Vierzig Jahre schwules Archiv für die Universität Minnesota

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Vierzig Jahre schwules Archiv für die Universität Minnesota

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 28. Oktober 2015) Die juristische Geschichte zur Homo-Ehe in den USA geht bis ins Jahr 1972 zurück, als der Oberste Gerichtshof der USA die Klage von Michael McConnell und Jack Baker (Sachen Baker gegen Nelson) für unzulässig erklärte. 43 Jahre später gab die oberste Gerichtsbarkeit der USA grünes Licht für die Homo-Ehe im gesamten Staatsgebiet. Am 26. Oktober 2015 schenkte das schwule Paar sein gesamtes schwullesbisches Archiv der Universität Minnesota.

The Gay Revolution

Zum Vergrößern klicken. © Simon & Schuster.

Michael McConnell und Jack Baker sind in die amerikanische LGBT-Geschichte eingegangen: Am 18. Mai 1970 beantragten sie eine amtliche Heiratserlaubnis, die man ihnen damals umgehend verweigerte. Seit diesem Zeitpunkt haben sie alle Dokumente und Objekte des Kampfes und der Siege um ihre Partnerschaft sowie der gesamten LGBT-Community aufbewahrt und dokumentiert.

Jetzt haben sie der Universität Minnesota die Kleinigkeit von 80 Kartons Archivmaterial aller Art zukommen lassen: Briefe, Fotos, juristische Dokumente, Abzeichen, Flaggen und Anzüge von Umzügen, Flyer und Einladungen. Einer der beiden Partner ist Bibliothekar, was dieser Sache natürlich zugute kommt.

Michael McConnell (73) ist aber ein ganz besonderer Bibliothekar: Als 1970 bekannt wurde, dass er schwul ist und einen Mann heiraten möchte, zog die Universität Minnesota ein ihm zuvor gemachtes Angebot für eine Anstellung als Bibliothekar wieder zurück.

Michael McConnell klagte gegen diese Entscheidung und gewann in erster Instanz. Im Oktober 1971 gewann jedoch die Universität in zweiter Instanz, weil Homosexualität seinerzeit als ein Fehlverhalten, eine Sünde und sogar als Geisteskrankheit galt. Homosexuelle Akte konnten sogar strafrechtlich verfolgt werden.

Victory, von Linda Hirshman

Victory! © HarperCollins.

Vier Jahrzehnte später entschlossen sich die beiden Männer, ihr persönliches Archiv der Jean-Nickolaus Tretter Collection in GLBT Studies in GLBT Studies der Universität Minnesota zu hinterlassen. Jack Baker verlangte von der Universität allerdings zuerst eine schriftliche Entschuldigung.

Also hat sich der heutige Präsident der Universität, Eric Kaler, 2012 offiziell für das Fehlverhalten seiner Vorgänger entschuldigt, und das Archiv konnte übergeben werden.

Da sich in den Archiven auch sehr persönliche Dokumente befinden, haben Jack und Michael verfügt, dass diese erst nach ihrem Tod verwendet werden dürfen. Derzeit haben die Geschichtsforscher Zugriff auf 34 bereits katalogisierte Kartons.

Für Michael McConnell ist es eine späte Genugtuung, dass dieselbe Uni, die ihn seinerzeit nicht anstellen wollte, heute das Archiv eines ganzen Lebens der Liebe und des schwulen Aktivismus aufbewahren und aufarbeiten wird.

Ergänzung: Passend zum Thema hier der Hinweis auf zwei vor aktuelle Bücher zum Kampf um schwullesbische Gleichberechtigung in den USA.

Zunächst das kürzlich erschienene Buch von Lillian Faderman: The Gay Revolution: The Story of the Struggle (New York, Simon & Schuster, 816 Seiten, September 2015). Die New York Times Book Review hat das Werk kürzlich ausführlich rezensiert.

Das zweite Werk zum Thema ist von Linda Hirshman und heißt Victory: The Triumphant Gay Revolution (2012 als Paperback erschienen bei HarperPerennial, 464 Seiten, Taschenbuchausgabe im Jahr 2013).

Lillian Fadermans Buch gibt mehr Einzelheiten zum lesbischen Aktivismus, während Linda Hirshman sich stärker auf Schwule konzentriert. Keines der beiden Bücher geht jedoch ausführlich auf transsexuelle Themen ein – möglicherweise aus Mangel an Dokumentation zu diesem Thema.

Wolfgang / MensGo
(Nach Star Tribune vom 26. Oktober 2015)

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