Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras: Der erste CSD (Gay Pride) in der Ära der Homo-Ehe

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Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras: Der erste CSD (Gay Pride) in der Ära der Homo-Ehe

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 9. März 2018) Beim Umzug am 3. März 2018 wurde in Sydney nicht nur der 40. CSD (Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras) sondern auch die erst kürzlich erfolgte Legalisierung der Homo-Ehe in Australien gefeiert. Unter dem Slogan 40 years of evolution dieses größten CSDs in Australien feierten um die 300.000 Menschen bis spät in die Nacht. Eine ganze Menge berühmter Persönlichkeiten gaben sich die Ehre, darunter Premierminister Michael Turnbull und die große amerikanische Sängerin und Schauspielerin Cher, die als Hauptgast bei einer riesigen After-Party dabei war.

Hier ein Eindruck des Umzugs, der bis in die Nacht dauerte:

Unglaubliche Menschenmassen

Bei schönstem Wetter waren auch eine ganze Menge Ordnungskräfte beim Umzug anwesend, aber außer kleineren Drogendelikten gab es keine Störungen.

Der Umzug bestand aus nicht weniger als 195 Wagen und um die 12.500 Menschen, die stundenlang durch Liverpool Street, Oxford Street und Flinders Street marschierten – ein absoluter Rekord für diese Veranstaltung.

Um die 250 Teilnehmer des ersten CSD vom 24. Juni 1978 waren ebenfalls gekommen. Seinerzeit hatte die Polizei ihren friedlichen Marsch brutal zerschlagen. Die Polizei von Sydney hat sich seither dafür entschuldigt und nimmt schon seit vielen Jahren ganz offiziell am Umzug teil.

Viele Wagen und teilnehmende Gruppierungen haben auf unterschiedliche Art und Weise diese Veteranen im Kampf für LGBT-Rechte geehrt.

Die „Ehemaligen“ von 1978 erklären die wichtige Rolle, die der jährliche Umzug „Sydney Mardi Gras“ über die Jahre gespielt hat. Viele Schwule und Lesben haben sich vor allem auch durch den bekannten Umzug endlich getraut, sich zu outen. Nicht wenige Heterosexuelle haben dadurch gemerkt, dass Schwule und Lesben auch nicht anders sind und haben die politischen und gesellschaftlichen Forderungen nach Gleichheit deshalb unterstützt.

Der Sydney Gay Pride ist mittlerweile auch zu einer der größten touristischen Attraktionen geworden.

Cher fiel natürlich durch ihre rote Perücke auf, und auch ihre Bodyguards blieben nicht unbemerkt:

Homo-Hochzeit beim Umzug:

James Brechney und Stuart Henshall haben sich einen der 195 Wagen für ihre Hochzeit ausgesucht. Dabei wurden sie von ihren Familien und Freunden sowie 45 Tänzerinnen und Tänzern begleitet.

Sie hatten sich bereits im November 2017, unmittelbar nach dem Ergebnis des Volksentscheids zur Homo-Ehe verlobt. Beide engagieren sich aktiv für LGBT-Rechte, und James hatte 2013 sogar die Interessengemeinschaft DIY Rainbow gegründet.

Die beiden Frischvermählten haben ihre Hochzeit dem CSD-Jahrgang 1978 gewidmet – insbesondere denjenigen, die bei diesem ersten Gay Pride in Sydney mitmarschiert waren und vor Einführung der Homo-Ehe gestorben sind.

VIPs beim Umzug

Viele berühmte Persönlichkeiten zeigten sich (zumindest zeitweilig) auf dem Umzug: Die überaus witterungsbeständige Sängerin Cher zeigte sich mit einer ihrer rosa-orangefarbenen Perücken in der Nähe der Gruppe Dykes on Bikes (Lesben auf Rädern), ganz am Anfang des Umzugs. Auch der australische Premierminister Michael Turnbull war mit seiner Gattin ganz vorne mit dabei.

Die Premierministerin von New South Wales, Gladys Berejiklian, hat auf ihrem Instagram-Konto dieses Foto gepostet, wo man sie direkt hinter Cher und Turnbull sieht.

Michael Turnbull, Cher und Gladys Berejiklian.

Michael Turnbull, Cher und Gladys Berejiklian.

Nach der Feier ist vor der Feier…

Cher war auch auf der After-Party der unbestrittene Star. Mit ihren 71 Jahren und trotz der großen Zeitverschiebung nach ihrer Anreise gab sie zwar nur 18 Minuten Show, aber die Stimmung war am Überschäumen.

Viele bekannte DJs legten bei der großen Party auf – natürlich gab es eine riesige Schlange vor dem Eingang.

Hier das Abschlussbild des Sydney Gay and Lesbian Mardi Gras, ein Dankeschön an alle:

Thank you

Danke! Merci ! Thank you! ¡Gracias! Grazie! © mardigras.org.au

Der Anfang des Mardi Gras als großem Fest

Vor fast 40 Jahren, am 24. Juni 1978, im Winter auf der Südhalbkugel, marschierten einige Hundert Männer und Frauen nachts auf der Oxford Street in Sydney, um ihren sozialen und politischen Forderungen Ausdruck zu verleihen.

Sydney, 24. Juni 1978

Die meisten Banner und Plakate forderten ein Ende der Verfolgung von Schwulen und Lesben. 1978 war Homosexualität in New South Wales noch ein Straftatbestand, und Homophobie war völlig normal, so dass auch schwulenfeindliche Prügeleien von der Polizei gedeckt oder sogar unterstützt wurden.

Die Behörden hatten die Demo am 24. Juni 1978 in einem eng begrenzten Bereich zwischen Oxford Street und Hyde Park genehmigt. Sie hatte zwar einerseits politische Forderungen, war aber vor allem eine große Feier. Einige Demonstranten wagten sich aus dem genehmigten Bereich heraus, was eine Tragödie verursachte.

Polizeiliche Gewalt

Die Polizei hat zunächst den wichtigsten Wagen konfisziert, das Viertel abgeriegelt, die Demonstranten eingekesselt und verprügelt. Am Ende hat sie 53 Männer und Frauen festgenommen und auf fadenscheiniger Grundlage eingesperrt.

Schlimmer noch: Der Sydney Morning Herald und andere Lokalblätter gaben die persönlichen Daten der 53 Häftlinge preis, so dass viele unter ihnen deshalb ihre Arbeitsstelle verloren.

Daraufhin gab es weitere Demos, die ein Ende der Verfolgung von Schwulen und Lesben und die Freilassung der Inhaftierten forderten, aber erst 1984 wurde Homosexualität straffrei gestellt. Im Februar 2016 hat das Parlament sich offiziell bei den betroffenen Personen entschuldigt. Ebenfalls 2016 gab es auch Entschuldigungen vom Sydney Morning Herald und der Polizei.

Heute auf dem großen Bildschirm

Am 25. Februar 2018 strahlte der australische Sender ABC unter dem Titel Riot (Aufstand) einen Fernsehfilm von Jeffrey Walker zu den Aufständen von 1978 aus. Das Drehbuch hatte Greg Waters auf Grundlage einer Geschichte der schottischen Schriftstellerin und Schauspielerin Carrie Anderson geschrieben.

Riot wurde bereits vor dem Ergebnis des Briefreferendums von 2017 gedreht. Die öffentliche Debatte zur Homo-Ehe in Australien gab dem Fernsehfilm einen zusätzlichen Werbeschub und zeigte dem ganzen Land den Irrwitz der institutionalisierten Homophobie dieser Zeit.

Warum eigentlich Mardi Gras?

In der christlichen Tradition steht „Mardi gras“ für den Faschingsdienstag, also den letzten Tag vor der Fastenzeit. Die Umzüge sind heute an einem Samstag, aber der Name ist geblieben.

Vielleicht über den Umweg des seinerzeit französischsprachigen New Orleans fand der Begriff Mardi Gras Eingang in die englische Sprache und Kultur. Heute meint man mit Mardi Gras vor allem den CSD bzw. Gay Pride von Sydney.

Wolfgang / MensGo

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