Der 17. Mai 2016 – Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

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Der 17. Mai 2016 – Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 17. Mai 2016) Heute ist der internationale Tag gegen Homo-, Lesbo-, Bi- und Transphobie. Wie jedes Jahr am 17. Mai ruft dieser Gedenktag den 17. Mai 1990 ins Gedächtnis, an dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Homosexualität aus der Liste der psychischen Erkrankungen (DSM = Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, deutsch: „Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen“) gestrichen hat. Viele Länder nahmen daraufhin Homosexualität auch aus ihren Nomenklaturen heraus. Andere bestrafen der Homosexualität beschuldigte Menschen nach wie vor mit der Todesstrafe.

In den letzten 26 Jahren hat sich zu LGBT-Themen natürlich sehr viel verändert und es wurden durchaus große Fortschritte erzielt. Allerdings gibt es immer noch viele Baustellen, besonders was transsexuelle Menschen angeht.

Poster zum 17. Mai

Alt und schwul? Häufig doppelt diskriminiert… © Homophobie.org.

Ist das Glas heute also halb voll oder halb leer? Im Vorfeld dieses Gedenktags hat es wie immer viele Erklärungen, Versprechen und Initiativen gegeben, aber die Antwort fällt noch immer sehr kontrovers aus, wie die beiden folgenden Beispiele zeigen:

  • In Italien hat das Parlament mit 372 Stimmen (bei 51 Nein-Stimmen und 99 Enthaltungen) die Gesetzesinitiative Cirinnà zur Einrichtung von eingetragenen Partnerschaften beschlossen – leider ohne Treue-Eid, Adoptionsrecht und religiöser Feier. Immerhin ist jetzt auch das letzte große Land in Westeuropa endlich auf dem richtigen Weg und kommt den Idealen der EU endlich näher.
  • Hier in Deutschland erlaubt die eingetragene Partnerschaft von 2001 zwar die Adoption der Kinder des Partners, räumt jedoch kein allgemeines Adoptionsrecht ein. Der Justizminister hat gerade erst alle Opfer des leidigen § 175 des Strafgesetzbuchs rehabilitiert und ihnen Entschädigungen versprochen. Der längst umstrittene Artikel galt seit 1872 und wurde erst 1994 im wiedervereinigten Deutschland abgeschafft, auch wenn er seit 1969 nicht mehr angewendet worden war. Etwa 50.000 Schwule waren Opfer dieses Paragraphen, darunter etwa 42.000 Männer unter den Nazis („rosa Dreieck“), von denen ca. 10.000 in Konzentrationslagern getötet wurden.

Trotz aller dieser größeren und kleineren Fortschritte ist es Zeit für eine universelle Straffreiheit von Homosexualität und völlige Gleichbehandlung – und dazu fehlt noch einiges.

Verschiedene Länder bzw. Regionen stellen unterschiedliche Themen in den Vordergrund. Auf den CSDs in Westeuropa werden besonders häufig mehr Rechte für transsexuelle Menschen eingefordert.

In Kanada (besonders in der Region Quebec) steht besonders das Thema „Schwule und Lesben im Alter“, also LGBT-Personen ab 50, auf dem Programm.

In Quebec gibt es zu dieser Gruppe ein paar erschreckende Fakten:

  • 21 % davon sprechen mit ihrem Hausarzt nicht über ihre sexuelle Orientierung bzw. Identität,
  • 31 % sind mehr oder weniger depressiv,
  • 39 % haben oder hatten Suizidgedanken,
  • 53 % sind isoliert.

Man sieht leicht ein, wie wichtig und dringend die Botschaft oben gezeigten Posters ist.

Wolfgang / MensGo

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