Australien legalisiert die Homo-Ehe

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Australien legalisiert die Homo-Ehe

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 15. Dezember 2017) Am 7. Dezember 2017, also weniger als einen Monat nach Ende des postalischen Referendums zur Homo-Ehe in Australien haben beide Kammern des Parlaments dem vorliegenden Gesetzesentwurf ohne Änderungen und mit großer Mehrheit zugestimmt. Wie Premierminister Malcolm Turnbull versprochen hatte, ist damit die Ehe für Schwule und Lesben noch vor Weihnachten eingeführt, und die ersten Homo-Ehen auf australischem Boden können im Jahr 2018 geschlossen werden.

Der Ablauf im Parlament

Der ursprünglich geplante Ablauf der Gesetzgebung wurde beschleunigt und die Parlamentsferien wurden um eine Woche aufgeschoben, damit das Gesetz noch kurzfristig umgesetzt werden konnte.

Dean Smith hatte am 15. November 2017 einen Gesetzesvorschlag eingebracht, über den in letzter Lesung am Donnerstag, 7. Dezember 2017 abgestimmt wurde.

Mehrere Änderungsanträge, die die eigentliche Absicht des Gesetzes unterminiert hätten, wurden mit großer Mehrheit abgelehnt.

Neben einigen Gegenstimmen und etwa 15 Enthaltungen stimmten etwa 130 von 150 Abgeordnete für das neue Gesetz.

Das positive Ergebnis der Abstimmung wurde mit großer Freude und vielen Regenbogenflaggen begrüßt, und die Anwesenden lachten, herzten sich und stimmten erleichtert ein I Am, You Are, We Are Australian an.

Wann wird es in Australien die ersten Homo-Eheschließungen geben?

Am Morgen des 8. Dezember 2017 wurde das Gesetz bereits von Generalgouverneur Peter Cosgrove, der die britische Königin in Australien vertritt, unterzeichnet.

Im Prinzip können gleichgeschlechtliche Paare nun bereits seit dem 9. Dezember ihre Eheschließung beantragen. Das Aufgebot in Australien dauert einen Monat, so dass die ersten gleichgeschlechtlichen Hochzeiten in Australien ab dem 9. Januar 2018 stattfinden können. Allerdings werden im Ausland geschlossene Ehen ab sofort automatisch in Australien anerkannt. Außerdem gibt es besondere Gründe für Ausnahmeregelungen.

Eilanträge für zwei lesbische Eheschließungen, darunter eine aus humanitären Gründen

Cas Willow und Heather Richards werden ausnahmsweise schon am Montag, 18. Dezember 2017 heiraten dürfen, und zwar in der Palliativstation des Krankenhauses Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne. Willow (53) liegt dort mit Krebs im Endstadium und die Ärzte geben ihr nur noch wenige Wochen zu leben. Sie selbst bezweifelt, dass sie Weihnachten noch erleben wird.

Cas Willow und Heather Richards

Cas Willow (sitzend) und Heather Richards (dahinter) mit einer Bekannten auf der Palliativstation. [Facebook-Seite von Heather]

Ihre Partnerin Heather Richards (56) hat aufgrund der außergewöhnlichen Umstände eine Ausnahmegenehmigung für die Eheschließung erwirkt. Die beiden sind bereits seit 17 Jahren zusammen und haben sich schon direkt nach der Abstimmung im Parlament am 7. Dezember verlobt. Sie werden jetzt das erste auf australischem Boden getraute lesbische Paar werden.

Cas und Heather bitten alle ihre Gäste, Freunde und LGBT-Sympathisanten, anstatt von Geschenken dem Krankenhaus eine Spende zukommen zu lassen, weil dieses die gesamten Kosten der Eheschließung der beiden übernimmt und zum letzten Wohnort für Cas Willow wird.
Trotz der absehbar kurzen Dauer senden wir hier bei MensGo den beiden Frauen die allerbesten Wünsche.

Post von Heather Richards

Eine Hochzeit, eine Beerdigung und viele Spenden hoffentlich.

Die zweite lesbische Trauung vor dem offiziellen Datum des 9. Januar 2018 wird ebenfalls in Melbourne stattfinden. Megan Stapleton und Stephanie Dybal werden schon ab dem 19. Dezember 2017 im Rathaus heiraten dürfen.

Bereits lange vor dem Referendum und dem neuen Gesetz hatten die beiden Frauen dieses Datum für eine informelle, also rechtlich nicht gültige Feierstunde festgelegt und wurden nun von den aktuellen Entwicklungen überrascht. Die Einladungen waren bereits verschickt und viele Gäste aus der ganzen Welt hatten bereits ihre Flugtickets gebucht – und nun können sie zu einer offiziellen und rechtlich gültigen Hochzeit anreisen.

Gibt es irgendwelche Ausnahmeregelungen für Homophobe?

Das Gesetz sieht absolut keine Ausnahmeregelungen für Verwaltungsbeamte, Händler oder Dienstleister vor. Weder Standesbeamte, Bäcker noch Druckereien können sich also auf religiöse oder auch andere persönliche Gründe berufen, um einem gleichgeschlechtlichen Paar ihre Dienste zu verweigern.

Natürlich müssen Pfarrer und Priester keine kirchlichen Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare anbieten.

Ein paar Anekdoten

Bereits während der parlamentarischen Debatte hat der Abgeordnete Tim Wilson seinem langjährigen Partner Ryan Bolger einen Hochzeitsantrag gemacht – und Ryan hat vor laufenden Kameras sofort sein Jawort gegeben.

 

Christine Abbott, die Schwester des früheren Premierministers Tony Abbott und bekannte LGBT-Aktivistin, wird nun endlich ihre Freundin heiraten können. Tony Abbott war lange Zeit gegen die Homo-Ehe gewesen und hatte sich bei der Abstimmung der Stimme enthalten – um sich eher etwas für das Gesetz zu positionieren und natürlich, weil er wusste, dass es auf jeden Fall angenommen werden würde. Ein richtiger Opportunist, der jetzt auch noch behauptet, er freue sich für seine Schwester.

 

Schon bald die erste Homo-Scheidung

Möglicherweise wird es in Australien schon vor den ersten regulären gleichgeschlechtlichen Trauungen eine erste Homo-Scheidung geben. Tatsächlich durfte sich ein lesbisches Paar nämlich nicht scheiden lassen, solange es offiziell noch gar keine Homo-Ehe gab.

Kurz nachdem die Homo-Ehe in Australien am Samstag, 9. Dezember legalisiert wurde, hat ein Rechtsanwalt am Sonntag, 10. Dezember bereits die Scheidungspapiere für seine Mandantin eingereicht, die dann am Montag, 11. Dezember offiziell registriert wurden.

Das Paar, dessen Identität nicht bekanntgegeben wurde, hatte sich im Jahr 2015 kennen und lieben gelernt und wollte sich trauen lassen. Sie taten dies dann in der Botschaft eines europäischen Landes (das wir ebenfalls nicht kennen), nachdem dort ja die Gesetze des entsendenden Landes gelten.

Schon ein Jahr später haben sich die beiden Frauen dann getrennt. Allerdings gab es keine juristische Möglichkeit für eine Scheidung in Australien. Auch in der Botschaft konnten sie sich nicht scheiden lassen, weil kein der beiden dauerhaft in diesem Land lebt.

Erst die Legalisierung der Homo-Ehe in Australien hat diese kuriose Situation lösen können. Ihre im Ausland geschlossene Ehe wurde automatisch und mit sofortiger Wirkung auch in Australien gültig, so dass nun auch die Scheidung juristisch möglich wird.

Anscheinend ist dieser Fall nicht einzigartig. Auch zwei andere Frauen, die 2004 in Kanada geheiratet hatten, durften sich in Australien nicht scheiden lassen. Die Vereinten Nationen hatten im August 2017 Australien aufgefordert, diese unmögliche Situation zu bereinigen, weil dadurch die internationalen Persönlichkeitsrechte der beteiligten Frauen verletzt würden. Nachdem die Homo-Ehe nun in Australien legal ist, haben sich diese seltsamen Fälle hoffentlich in Wohlgefallen aufgelöst.

Hier noch ein Video, das die Geschichte der Homo-Ehe in Australien in sehr beeindruckenden Bildern und mit schöner Musik nachzeichnet.

 

Aktualisierung vom 19. Dezember 2017. Cas Willow und Heather Richards haben gestern (Montag, 18. Dezember) im Peter MacCallum Cancer Centre in Melbourne geheiratet. Die Eheschließung fand unter Anwesenheit offiziellen Besuchs des Bundesstaats Victoria statt, und zwar dem Premierminister Daniel Andrews und zwei weiteren Ministern.

Ehepaar Cas Willow und Heather Richards

Cas Willow und Heather Richards bei ihrer Hochzeit. Wir wünschen alles Gute.

Die beiden Ehefrauen haben darum gebeten, auf Hochzeitsgeschenke zu verzichten und stattdessen dem Krankenhaus, in dem Cas Willow behandelt wird, eine Spende zu vermachen. Der Premierminister hat im Namen des Staates Victoria dem Krankenhaus 50.000 australische Dollar (AUD), also etwa 32.500 EUR, gespendet.

Entgegen der Aussage weiter oben war das erste gleichgeschlechtliche Hochzeitspaar Australiens nicht Cas Willow und Heather Richards: Mehrere andere Paare durften aufgrund von Ausnahmegenehmigungen bereits am Samstag, den 16. Dezember 2017 heiraten.

Das erste in Australien getraute gleichgeschlechtliche Paar hat in Sydney geheiratet: Die Waliserin Lauren Price (31) und die Australierin Amy Laker (29). Die beiden hatten ursprünglich nur eine Verlobungsfeier geplant und dazu die ganze Familie eingeladen, einschließlich der Verwandten von Lauren in Wales, für die Lauren bereits die Flugtickets gekauft hatte. Sie haben die Ausnahmegenehmigung erhalten, um aus der geplanten inoffiziellen Feier eine richtige Hochzeit zu machen und die gesamte ausländische Verwandtschaft nicht zu bestrafen.

Wir hier bei MensGo gratulieren allen Australierinnen und Australiern, die jetzt ebenso wie alle anderen heiraten dürfen, und denken ganz besonders an Cas Willow und Heather Richards. Wir hoffen, sie können ihr frisches Eheglück noch so lange wie möglich genießen.

Aktualisierung vom 31. Dezember 2017: Cas Willow ist am 29. Dezember 2017 um 17:22 Uhr (Ortszeit) verstorben. Wir richten unser aufrichtiges Beileid an ihre Witwe Heather Richards. Die Geschichte der beiden hat uns alle sehr bewegt.
#casandheather #lovewins

Am 19. Dezember gab es im Staat Westaustralien die erste lesbische Hochzeit: Lyn Hawkins und Anne Sedgwick haben dort geheiratet, und zwar ebenfalls per Eilverfahren und mit einer Sondergenehmigung aus medizinischen Gründen. Lyn Hawkins starb heute an den Folgen ihrer Erkrankung (Eierstock-Krebs). Auch ihrer Witwe gilt unsere herzliche Anteilnahme.

Wolfgang / MensGo

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