Japan wird (etwas) LGBT-freundlicher

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Japan wird (etwas) LGBT-freundlicher

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 13. Februar 2018) Der japanische Gesundheitsminister hat am 31. Januar 2018 eine Richtlinie erlassen, nach der Hotels ihre Gäste nicht länger aufgrund der sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität diskriminieren dürfen, und die Stadt Fukuoka beabsichtigt, in Zukunft gleichgeschlechtliche Partnerschaften anerkennen. Diese beiden Meldungen stellen einen ersten, wenn auch sehr schwachen, Fortschrift für die rechtliche Anerkennung von LGBT-Menschen dar.

Futons in einem Ryokan

Schwule Gäste im Doppelbett? Vielleicht schon bald. © Micha L. Rieser

Hotels in Japan müssen freundlicher und offener werden

Die Vorschrift vom 31. Januar zielt zum einen auf die Hygiene in Hotels, stärkt aber zugleich die bereits vorhandenen Gesetze zur Nichtdiskriminierung. Hotels sollen LGBT-Gäste nicht mehr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ablehnen können.

Die Richtlinie gilt neben den klassischen Hotels auch für die ca. 70.000 traditionellen japanischen Herbergen (Ryokan) und für mehrere Zehntausend „Love Hotels“ (Rabu Hoteru, also Stundenhotels).

Im allgemeinen lehnen Hotels und Herbergen gleichgeschlechtliche Paare nicht direkt ab, sondern geben ihnen entweder ein Zimmer mit getrennten Betten oder sogar zwei separate Zimmer. Bei heterosexuellen Gästen gibt es jedoch keine Nachfragen und meist ein Doppelbett.

Love Hotel, de Jane Unrue

„Love Hotels“ – meist für heterosexuelle Sextreffen. © New Directions

Als einzige offizielle Gründe dafür, Kunden ein Hotelzimmer vorzubehalten nennt die Richtlinie Anzeichen ansteckender Krankheiten oder die Absicht, gesetzeswidrige Handlungen im Zimmer vorzunehmen. Homosexuelle Kontakte sind in Japan jedoch seit 1880 legal.

Kaum LGBT-Rechte

Der Bildungsminister hat im Rahmen seines Kampfs gegen Mobbing bereits 2017 die Schulen aufgefordert, mehr gegen Mobbing von Schülern aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bzw. sexuellen Identität zu tun.

Bisher gibt es in Japan weder die Homo-Ehe noch gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaften. Allerdings werden alle im Ausland rechtmäßig geschlossene Ehen anerkannt.

Fukuoka will bald auch Homo-Ehen bzw. Partnerschaften ermöglichen

In bisher sechs Städten bzw. Stadtteilen gibt es bereits gleichgeschlechtliche Ehen bzw. Partnerschaften: Shibuya und Setagaya (2 Stadtteile Tokios, seit 2015) sowie die Städte Iga, Takarazuka und Naha (seit 2016) und Sapporo (seit 2017).

Ab dem 1. April 2018 will auch die Stadt Fukuoka gleichgeschlechtliche Partnerschaften ihrer Einwohner ermöglichen. Fiskalisch gelten diese Partner landesweit jedoch nach wie vor als alleinstehend.

Fukuoka ist mit 1,5 Mio. Einwohnern die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und liegt wie Naha auch auf der Insel Kyūshū. Bürgermeister Soichiro Takashima hat sich zu den Einzelheiten der geplanten Homo-Partnerschaft noch nicht geäußert. Auf nationaler Ebene wird sie jedenfalls (noch) nicht anerkannt werden.

 

Bald auch schwule eingetragene Partnerschaft im Tokioter Bezirk Nakano

Aktualisierung vom 19. Mai 2018. In Nakano, einem an Shibuya angrenzenden Stadtteil Tokios, werden gleichgeschlechtliche Paare, die eine „Partnerschaftserklärung“ unterzeichnen, ab Sommer 2018 eine Urkunde von den Behörden erhalten. Diese Urkunden sind jedoch an verschiedene Bedingungen geknüpft, darunter ein Mindestalter von 20 Jahren und ein ständiger Wohnsitz in Nakano.

Diese ggf. von einer notariellen Urkunde begleitete Bescheinigung gibt den Paaren die gleichen Rechte und Vorteile wie verheirateten heterosexuellen Paaren in mehreren Bereichen, wie zum Beispiel Gesundheit (medizinische Behandlung und Pflege) und Wohnen, wobei die notarielle Urkunde ihnen beim Antrag auf ein Hypothekendarlehen hilft.

Im August 2018 wird Nakano nach Shibuya (einem benachbarten Bezirk) und Setagaya schon das dritte Rathaus in Tokio sein, das eine Form der eingetragenen Homo-Partnerschaft anbietet. Allerdings werden diese Partnerschaften landesweit in keiner Weise anerkannt, weil es in Japan noch keine Homo-Ehe gibt.

Wie sieht es in Nakano aus? Hier eine Videoreportage…

Momentan ist noch unklar, ob die inoffiziellen Partnerschaftsdokumente der acht genannten Gemeinden bzw. Bezirke automatisch von den anderen sieben anerkannt werden.

 

Aktualisierung vom 28. August 2018:

Die Stadt Chiba will eingetragene homo- und heterosexuelle Partnerschaften

Ab April 2019 lässt die Hafenstadt Chiba (JP | EN) als erste japanische Gemeinde eingetragene Partnerschaften für schwule und heterosexuelle Paare zu. Solche Partnerschaften waren bisher auf LGBT-Paare beschränkt, denen die Regierung nach wie vor den Vorteil der Ehe vorenthält.

Diese Partnerschaften haben keinen juristischen Wert, weil eine solche Institution in Japan nicht existiert. Die Gemeinde Chiba möchte jedoch, dass die Krankenhäuser und Unternehmen im Stadtgebiet diese zukünftige Partnerschaft aktiv unterstützt. Spezielle Vereinbarungen würden es aber zum Beispiel dem Ehepartner ermöglichen, im Falle eines Krankenhausaufenthaltes oder eines chirurgischen Eingriffs ein Besuchs- oder Mitspracherecht zu erhalten. Darüber hinaus könnten verpartnerte Paare auch Wohnungen bekommen, die für eigentlich für verheiratete (also heterosexuelle) Paare reserviert sind.

Chiba ist eine Stadt (nicht) ganz wie die anderen, wenn man nach diesem sympathischen Werbevideo in tropischem Englisch urteilen mag:

 

 

Der Bürgermeister von Chiba und Initiator dieser Initiative, Toshihito Kumagai, beabsichtigt daher, seine kommunalen Vorschriften an die Entwicklung der Bräuche und Familienstrukturen in der Stadt Chiba und in der gleichnamigen Region anzupassen. Die Initiative kommt von den LGBT-Interessengruppen: Diese haben die Stadtväter ermutigt, die zukünftige Partnerschaft auf heterosexuelle Paare auszudehnen, um einer diskriminierenden Maßnahme (keine Homo-Ehe) nicht durch eine weitere diskriminierende Maßnahme (keine eingetragene Partnerschaft für heterosexuelle Paare) entgegenzuwirken.

Nur unverheiratete Paare mit (geplantem) Wohnsitz in Chiba können eine solche Partnerschaft abschließen, und die beiden Partner dürfen nicht miteinander verwandt sein. Die genauen Bedingungen dieser Partnerschaft werden erst nach einer von der Gemeinde im September 2018 organisierten Versammlung festgelegt. Es ist derzeit also unklar, welchen Status und welche Vorteile genau die Gemeinde solchen eingetragenen Partnern bieten wird, und ob die Stadt eingetragenen Partnern aus anderen schwulenfreundlichen Gemeinden, die in Chiba leben, die gleichen Vorteile gewähren wird.

Die Stadt Chiba ist die Hauptstadt der gleichnamigen Region, etwa 40 km südöstlich von Tokio gelegen. Sie ist dicht besiedelt (3.580 Einwohner pro km2) und hat knapp unter einer Million Einwohner (972.861 im Februar 2016). Laut Wikipedia ist eine Besonderheit von Chiba ihre hängende Einschienenbahn..

Eine Einschienenbahn? Dazu gibt es diese kurze Präsentation…

 

 

Wolfgang / MensGo

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