Premiere in Italien: Gleichgeschlechtliche Partner adoptieren gegenseitig ihre Kinder

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Premiere in Italien: Gleichgeschlechtliche Partner adoptieren gegenseitig ihre Kinder

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 3. März 2016) Das Jugendgericht in Rom hat einem Paar lesbischer Mütter erlaubt, jeweils das biologische Kind der Partnerin zu adoptieren. Eine Adoption durch gleichgeschlechtliche Eltern ist zwar nichts Außergewöhnliches mehr, allerdings handelt es sich hier um die erste Adoption „über Kreuz“.

Lesbische Mütter vor einem Kinderwagen

Im Kinderwagen: Julie und ihre Nicht-Schwester Julia Dupont-Durand. © Philippe Leroyer CC BY-NC-ND 2.0.

Der doppelte Adoptionsantrag wurde begründet mit dem höherwertigen Interesse der Kinder und der „affektiven Beständigkeit“, wie ihn das Adoptionsrecht vorsieht. Die Elternschaft für die beiden Mädchen wird also offiziell, vollständig und zu gleichen Teilen den beiden Müttern übertragen. Die beiden Mädchen (4 und 8 Jahre alt) werden einen doppelten Familiennamen tragen, gelten aber juristisch nicht als Schwestern.

Die bisher entschiedenen Fälle von Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare sind allesamt noch nicht rechtskräftig und können vom italienischen Revisionsgerichtshof noch anders entschieden (oder auch bekräftigt) werden.

Adoptionen sind in Italien verheirateten, also heterosexuellen Paaren vorbehalten. Eingetragene Partner, zusammenlebende Paare ohne Trauschein sowie Alleinstehende dürfen keine Kinder adoptieren.

Die Demokratische Partei des Premierministers Matteo Renzi bereitet eine Gesetzesinitiative vor, die Menschen all dieser Kategorien die Adoption erlauben soll.

Das vom Senat am 25. Februar 2016 beschlossene Gesetz zur eingetragenen Partnerschaft sieht Adoptionen durch eingetragene Paare nicht vor, genauso wenig wie die Einbürgerung eines ausländischen Partners (auch wenn dieser eine Aufenthaltsgenehmigung erhält) oder eine künstliche Befruchtungen.

Das Thema Adoptionsrecht hängt jedoch auch eng mit einem in Italien heiß diskutierten Tagesthema zusammen, der Leihmutterschaft. Nichi Vendola, Mandatsträger in einer grünen Partei, hat offen zugegeben, dass sein Sohn (dessen leiblicher Vater Vendolas kanadischer Partner ist) von einer Leihmutter in Kalifornien ausgetragen wurde. Über die Frage der Leihmutterschaft ist die politische Klasse in Italien zutiefst zerstritten.

Bis jetzt erkennt die italienische Justiz keine Kinder gleichgeschlechtlicher Paare an, die legal im Ausland adoptiert oder durch Leihmütter ausgetragen wurden. Für Kinder, die durch künstliche Befruchtung gezeugt wurden ist dies anders – wie im Falle der gegenseitigen Adoption der lesbischen Mütter, die sich in Dänemark hatten künstlich befruchten lassen.

Wolfgang / MensGo
(Nach Le Figaro und La Stampa vom 1. März, sowie The Guardian vom 2. März 2016)

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