Für Xavier Jugelé, den alltäglichen Helden

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Für Xavier Jugelé, den alltäglichen Helden

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 30. April 2017, aktualisiert am 1. Juni 2017) Ein schwuler Polizist und Aktivist für LGBT-Rechte – und Opfer eines verrückten Attentäters in Paris: Xavier Jugelé, der im Dienst ums Leben kam und der offiziell geehrt wurde.

Vor dem Attentat auf den Pariser Champs-Élysées am 20. April 2017 war er ein Unbekannter, ein Polizist, der leidenschaftlich seinen Dienst tat und leidenschaftlich für schwullesbische Interessen eintrat. 37 Jahre alt, verpartnert mit Étienne Cardiles und ein großer Fan von Céline Dion.

Ein roter Teppich für den Verstorbenen… und für seinen Freund

Beim Staatsbegräbnis mit offiziellen Rednern und posthumer Ehrung stand vor den Mikrofonen und Kameras, den angetretenen Polizisten und Politikern, dem Präsidenten und der Familie sowie den Millionen Fernsehzuschauern – der Freund und Witwer des Ermordeten, und hielt eine bewegende Rede.


Die bewegende Rede von Étienne Cardiles für seinen verstorbenen Mann Xavier Jugelé.

Sichtbare Unterstützung durch die Regierung

Étienne Cardiles hat sich nicht mit einem stummen Platz in der zweiten Reihe begnügt. Im Gegenteil, er hat allen anderen die Schau gestohlen – mit ihrer Zustimmung und sogar mit ihrer aktiven Unterstützung.

Der französische Staatspräsident François Hollande wurde während seiner Amtszeit häufig und für viele Dinge kritisiert. Jedoch hat seine Amtszeit 2012 mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare begonnen – und jetzt endet sie 2017 mit einer sehr großen Trauerfeier und Ehrung eines schwulen Polizisten durch seinen hinterbliebenen Freund.

Passend zu diesem Anlass

Étienne Cardiles hat schnell das Interesse der Medien auf sich gelenkt. Mit seinen sehr aufrichtigen und würdigen Worten fand er den richtigen Ton. Seine Abschiedsrede für seinen toten Partner Xavier Jugelé war passend, bewegend und sehr schön. Die angetretenen Polizisten und anderen Gäste hatten sichtbar Mühe, ihre Tränen zu unterdrücken.

Hier eine TV-Reportage zur Trauerfeier vom 25. April, bei der fast 300 Menschen dem Regen getrotzt und dem Leben des ermordeten Polizisten gedacht haben.

Mit Würde und politischem Konsens

Bemerkenswert ist, dass es von keiner politischen Seite Missklänge oder negative Stimmen gab, auch nicht von den als homophob bekannten Gruppen. Der Innenminister hat einige wenige Beleidigungen und Angriffe auf sozialen Netzwerken stark kritisiert und will sie verfolgen.

Auch die beiden Präsidentschaftskandidaten haben nicht versucht, die Ereignisse für ihre politischen Zwecke auszunutzen.

Ein 17. Mai nicht wie sonst

Der Tod von Xavier Jugelé kam nur knapp einen Monat vor dem am 17. Mai stattfindenden Internationalen Tag gegen Homophobie, Transphobie und Biphobie. Wie immer werden diverse Fernsehsender und andere Medien diesen Jahrestag für die Berichterstattung und ihr Programm nutzen, aber besonders in Frankreich, und wahrscheinlich auch in anderen Ländern, werden dieses Jahr auch Diskussionen stattfinden, in denen sicher auch die Geschichte von Xavier Jugelé und seinem Freund eine Rolle spielen wird.

Adieu Xavier, und vielen Dank für deinen Einsatz!

Posthume Eheschließung für Xavier Jugelé

Am 30. Mai 2017, also mit posthumer Wirkung, hat der Polizeibeamte Xavier Jugelé seinen Freund Étienne Cardiles geheiratet, mit dem er zuvor eine eingetragene Partnerschaft eingegangen war. Die Eheschließung fand im XIV. Arrondissement von Paris statt, und sowohl die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, als auch der frührere Staatspräsident François Hollande waren bei der Zeremonie anwesend.

Der neue Präsident Emmanuel Macron war zwar nicht anwesend, hatte aber das Dekret für diese außergewöhnliche Eheschließung zwischen Xavier und Étienne unterzeichnet. Außerdem hatte er Étienne zu seiner Amtseinsetzung in den Élysée-Palast eingeladen.

Hier eine Video zu dieser posthumen Eheschließung (auf Französisch mit französischen Untertiteln):

 

Soweit bekannt, ist dies die erste posthume LGBT-Eheschließung in Frankreich. Der Artikel 171 des französischen Zivilrechts erlaubt derartige Vorgänge für Witwen bzw. Witwer in ganz besonderen Fällen und wenn der/die Verstorbene während der Ausübung eines hoheitlichen Auftrags (z. B. als Polizist, Feuerwehrmann, Richter oder Soldat) oder durch höhere Gewalt ums Leben kam oder er/sie außergewöhnlichen Heldenmut bewiesen hat. Außerdem hat der hinterbliebene Partner die Heiratsabsicht zweifelsfrei nachzuweisen.

Wolfgang / MensGo

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