We Are Orlando

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We Are Orlando

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 15. Juni 2016) Am frühen Morgen des 12. Juni hat ein Attentäter im Pulse Orlando Club, einem beliebten LGBT-Club in Florida, 49 Menschen erschossen. Nach einer Geiselnahme wurde er von amerikanischen Elitesoldaten getötet. Es handelt sich hierbei um das schlimmste Attentat in den USA seit dem 11. September 2001.

 

Orlando: 50 Tote bei homophobem Attentat

Der Pulse Orlando Club, ein schwullesbischer Club in Florida, wurde gegen zwei Uhr morgens von Omar Mateen (29) angegriffen. Nach dem Schusswechsel verschanzte er sich in dem Nachtclub und nahm alle Club-Besucher als Geiseln, die nicht über die Notausgänge fliehen hatten können. Zwei Stunden später stürmten Spezialtruppen den Club und töteten den Attentäter.

Schleife: We Are Orlando

Pulse Orlando, in memoriam.

Von etwa 350 Club-Besuchern waren am Morgen des 12. Juni 49 tot und 53 verletzt. Alle waren Opfer dessen, was sie waren: Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle, Queers aller Schattierungen eben.

Eine Untersuchung des FBI von 2013 und 2014 zu Verbindungen Mateens mit einer terroristischen Bewegung blieb ohne konkrete Anhaltspunkte. Die islamistische Bewegung Islamischer Staat hat sich zu dem Attentat bekannt, aber es ist bisher unklar, ob dies der Wahrheit entspricht.

 

Homophober Charakter

Kein ranghoher Politiker in den USA hat zunächst den eindeutig homophoben Charakter des Attentats angemerkt. Auch in anderen Ländern wurde vor allem der Zusammenhang mit dem Islamismus unterstrichen.

Wäre die Diskothek Teil der jüdischen Gemeinde gewesen, dann hätte man mit Sicherheit sofort den antisemitischen Bezug des Attentats hervorgehoben.

Erklärung von Barbara Poma

Der Pulse-Club kämpft schon seit langer Zeit für die LGBTQ-Gemeinde. Die Eigentümerin hat die Webseite vorläufig geschlossen. © Pulseorlandoclub.com.

Weder Politiker noch die Medien in den USA haben herausgestellt, wie sehr sich der Islamische Staat darauf konzentriert, Schwule zu diskriminieren, zu verfolgen, einzusperren, zu foltern und abzuschlachten – und zwar einfach weil sie nicht heterosexuell sind.

In den USA wurde umgehend zu Blutspenden aufgerufen. Wie man weiß dürfen dort schwule Männer nur dann Blut spenden, wenn sie in einem Zeitraum von 12 Monaten keinerlei sexuellen Kontakte hatten. Niemand hat jedoch darauf hingewiesen, wie grotesk es ist, wenn Schwule einem solchen Aufruf zur Hilfe für die eigene Community nicht folgen dürfen.

Auf Befehl von Barack Obama wurden die Flaggen an allen Bundesgebäuden des Landes auf Halbmast gesetzt, und viele andere öffentliche, religiöse und private Gebäude haben umgehend die Regenbogenflagge gehisst, um ihre Verbundenheit und Unterstützung für die LGBT-Gemeinde zu bezeugen sowie auf den homophoben Charakter des Attentats aufmerksam zu machen. Der Vater des Attentäters hat sich an das häufige, sehr stark homophobe Verhalten seines Sohnes erinnert.

Regenbogen an öffentlichem Gebäude

Starke Anteilnahme und Unterstützung auf der ganzen Welt.

Viele öffentliche Gebäude auf der ganzen Welt erstrahlten nach dem Attentat in den Regenbogenfarben, z. B. der Eiffelturm in Paris sowie Wahrzeichen in Auckland und Wellington (Neuseeland), Sydney (Australien), Guadalajara (Mexiko), Warschau (Polen), Tel-Aviv (Israel) und in vielen anderen Orten rund um den Globus.

 

Trauer in Los Angeles

Am Sonntag, 12. Juni 2016 wurde der CSD-Umzug des Los Angeles Pride zu einem Trauerzug. Die 150.000 Teilnehmer und Zuschauer haben ihre Wut gegen Hassverbrechen („hate crime“), homophobe Kriminelle und ihre Anstifter sowie all diejenigen zu Ausdruck gebracht, die solche Anlässe für den eigenen politischen Vorteil ausschlachten – wie beispielsweise Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Der kalifornische CSD wäre um ein Haar selbst betroffen gewesen: Nicht weit von der Parade wurde eine 20-Jähriger in einem Fahrzeug mit Waffen, Munition und Sprengstoff festgenommen. Allem Anschein nach wollte er den CSD-Umzug ebenfalls in ein Blutbad verwandeln.

 

Weltweite Anteilnahme

Viele hochrangige Politiker, Regierungs- und Staatschefs haben in offiziellen Statements ihre Trauer und Verbundenheit zum Ausdruck gebracht. Der französische Staatspräsident hat beispielsweise auf Twitter geschrieben, dass „das homophobe Attentat von Orlando einen Angriff auf Amerika und die Freiheit darstellt: Die Freiheit, seine sexuelle Orientierung auszuleben und über sein eigenes Leben zu entscheiden.“

 

Wir alle hier bei MensGo und BlogMensGo drücken unseren Brüdern und Schwestern in Orlando unsere größte Anteilnahme aus und wünschen allen Betroffenen, Angehörigen und Freunden viel Kraft bei der Verarbeitung dieses unglaublich gewalttätigen und traurigen Vorgangs vom letzten Wochenende.

[Aktualisierung vom 8. September 2016:]

Sia ehrt die Opfer von Orlando

Die australische Sängerin Sia hat am 6. September 2016 den Video-Clip ihres Lieds The Greatest veröffentlicht, dessen Text, aber viel mehr noch seine Visualisierung, dem Anschlag von Orlando gedenkt.

Der Text dieses von Sia und Greg Kurstin geschriebenen Lieds deuten darauf hin, dass es als Hommage gedacht ist. Anscheinend wurde der Text aber schon vor der Schießerei von Orlando geschrieben.

Der Clip und die Choreographie lassen jedoch keinen Zweifel über die Absicht der offen bisexuellen australischen Sängerin aufkommen.

Schon vor Beginn des Lieds sieht man leblose Körper und ein junges Mädchen mit traurigem und verzweifeltem Gesichtsausdruck, das sich auf beide Wangen die Regenbogenfarben aufmalt.

Bei dem jungen Mädchen handelt es sich um Maddie Ziegler, eine Tänzerin und Schauspielerin, die beim Dreh noch nicht einmal 14 Jahre alt war. In dem Video ist sie mit genau 48 anderen Menschen zu sehen, deren Körper am Ende leblos daliegen.

Das heißt also, das Video zeigt insgesamt 49 Menschen, also genau so viele, wie am 12. Juni 2016 im Pulse-Club von Orlando den Tod gefunden haben.

Man kann absolut sagen, dass Maddie Ziegler hier die Rolle ihres Lebens spielt. Die junge Amerikanerin liefert eine absolut überzeugende und bewegende Darstellung ab.

Auch Regisseur Daniel Askill, Choreograph Ryan Heffington sowie natürlich die jungen Tänzer und Tänzerinnen haben Tolles geleistet.

Der Kameramann hat dem Ganzen durch die passende Beleuchtung darüberhinaus eine überzeugende graue Friedhofsatmosphäre verliehen, die sehr gut zum Drama von Orlando passt.

Vielen Dank an Sia, Maddie Ziegler und Ryan Heffington für dieses tolle Werk, das uns für immer an die grausamen Ereignisse von Orlando erinnern wird.

[Ende der Aktualisierung.]

[Aktualisierung vom 6. Mai 2017:] Barbara Poma, die Eigentümerin des Pulse-Clubs in Orlando hat am 4. Mai 2017 erklärt, dass sie den Club bis 2020 in eine Gedenkstätte umwandeln möchte. Diese lange Planungsdauer erklärt sie mit den sehr komplizierten administrativen Verfahren.

Der Pulse Nightclub ist seit der Schießerei am 12. Juni 2016 geschlossen.

we will not let hate win

Ein ungewöhnlicher Slogan für einen Nachtclub. © onepulsefoundation.org

Die Umwidmung des Clubs in eine Gedenkstätte wird initiiert von der onePULSE Foundation, einer Stiftung, deren Vorsitzende Barbara Poma ist. Ihr Projekt wird von vielen Freiwilligen unterstützt, darunter Überlebende der Schießerei und Angehörige der Opfer.

Der Verwaltungsrat der Stiftung wird unter Vorsitz des Juristen Earl Crittenden über die Zukunft des Clubs entscheiden, in die auch die LGBT-Community von Orlando eingebunden werden soll. Vermutlich wird die Gedenkstätte „Pulse Memorial“ genannt werden.

Die zukünftige Gedenkstätte am Ort, an dem 49 Menschen starben, soll mit Spendengeldern realisiert werden. Aus den erhaltenen Spenden will man aber auch den Angehörigen der Toten sowie den Überlebenden (darunter 68 Verletzte) helfen.

Barbara Poma hatte den Pulse Nightclub 2004 im Gedenken an ihren an AIDS verstorbenen Bruder John eröffnet.

Wolfgang / MensGo

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