Starker Widerstand gegen Homophobie in Mississippi und North Carolina

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Starker Widerstand gegen Homophobie in Mississippi und North Carolina

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 16. April 2016) Der Gouverneur von Mississippi hat am 5. April 2016 ein Gesetz unterzeichnet, das die Diskriminierung von LGBT-Personen offiziell erlaubt. Viele Unternehmen und bekannte Persönlichkeiten sprechen sich gegen diesen ausdrücklich homophoben Text aus. Die heftige Reaktion gegen einen ähnlichen Text in North Carolina lässt die dortige Regierung etwas nachgeben.

Mississippi: „Gewissensfreiheit“ mit eindeutig homophober Absicht

Phil Bryant, republikanischer Gouverneur von Mississippi hat das besagte Gesetz namens „Gesetz zum Schutz der Gewissensfreiheit gegen Diskriminierung der Regierung“ (“Protecting Freedom of Conscience from Government Discrimination Act“) in Kraft gesetzt. Die hier genannte Regierung ist die amerikanische Bundesregierung, die das Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 26. Juni 2015 zur Homo-Ehe (siehe unseren Artikel) im gesamten US-Gebiet umsetzen lässt.

Das neue Gesetz in Mississippi namens HB1523 wird am 1. Juli 2016 in Kraft treten. Die Präambel (Absatz 2) macht klar, für welche Klientel es zugeschnitten wurde:

Ausschnitt aus dem Gesetz

Dieses Gesetz „schützt“ also jeden religiösen Glauben und alle moralischen Überzeugungen, für die die Ehe nur einen Mann und eine Frau vereinen kann, dass sexuelle Handlungen allein solchen Ehen vorbehalten sind und dass die sexuelle Identität bei der Geburt festgestellt wird und dann unveränderlich ist.

„Religiöser Glauben“ im Namen der Liebe des Hasses

Kraft dieser „aufrichtigen“ Überzeugungen dürfen natürliche und juristische Personen in Zukunft Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle entlassen oder als Bewerber ablehnen – mit der einfachen Begründung, dass LGBT-Personen ihren Glauben bzw. ihre Überzeugungen verletzen. Mit derselben Begründung dürfen Händler, Ärzte und Kliniken ihre Dienstleistungen gegenüber diesem Personenkreis ablehnen.

Natürlich laufen neben sämtlichen LGBT-Organisationen auch bekannte Persönlichkeiten Sturm gegen das neue homophobe Gesetz von Mississippi. Unter anderem haben 95 Schriftsteller und Autoren aus Mississippi am 11. April 2016 eine offizielle Erklärung gegen dieses Gesetz unterzeichnet und fordern darin seine sofortige Abschaffung.

Die meisten der 95 Namen sind außerhalb der USA oder außerhalb von Mississippi unbekannt, abgesehen von den beiden weltweit bekannten Schriftstellern Donna Tartt und John Grisham.

Phil Bryant

Phil Bryant, homophob vom Scheitel bis zur Sohle.

Homophobie und ihre (wirtschaftlichen) Folgen

Die Mobilisierung gegen solche homophoben Schritte hat in den letzten Wochen in mehreren US-Staaten wie Georgia und North Carolina einige Erfolge erzielt, und zwar überwiegend wegen drohender wirtschaftlicher Folgen.

Am 28. März 2016 hat der Gouverneur von Georgia ein homophobes Gesetz außer Kraft gesetzt, weil Disney, Sony, Time Warner und andere große Unternehmen mit dem Einfrieren ihrer Projekte und Investitionen in seinem Staat gedroht hatten.

North Carolina zahlt den Preis für seine Homophobie (bleibt aber homophob)

Der Gouverneur von North Carolina, Pat McCrory, hatte am 23. März 2016 das Gesetz HB2 (genannt: Bathroom Bill bzw. „Klo-Gesetz“) erlassen, das Transsexuellen die Benutzung der Toiletten gemäß ihrer offiziellen Geschlechtsidentität vorschreibt, sofern sie nicht ein anderslautendes ärztliches Attest vorlegen.

Großunternehmen widersetzen sich

Die Deutsche Bank, die in North Carolina 900 Personen beschäftigt, hat daraufhin 250 geplante neue Posten eingefroren. Google Ventures weigert sich jetzt, in diesem Staat Geld zu investieren.

Auch PayPal hat jetzt davon Abstand genommen, 400 Akademiker in Charlotte, North Carolina einzustellen.

Weitere Großunternehmen haben dem Gouverneur ihre Besorgnis mitgeteilt und drohen mit dem Einfrieren von Investitionen oder einem Stopp von Neueinstellungen in North Carolina, angefangen mit Banken (Bank of America), über Buchhandlungen (Barnes & Noble) und IT-Unternehmen (Apple, eBay) bis hin zu Verkehrsunternehmen (American Airlines, Uber).

Leere Konzerthallen

Auch Musik- und Entertainment-Größen wie Bruce Springsteen, Ringo Starr, Bryan Adams, Pearl Jam, Cirque de Soleil und Demi Lovato beziehen Stellung: Sie haben ihren Boykott von North Carolina angekündigt und geplante Termine im April, Juni bzw. Juli abgesagt.

Keine Pornos für Homophobe

Noch ausgefallener: XHamster blockt derzeit IP-Adressen aus North Carolina. Nutzer aus diesem Staat hatten im März 2016 die Wörter „transsexual“ 400.000 Mal und „gay“ fast 320.000 Mal auf dieser Porno-Webseite gesucht.

Der Gouverneur von North Carolina hat dem Druck bereits etwas nachgegeben und die Gültigkeit des Gesetzes auf Schulen und Behörden eingeschränkt, so dass der private Wirtschaftssektor von diesem homo- bzw. transphoben Gesetz nicht mehr betroffen ist.

Dennoch bleibt das Gesetz bis jetzt bestehen, und der Druck wird erst zurückgehen, nachdem es vollständig abgeschafft wurde.

Nicolas Batum

Nicolas Batum – der französische Basketballspieler spielt für die Charlotte Hornets. © NBAE / Getty Images.

Die NBA entzieht Charlotte das All-Star Game

[Aktualisierung vom 26. Juli 2016.] Die amerikanische Basketball-Liga NBA hatte im Juni 2015 entschieden, das NBA All-Star Game 2017 in der Time Warner Arena von Charlotte abzuhalten. In der Heimat der Charlotte Hornets sollte am 19. Februar 2017 dieses überaus wichtige und medienwirksame Spiel stattfinden, bei dem Einnahmen von etwa 100 Millionen Dollar erwartet werden.

Da sich North Carolina bis jetzt jedoch starrsinnig weigert, das umstrittene Gesetz HB2 abzuschaffen, hat die NBA kürzlich entschieden, dass dieses wichtige Spiel nun nicht in Charlotte (North Carolina), sondern anderenorts abgehalten wird (möglicherweise in Louisiana, New Orleans). Die NBA hat allerdings hinzugefügt, dass die Ausgabe 2019 des All-Star Games vielleicht wieder in Charlotte stattfinden könnte.

Zwischen den Zeilen lesen wir: Falls North Carolina sein homo- und transphobes Gesetz nicht mindestens zwei Jahre vor dem geplanten Spieltermin abschafft, werden die Bälle eben dann wieder nicht in Charlotte in die Körbe gehen.
[Ende der Aktualisierung.]

 

[Aktualisierung vom 29. August 2016.]

Sind die Einwohner von North Carolina weniger homophob als ihre Abgeordneten?

Stimmt die Bevölkerung North Carolinas den homophoben Gesetzen des Staats zu? Wohl eher nicht.

Nein zu homophober Diskriminierung, aber…

Gemäß einer am 10. August 2016 veröffentlichen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts PRRI sind die Einwohner North Carolinas mit großer Mehrheit (64 % gegenüber 71 % landesweit) für Gesetze gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen im Arbeitsumfeld, im Mietrecht und bei der öffentlichen Infrastruktur.

Allerdings sind auch 31 % gegen solche Gesetze zum Schutz von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen.

Wie auch im Rest der USA spielen für die Verteilung zwischen Befürwortern und Gegnern von Regeln gegen LGBT-Diskriminierung die Faktoren Alter (junge Menschen sind eher Befürworter als ältere), parteipolitische Zugehörigkeit (Demokraten eher dafür, Republikaner eher dagegen) und Religion (Katholiken, Atheisten, Agnostiker und nicht-evangelikalische Protestanten sind eher dafür) eine große Rolle. Aber auch in den beiden städtisch geprägten Gebieten von Charlotte und Raleigh-Durham ist der Anteil der Befürworter solcher Antidiskriminierungsgesetze höher als in ländlicheren Gegenden (71 % gegenüber 60 %).

Interessant ist, dass in North Carolina der Anteil der Befürworter unter Schwarzen (60 %) fast so hoch ist wie bei Weißen (65 %).

… religiöse Vorbehalte haben ein langes Leben

Haben kleine Händler wie z. B. Restaurant-Besitzer das Recht, aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen LGBT-Personen nicht zu bedienen? Nein sagen 56 % der Bürger von North Carolina, Ja sagen 37 %. Die Zahlen sind nahezu identisch mit dem amerikanischen Durchschnitte (siehe unseren Artikel). Auch hier gibt es ähnliche Unterschiede abhängig vom Alter, vom religiösen Glauben usw.

Interessant ist, dass besonders die Schwarzen Bürger North Carolinas gegen eine solche Diskriminierung durch kleine Händler sind: 69 % gegenüber 50 % der Weißen. Bei den Befürwortern sehen die Zahlen entsprechend aus.

sondage mariage gay 2016 en Caroline du Nord

Unentschieden für die Homo-Ehe

Etwa 47 % der Bürger North Carolinas sind gegen die Legalisierung der Homo-Ehe und 46 % sind dafür. Landesweit ist das Ergebnis mit 37 % zu 53 % viel deutlicher für die Homo-Ehe.

infographie mariage gay et discrimination anti-LGBT en Caroline du Nord

Wenn Religion zur Schizophrenie führt

Man findet teilweise eklatante Unterschiede von bis zu 20 % zwischen der Befürwortung der Homo-Ehe und der Akzeptanz von Gesetzen gegen LGBT-Diskriminierung (46 % bzw. 64 % in North Carolina).

Bei nichtreligiösen Menschen (Atheisten und Agnostiker) sind die Zahlen zu diesen beiden Themen nahezu gleich (74 % bzw. 73 %). Bei weißen evangelikalen Protestanten ist der Unterschied besonders ausgeprägt (26 % zu 54 %).
[Ende der Aktualisierung.]

 

Kommentar: Diese Entscheidung der NBA ist um so löblicher, weil gerade im amerikanischen Basketball oft eine sehr homophobe Stimmung herrscht. Wie man weiß, ist Jason Collins noch immer der einzige Spitzen-Basketballspieler, der sich geoutet hat.

Man darf allerdings auch sagen, dass diese Entscheidung gar nicht so mutig und schwulenfreundlich bzw. aktivistisch ist, wie sie villeicht erscheinen mag. Nach einer ganzen Reihe von Skandalen in der letzten Zeit versucht die NBA hiermit lediglich, ihre Weste wieder etwas weißer zu bekommen.

Wolfgang / MensGo

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