Ist Afrika homophob?

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Ist Afrika homophob?

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 17. März 2016) Die vom unabhängigen Netzwerk Afrobarometer in 33 Ländern Afrikas durchgeführten Umfragen zeigen einige interessante Gesichtspunkte. Zum Beispiel wird Menschen mit HIV eine gewisse Toleranz entgegengebracht (68 %), andererseits möchten 78 % der Befragten lieber keine homosexuellen Nachbarn haben.

Homophobie in Afrika

Homosexuelle Nachbarn? Nur 21 % der Befragten haben damit keine oder kaum Probleme. Das bedeutet natürlich, dass 78 % sehr stark, stark oder etwas gegen Schwule und Lesben als Nachbarn eingestellt sind.

Infografik von Afrobarometer

21 %: Nur 1 von 5 Afrikanern toleriert Homosexuelle. :( © Afrobarometer.org.

Die Toleranzwerte gegenüber Immigranten, andere Religionen und andere Ethnien liegen deutlich höher.

In seinem Bericht (auf FR, EN und PT) stellt Afrobarometer heraus, dass „die Fragen zur Toleranz in Algerien, Ägypten und im Sudan gar nicht erst gestellt wurden, weil das Thema Toleranz gegenüber Homosexuellen dort zu sensibel ist“. Das bedeutet natürlich auch, dass die Durchschnittwerte noch deutlich niedriger liegen würden, hätte man die entsprechenden Fragen auch in diesen drei Ländern gestellt.

Infografik von Afrobarometer

Afrika: Ein wenig toleranter Kontinent. © Afrobarometer.org.

Nur vier afrikanische Länder haben einen höheren Toleranzwert gegenüber Homosexuellen: Südafrika (67 %), das einzige Land, in dem die Homo-Ehe erlaubt ist, dann Kap Verde (mit 74 % der höchste Wert), Mosambik (56 %) und Namibia (55 %).

Der Toleranzquotient ist noch einigermaßen akzeptabel in Botswana (43 %), Mauritius (49 %) und São Tomé e Príncipe (46 %). Danach fällt der Wert auf 26 % in Swasiland und noch tiefer.

HIV/AIDS noch immer stigmatisiert

Die Toleranz gegenüber Menschen mit HIV bzw. AIDS erreicht einen Durchschnittswert von 68 % – allerdings auch mit großen Abweichungen. Einerseits sind etwa ein Drittel (31 %) sehr ablehnend eingestellt, andererseits stellt für die Mehrheit der Befragten (37 %) ein Nachbar mit HIV/AIDS kein Problem dar.

Infografik von Afrobarometer.org

Prinzip der Nähe: Je mehr Menschen mit HIV/AIDS es in einem Land gibt, desto mehr werden sie auch toleriert. © Afrobarometer.org.

Wie man sieht, gehören zu den tolerantesten Ländern auch die am meisten von der Pandemie geplagten, wie z. B. Botswana, Namibia, Simbabwe, Swasiland, Südafrika und Malawi.

Die Länder, in denen die Toleranz gegenüber Menschen mit HIV/AIDS unter 30 % liegt, sind Niger, Sierra Leone und Madagaskar. Vermutlich hängt das mit dem niedrigen durchschnittlichen Bildungsniveau und geringen Lebensstandard zusammen.
(Ähnliches gilt wohl auch für die geringe Toleranz derselben drei Länder gegenüber Schwulen und Lesben.)

Andere Gründe für das recht unterschiedliche Toleranzniveau sind sicherlich Alter, Bildungsniveau und geografische Lage (ländliches bzw. städtisches Umfeld).

Anmerkungen zur Studie

Objektivität der Daten

Die am 1. März 2016 durch Afrobarometer veröffentlichten Daten stammen aus Umfragen, die 2014 und 2015 in 33 Ländern Afrikas durchgeführt wurden. Stichprobengröße: 1200 Personen (Fehlerquote ±3 %) bzw. 2400 Personen (Fehlerquote ±2 %).

Die Fragebögen wurden in der gewünschten Sprache und im direkten Kontakt ausgefüllt.

Mögliche Mängel

Es ist anzunehmen, dass die Fragebögen in den wichtigsten westlichen, nahöstlichen, landestypischen und offiziellen Sprachen angeboten wurden.

Die seltener gesprochenen ethnischen Sprachen, wie z. B. in Senegal Wolof, Pulaar oder Serer, werden wohl nicht dabei gewesen sein.

Insofern ist es natürlich fraglich, wie homogen und vergleichbar die gesammelten Daten sind.

Auch die verwendete Abstufung der Antworten (wie „mag sehr“, „mag etwas“, „lehne etwas ab“ und „lehne stark ab“) ist sicher nicht eins zu eins in verschiedene Sprachen zu übertragen.

Wie dem auch sei: Auf jeden Fall hat diese Studie, bei allen zu erwartenden Unzulänglichkeiten, sicherlich ihre Existenzberechtigung und bildet die Situation in Afrika noch einigermaßen genau ab. Da es praktisch keine anderen Studien dieses Umfangs gibt, ist das doch schon etwas.

Wolfgang / MensGo
(Nach Jeune Afrique vom 2. März 2016)

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