Päpstliche Reue? So schnell wohl nicht…

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Päpstliche Reue? So schnell wohl nicht…

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 30. Juni 2016) Papst Franziskus hat die Christen aufgefordert, homosexuellen Menschen mit Toleranz zu begegnen und ihnen sogar zu vergeben. Andererseits hat der geistige Führer der Katholiken am 26. Juni 2016 erklärt, dass seine Kirche keineswegs beabsichtigt, schwulenfreundlicher zu werden.

Papst Franziskus hat daran erinnert, dass Homosexuelle „nicht diskriminiert sondern respektiert sowie seelsorgerisch begleitet werden sollen“. Dabei hat der Pontifex nochmals wiederholt, was er bereits Mitte 2013 erklärt hatte:

„Wenn ein Mensch in dieser Lage lebt aber guten Willens ist und Gott sucht, wer sind wir, ihn zu verurteilen?“
Papst Franziskus

Dieses Mal fordert Franziskus die Christen auf, noch weiter zu gehen, und Homosexuelle um Vergebung zu bitten. Nicht nur Homosexuelle, sondern auch „Arme, misshandelte Frauen und der Zwangsarbeit unterworfene Kinder“.

Papst Franziskus mit einer Flagge

Wie wäre es, wenn Papst Franziskus mal eine Regenbogenflagge schwenken würde? © Franck Michel (CC BY 2.0)

Der Rest der Botschaft hat sich nicht geändert. Franziskus hat bestätigt, dass die katholische Kirche nach wie vor keine gleichgeschlechtlichen Paare segnen wird. Schwulen und Lesben wirft der Papst vor, zu „offensive Demonstrationen“ abzuhalten und damit Menschen mit „anderer Mentalität“ zu schockieren.

Kommentar: Es wäre naiv zu glauben, dass man aus der kürzlich vor Journalisten in einem Flugzeug abgehaltenen Erklärung auch nur den kleinsten Fortschritt herauslesen könne.

Die offizielle Haltung der Kirche hat sich in den letzten drei Jahren nicht fortentwickelt – man kann sich sogar fragen, ob sie nicht vielmehr einen Rückschritt darstellt. Die beschwichtigenden Worte des Papstes folgten auf das Massaker von Orlando, so dass er keine reaktionäre Haltung zeigen konnte. Wenn man jedoch einmal zwischen den Zeilen liest, merkt man, dass er genau das tat.

Wenn „ein Mensch ... guten Willens ist und Gott sucht“? Eine offensichtliche Anspielung auf das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das sich verirrt hat und vom „rechten Weg“ abgekommen ist, also nicht mehr dem „richtigen Weg“ des Christentums folgt.
Wie die anderen Weltkirchen kennt auch das Christentum in hegemonistischer Selbstüberschätzung nur einen Weg an: Seinen eigenen. Kreuzungen, Einbahnstraßen, Sackgassen, Parallelstraßen und Umwege haben keinen Wert und keine Gültigkeit.

Welche Geringschätzung und Herablassung das doch ausdrückt.

Aber damit noch nicht genug. Homosexuelle, die „in dieser Lage leben“ werden verglichen mit „armen Menschen, misshandelten Frauen und der Zwangsarbeit unterworfenen Kindern“.

Das ist natürlich kompletter Unsinn. Nach dieser Ideologie werden Menschen mit Armut gestraft, Frauen wird Misshandlung aufgebürdet und Kindern die Zwangsarbeit, denn man wird ja nicht arm, misshandelt oder als Zwangsarbeiter geboren und ist deshalb wohl selbst daran schuld.
Allerdings wird man sehr wohl schwul, lesbisch oder bisexuell geboren – was der Papst natürlich nie zugeben würde.

Mit den „zu offensiven Demonstrationen“ sind natürlich die CSD-Paraden gemeint.

Frauen, die für ihre Rechte auf die Straße gehen, Schwarze, die für ihre Rechte demonstrieren und nationale Minderheiten, die Respekt für ihre Kultur einfordern – all das wird vom katholischen Klerus heute (nach langen Verirrungen) endlich unterstützt.
Aber Schwule und Lesben, die anerkannt werden wollen und ihre gleichen Rechte auf Ehe, Kinder und Familie einfordern – nein, die kann der so liebevolle Gott anscheinend nicht tolerieren.

Das ist aber genau die Definition von Homophobie, und genau deshalb ist Papst Franziskus keinen Deut besser als seine Vorgänger.

Wolfgang / MensGo
(Nach aktueller Tagespresse vom 27. Juni 2016)

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