englischen Fußball-Verbands, hat seine Meinung nun komplett geändert (siehe unten). In einem am 9. Januar 2017 von der Times veröffentlichten Interview (Zugriff gegen Bezahlung oder Abonnement) bestätigt Clarke, dass es zur Vermeidung eines großen Medienrummels und der Stigmatisierung das Beste für die schwulen Fußball-Profis wäre, ihr Coming-Out gemeinsam bekanntzugeben, also ein kollektives oder sogar massives Coming-Out.

I put the message out there that if a number of top-level pros want to come out, why don’t we synchronise it?
Greg Clarke, Präsident des englischen Fußball-Verbands

Nachdem Clarke über einen Zeitraum von vier Wochen 15 schwule Sportler (darunter auch Fußballer) getroffen hatte, hat er seine Meinung zu diesem Thema wohl überdacht. Er schlägt den offiziellen Organisationen des englischen Fußballs vor, gemeinsam daran zu arbeiten, dass alle schwulen Spieler, die sich gerne outen möchten, dies zu anfangs der kommenden Saison gemeinsam tun könnten.

Laut Greg Clarke sind die Profi-Fußballer dazu bereit, ihre schwulen Mannschaftskameraden zu unterstützen, stellt jedoch in Frage, ob die Spieler der gegnerischen Mannschaften schon soweit sind. Außerdem soll es natürlich die freie Entscheidung jedes einzelnen Spielers sein, ob er sich outen möchte oder nicht.

Mit anderen Worten: Die britischen Fußball-Verbände sind bereit, das Coming-out der Profi-Fußballer zu unterstützen. Bei einem kollektivem Coming-out wäre die öffentliche Reaktion wahrscheinlich einfacher zu ertragen.

Antoine Griezmann meint, er würde sich outen, wenn er schwul wäre

Würdest du dich outen, wenn du schwul wärst? „Ich denke ja“, hat Antoine Griezmann in einem am 6. Juni 2017 veröffentlichten Interview der spanischen Zeitung El País erklärt. Allerdings meint der Stürmer der französischen Nationalmannschaft und des spanischen Clubs Atlético Madrid auch, dass dies wohl einfacher gesagt als getan ist.

Antoine Griezmann

Antoine Griezmann, hier bei der EM 2016. Fashion victim, hetero-metro-sexuell und respektvoll gegenüber schwulen Fußballern. © Laurence Griffiths/Getty Images

Griezmann weiß, dass der Fußballsport voll von Leuten ist, die einen auf hart und stark machen. Wenn schwule Fußballer entscheiden, sich nicht zu outen, komme das sicher auch von der Angst, was die Leute im Bereich des Fußballs sagen würden. Außerdem gebe es viel übles Volk in diesem Milieu und die Schwulen fürchten wohl, im Stadion beschimpft und beleidigt zu werden..

Der 26-jährige Stürmer hätte kein Problem mit offen schwulen Spielern im Profi-Fußball. Andererseits spricht er sich weder für noch gegen ein Coming-out schwuler Fußballer aus.

Griezmanns Freundin Erika Choperena ist Mode-Bloggerin, und er selbst ist immer sehr um seine äußere Erscheinung und modische Outfits bemüht – ein echtes Fashion Victim sozusagen. 🙂

Ryan Atkin, der erste offen schwule Schiedsrichter im Profi-Fußball

Ryan Atkin (32) hat sich am 10. August 2017 in einem Interview auf Sky Sports öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt. Das macht ihn zum ersten Schiedsrichter im britischen Profi-Fußball, der sich während seiner aktiven Laufbahn geoutet hat.

Hier ein Interview von Ryan Atkin mit Lorraine Kelly auf ITV:

 

Die Ankündigung Atkins kommt zu einer Zeit, in der man Schwule auf dem Feld lange nicht mehr so negativ sieht wie zuvor. Wie schon weiter oben im Artikel dargestellt, haben sich sowohl offizielle Organisationen des britischen Fußballs als auch bekannte Fußballpersönlichkeiten (während oder nach ihrer aktiven Zeit) auf die Seite schwuler Spieler geschlagen und diese sogar aufgefordert, offen damit umzugehen. Die Kampagne Rainbow Laces (Regenbogen-Schnürsenkel) der Organisation Stonewall wirkt schon seit einigen Jahren in den Augen der Öffentlichkeit. Auch Profi-Ausstatter und Sponsoren wie Nike und Adidas tragen zu einer schwulenfreundlicheren Grundhaltung bei.

I hope that my action, however small, will help give others in a similar situation the confidence to be themselves.
Ryan Atkin

Ryan Atkin sieht sich selbst nicht zuerst als schwuler Schiedsrichter, sondern in erster Linie als Profi-Schiedsrichter, der nun einmal schwul ist.

Er hat sich erst jetzt öffentlich geoutet, auch wenn er schon jahrelang Mitglied von IGLFA (International Gay & Lesbian Football Association) ist. Die wenigen Kollegen, die bereits Bescheid wussten, hatten allesamt sehr positiv reagiert. Atkin hat sich erst 2014 gegenüber seiner Mutter geoutet und auch erst im Alter von 21 Jahren selbst verstanden, dass er schwul ist.

Er möchte sich in der Zukunft noch stärker für Offenheit, Vielfalt und Inklusion in Fußball einsetzen, soweit er dies in seinem Umfeld tun kann. Er glaubt fest daran, dass man seine Arbeit besser macht und zufriedener ist, wenn man der sein kann, wer man ist.

Homophobia is still a problem, but things are improving all the time. You can change the game and culture when you change your mind – and those who do need education generally change their ways once they’ve been made aware that their behaviour is unacceptable in society.

Das öffentliche Coming-Out Atkins wurde von allen offiziellen Gremien und Einrichtungen des britischen Profi-Fußballs begrüßt und unterstützt.

Von allen Seiten kam „Applaus“ auf Ryan Atkins Outing, und man ist sich einig, das die Zeit nun reif sei für das öffentliche Coming-Out einiger bekannter Spieler der großen Ligen.

Ryan Atkin ist einer der wenigen Profis im Fußball und Rugby, die sich während ihrer Karriere geoutet haben. Bereits 2007 hat sich der wallisische Rugby-Schiedsrichter Nigel Owens geoutet, und 2014 dann der andalusische Fußball-Schiedsrichter Jesús Tomillero, wenn auch mit negativen Konsequenzen: Owens wurde auf dem Feld und auch außerhalb des Felds immer wieder beschimpft, und Tomillero zog es vor, seine Karriere zu unterbrechen, weil er die öffentlichen homophoben Attacken nicht ertragen konnte.

Atkin hatte bis jetzt noch keine homophoben Angriffe zu erleiden, weiß aber sehr wohl über die Attacken gegen seine Kollegen Bescheid. Er betont, dass auf dem Spielfeld jegliche homophobe Ausfälligkeit laut den offiziellen Fifa-Statuten von Schiedsrichtern zu bestrafen ist.

Bravo Ryan Atkin, aber die härteste Zeit kommt wohl noch. Durchhalten ist gefragt…

Wolfgang / MensGo
(Nach Daily Mirror vom 23. Oktober 2015)

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