Belgischer Eisläufer Jorik Hendrickx outet sich bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang

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Belgischer Eisläufer Jorik Hendrickx outet sich bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 15. Februar 2018) Der belgische Eisläufer Jorik Hendrickx hat sich am 12. Februar 2018 während der olympischen Winterspiele 2018 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannt – also sieben Jahre nach dem amerikanischen Eisläufer Johnny Weir und zwei Jahre nach dem amerikanischen Skifahrer Gus Kenworthy, und nur vier Tage vor seinem ersten Wettkampf in Pyeongchang. Eigentlich hatte der 25-jährige Sportler sein Outing schon für die Spiele in Sotschi geplant, es aber dann aufgrund der sehr homophoben Stimmung in Russland verschoben.

Eisläufer trainieren sehr hart – aber schwule Eisläufer noch viel härter…

Jorik Hendrickx betreibt Eislauf auf sehr hohem Niveau und wurde, wie auch die meisten Tänzer, schon oft mit verletzenden und homophoben Kommentaren konfrontiert.

Allerdings ist klassischer Tanz im Gegensatz zum Eiskunstlauf eben keine olympische Disziplin – und Jorik Hendrickx hat gute Chancen auf eine Medaille. Es zeugt von außergewöhnlichem Mut, sich als Spitzenathlet gerade vor einem so wichtigen Großereignis zu outen.

Aber vielleicht wird es dieses Outing dem belgischen Champion ja auch erlauben, sich voll und ganz auf den Wettkampf zu konzentrieren und sogar eine olympische Medaille zu gewinnen. Hier ein Werbevideo mit Trainingsaufnahmen:

Jorik Hendrickx ist schon seit längerem bei seiner Familie, den Kollegen und den Freunden geoutet, hat aber seine sexuelle Orientierung aber erst nach der Ankunft am Austragungsort der Spiele offiziell gemacht. Wie die meisten Schwulen und Lesben musste er sein Schwulsein zuerst selbst akzeptieren, nachdem er es im Alter von 20 Jahren selbst kapiert hatte – und jetzt schämt er sich nicht mehr dafür.

Ich tue es aus Ehrlichkeit und Offenheit, und weil ich auch irgendwie ein Beispiel geben und anderen helfen möchte.
(Jorik Hendrickx, in einem Interview mit der belgischen Zeitung Le Soir)

Warum gerade jetzt? Vielleicht weil Pyeongchang nicht Sotschi ist, weil seit den Winterspielen in Russland auch vier Jahre ins Land gegangen sind, weil Hendrickx sein Schicksal selbst in die Hand nehmen und anderen helfen wollte. Außerdem haben andere berühmte Schwule ihm den Weg bereitet und ihn inspiriert.

Jorik Hendrickx

Jorik Hendrickx will sich nicht länger dafür schämen, schwul zu sein. © jorikhendrickx.com

Andere Berühmtheiten vor ihm…

Im Eiskunstlauf haben zwei amerikanische Sportler es ihm bereits vorgemacht: Johnny Weir und Adam Rippon.

Johnny Weir hatte sich 2011 über seine Autobiographie geoutet und am Silvestertag 2011 seinen Partner geheiratet. (Einige Jahre später haben sie sich scheiden lassen.)

Adam Rippon (28), der in Pyeongchang gerade eine Bronze-Medaille in Mannschafts-Eiskunstlauf gewonnen hat, ist die zweite Inspirationsquelle für Hendrickx. Rippon hatte sich am 2. Oktober 2015 geoutet und wurde damit zum ersten offen schwulen Sportler, der sich für die olympischen Winterspiele qualifizierte. Der amerikanische Trick-Skifahrer Gus Kenworthy hatte 2014 in Sotschi eine Silbermedaille gewonnen, hat sich aber erst 20 Tage nach Adam Rippon (also am 22. Oktober 2015) geoutet.

Ich habe einige Zeit gebraucht, es zu verdauen. Man sollte die Bedeutung nicht unterschätzen. Auch deshalb ist es mir so wichtig, darüber zu sprechen.
(Jorik Hendrickx, in einem Interview mit der Zeitung Dernière Heure)

Zur belgischen olympischen Mannschaft in Pyeongchang gehören auch Sophie Vercruyssen (Bobschlitten) und Kim Meylemans (Rennschlitten) – zwei lesbische Sportlerinnen, die sich ebenfalls vor den Spielen in Korea geoutet haben, und mit denen Hendricks sich vor seinem eigenen Outing lange beraten hat.

Alle guten Wünsche begleiten jetzt diesen couragierten Sportler Jorik Hendrickx!

Eric Radford, erster schwuler Medaillengewinner bei den Winterspielen

Am Montag, 12. Februar 2018, dem Tag, als Jorik Hendrickx sich geoutet hat, wurde der kanadische Eiskunstläufer Eric Radford zum ersten offen schwulen Sportler, der bei den Winterspielen eine Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb errang. In Sotschi hatte er mit seiner Mannschaft bereits Silber gewonnen.

Eric Radford

Eric Radford (Instagram-Profilbild), der aber leider schon verlobt ist. 😉

Eric ist der erste Eiskunstläufer, der nach seinem Outing eine Medaille errang. Der amerikanische Eiskunstläufer Brian Boitano, Goldmedaille bei den Spielen in Calgary 1988, hat sich erst kurz vor den Spielen von Sotschi 2014 geoutet.

Eric Radford hatte sein Coming-Out nach den Spielen in Sotschi, wie auch Adam Rippon und Gus Kenworthy. In Kanada ist der einzige Eisport Hockey. Deshalb wurde Radford, so wie auch Hendrickx, in seiner Jugend häufig gemobbt. Auch er hat einige Zeit gebraucht, bis er zu sich stehen konnte und hätte sich ein schwules Vorbild gewünscht. Deshalb versucht er nun auch, jungen schwulen Sportlern ein Vorbild zu sein.

Radford hat zusammen mit seiner Partnerin Meagan Duhamel auch im Paarlauf 2015 und 2016 schon Gold gewonnen. Heute (15. Februar 2018) haben die beiden noch eine Bronzemedaille errungen. Unabhängig davon haben sie aber die Absicht, ihre Zusammenarbeit nach diesen Spielen zu beenden.

Eric Radford (33) hat sich am 10. Juni 2017 mit seinem Freund, dem Eistänzer Luis Fenero verlobt. Außerdem spielt Radford auch Klavier und komponiert Musik, wie z. B. die Kür-Musik für seinen Landsmann Patrick Chan.

Eric Radford kämpt auch offiziell im Namen des kanadischen olympischen Komitees gegen Homophobie.

Hier noch ein Video mit einem kurzen Interview des Paars vor dem Einlauf auf das Eis in Pyeongchang:

 

Wolfgang / MensGo

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