Türkischer Fußballverband für Entlassung eines schwulen Schiedsrichters verurteilt

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Türkischer Fußballverband für Entlassung eines schwulen Schiedsrichters verurteilt

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 31. Dezember 2015) Der türkische Fußballverband wurde am 29. Dezember 2015 von einem Istanbuler Gericht verurteilt, weil er einem schwulen Schiedsrichter ein Arbeitsverbot erteilt hatte. Dies ist eine juristische Premiere in der Welt des Fußballs in der Türkei.

Halil İbrahim Dinçdağ

Halil İbrahim Dinçdağ (rechts) hofft, dass dieses Urteil Schule macht und will weiterhin gegen Homophobie kämpfen. © DR

Die Tatsachen

Halil İbrahim Dinçdağ war bis 2008 Schiedsrichter in der Amateurliga. Der türkische Fußballverband (TFF, Türkiye Futbol Federasyonu) wollte seine Lizenz für 2009 nicht verlängern, weil es zwischenzeitlich Gerüchte über seine Homosexualität gab.

Nach seinem Ausscheiden hat Halil İbrahim Dinçdağ im Jahr 2009 seine Homosexualität in einer Fernsehsendung veröffentlicht. Daraufhin verlor er auch seinen Posten als Radiosprecher. Er sah sich dazu gezwungen, nach Istanbul zu ziehen, um die Anonymität der Großstadt zu suchen, fand aber dort auch keine Arbeit, weil mittlerweile bekannt war, dass er schwul ist.

Dinçdağ war aufgrund seiner Homosexualität (offiziell wegen einer „psychosexuellen Störung“) aus der Armee entlassen worden. Darauf berief sich der TFF vor Gericht und begründete so, dass er deshalb auch nicht als Schiedsrichter arbeiten dürfe.

Nachdem der Vizepräsident des TFF Dinçdağ als Schiri zweiter Klasse bezeichnet hatte, sicherte ihm die türkische Vereinigung der Fußball-Schiedsrichter öffentlich ihre Unterstützung zu.

Der frühere Schiedsrichter, heute 39 Jahre alt, hat seinen Rausschmiss anschließend vor Gericht angefochten, und der Rechtsstreit dauerte insgesamt 6 Jahre. Mehr Details hierzu gibt es auf der Wikipedia-Seite zu Halil İbrahim Dinçdağ (TR | DE | EN | ES).

Die Strafe

Das Gericht hat den TFF aufgrund diskriminierender Behandlung zu einer Strafzahlung von 23.000 türkischen Lira (etwa 7.200 EUR) verurteilt. Das Urteil verpflichtet den Verband jedoch nicht, Halil İbrahim Dinçdağ wieder einzustellen.

Kommentar: Leider hat dieser Richterspruch nur einen geringen symbolischen Wert. Immerhin stellt das Gericht fest, dass hier Diskriminierung vorliegt.

Wenn nach sechsjährigem Kampf nur ein Schmerzensgeld von ein paar Tausend Euro fällig ist, dann wird das andere Arbeitgeber wohl kaum von diskriminierender Behandlung abhalten.

Der Prozess hat in der Türkei sehr viel Wirbel gemacht, aber auch gezeigt, wie stark Homophobie im Fußball (und in der Gesellschaft selbst) verankert ist.

Der Kampf muss weitergehen – bis zum Schlusspfiff!

Wolfgang / MensGo
(Nach Tagespresse vom 29. Dezember 2015, darunter Europe 1 und LaProvince.be)

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