Wien, Tours, Lissabon, Metz, Florenz, Vilnius, Biarritz: Der CSD (Gay Pride) zwischen Party und Besinnlichkeit

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Wien, Tours, Lissabon, Metz, Florenz, Vilnius, Biarritz: Der CSD (Gay Pride) zwischen Party und Besinnlichkeit

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 21. Juni 2016) Alle in Europa letztes Wochenende abgehaltenen CSDs haben die sonst übliche ausgelassene Partylaune dieses Jahr auch mit dem Gedenken an die Opfer von Orlando gepaart. CSDs gab es unter anderem in Wien (Österreich), mehreren italienischen Großstädten (darunter Florenz), Lissabon (Portugal), Biarritz, Metz und Tours (Frankreich). Überall gab es eine Schweigeminute und in manchen Orten zusätzliche Aktionen zu Ehren der Opfer des Pulse-Clubs in Orlando.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren überall verstärkt worden, um die Gefahr unliebsamer Überraschungen so gering wie möglich zu halten. Natürlich ging es auch darum, vor der homophoben Barbarei Stolz und Entschlossenheit zu zeigen.

An der Regenbogenparade in Wien nahmen ca. 130.000 Menschen teil, mit Christian Kern darunter auch zum ersten Mal ein österreichische Bundeskanzler. Er stieg auf die Tribüne und hielt unter großem Applaus seine Abschlussrede:

Der österreichische Kanzler hat gleiche Rechte für alle versprochen und es als ein Schande bezeichnet, dass Österreich Schwulen und Lesben noch nicht die gleichen Rechte wie Heterosexuellen eingeräumt hat.

Bei der Parade gab es viele Fahrzeuge, aber eines fehlte: Das durch einen leeren Platz dargestellte „Geisterauto“, das die 49 Opfer des Pulse-Clubs von Orlando versinnbildlichte, die der Attentäter Omar Mateen erschossen hatte. Der Club Hosi Wien als Organisator demonstrierte so seine Solidarität mit den Toten und Verletzten von Orlando.

In Florenz nahmen ca. 30.000 Menschen an der Gay-Pride-Parade teil – eine Woche nach der in Rom und eine Woche vor Mailand, an der Hunderttausende Menschen teilnehmen werden. Auch in anderen italienischen Städten wie Genua, Palermo, Treviso und Varese wurden CSD-Paraden abgehalten.

In einigen dieser italienischen Städte wurde ein besonderes Augenmerk auf die Flüchtlinge gelegt, von denen viele als Homosexuelle in ihren Ländern verfolgt wurden, und die deshalb nach Griechenland, Italien oder in andere Länder geflohen sind.

Leider fiel die Teilnahme an den Paraden in ein paar europäischen Hauptstädten sehr viel schlechter aus: Lissabon (Portugal) konnte nur etwa 5.000 Menschen anziehen, und Vilnius (Wilna, Litauen) nur etwa 2.000. In Metz (Ostfrankreich) folgten nur etwa 3.000 Personen dem Aufruf des örtlichen LGBT-Zentrums Couleurs gaies.

Hier ein kleiner Eindruck vom Gay Pride in Lissabon (Euronews, Originalton):

In Italien und Frankreich wurde wieder einmal die Trägheit der Politik kritisiert. In Italien gibt es erst seit kurzem eine minimalistische eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare, und in Frankreich haben Lesben noch immer nicht das Recht auf künstliche Befruchtung, ganz zu schweigen von den Nachteilen für transsexuelle Menschen.

Hier ein kleines Video zur Gay Pride in Biarritz (Südwest-Frankreich). Etwa 600 Leute liefen bei gewittrigem Wetter auf der Parade mit:

In Sofia (Bulgarien) waren etwa 1.000 Menschen auf den Straßen, dafür jedoch auch einige ausländische Botschafter. Der Schlachtruf „Stoppt Homophobie“ bezog sich sowohl auf Orlando also auch auf Bulgarien selbst.

Obwohl in Berlin der CSD erst am 23. Juli stattfindet, wurde das Brandenburger Tor in den Regenbogenfarben angestrahlt, um so bereits jetzt den 49 Toten und etwa 50 Verletzen des Pulse-Clubs in Orlando zu gedenken.

Und in Istanbul? Die türkische Regierung hatte die Trans Pride vom 19. Juni aus „Sicherheitsgründen“ verboten. Interessant ist, dass die Polizei es durchaus fertig bringt, riesige Menschenansammlungen zu Ehren des Regimes zu sichern. Von den auf dem Taksim-Platz versammelten etwa hundert Schwulen und Lesben hat sich die Polizei so bedroht gefühlt, dass sie meinte, sie müsse mit Gummigeschossen und Tränengas gegen sie vorgehen.

Mit derselben Ausrede wurde in der Türkei auch die für den 26. Juni geplante Gay Pride in Istanbul verboten: Sicherheitsgründe und Störung der öffentlichen Ordnung. Die möglichen Störungen stammen wohl vor allem von fundamentalistischen Muslimen, die eine solche Veranstaltung während des Fastenmonats Ramadan ablehnen. Deshalb darf der CSD in Istanbul dieses Jahr zum ersten Mal seit 2003 nicht gefeiert werden. Trauriges Zeugnis einer gestörten Demokratie und eines autokratischen Herrschers.

Wolfgang / MensGo

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