Têtu wieder insolvent

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Têtu wieder insolvent

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 14. April 2018) Der neue Betreiber des französischen Schwulenmagazins Têtu und der Webseite tetu.com ist seit dem 22. Februar 2018 wieder insolvent, wie Hornet bzw. das Schweizer LGBT-Webzine 360° berichten. Bereits 2013 war Têtu für einen symbolischen Euro an Jean-Jacques Augier verkauft worden, und der damalige IT-Dienstleister hatte seine eigene Seite idyls.com mit tetu.com verschmolzen. Im Juli 2015 wurde dann das erste Insolvenzverfahren eröffnet.

Seit 2016 wurde die Têtu-Gruppe von Idyls Media betrieben. Der Mitgründer von Idyls hatte seine leitenden Funktion am 5. Juli 2017 abgegeben und die Medien-Gruppe verlassen.

Têtu-Pressemitteilung

Beunruhigende Neuigkeiten am 14. November 2017. © tetu.com

Nach der Übernahme von Têtu im November 2015 kam die Website Ende Dezember 2015 wieder online, und das gedruckte Magazin wurde ab Februar 2017 wieder herausgegeben – allerdings nur alle zwei Monate. Nach einem Jahr waren dann aber nur drei Ausgaben erschienen.

Mitte November 2017 gab es dann eine vierte Ausgabe, jedoch nur noch digital, wobei das Erscheinen damals von einer seltsamen Pressemitteilung begleitet wurde.

Si 2016 était l’année de la renaissance pour TÊTU, 2018 doit être celle de la conquête dans un paysage médiatique français en pleine ébullition.
(Nachdem 2016 das Jahr des erneuten Erscheinens von TÊTU war, muss 2018 die Markteroberung in einer überkochenden französischen Medienlandschaft werden.)
(Leitung von Têtu, am 14. November 2017)

Einerseits gab es in der Mitteilung die übliche Selbstbeweihräucherung, andererseits aber auch eher pessimistische Formulierungen.

Die digitale Vermarktung erwies sich als schwierig, so dass die Zukunft des Neustarts von Anfang an fragwürdig erschien.

Heute ist die Webseite tetu.com nach wie vor online und zeigt die Unterschrift des Chefredakteurs Adrien Naselli vom 5. März 2018.

Garçon-Magazin

Haben kostenpflichtige schwule Magazine im Papierformat noch eine Zukunft? Garçon Magazine scheint dies zu glauben. © garcon-magazine.com

Vom glorreichen Hochglanzmagazin bleibt heute nur noch der Markenname Têtu, die Webseite tetu.com und das Archiv des Magazins.

Derzeit ist nicht bekannt, ob es Übernahmeangebote oder ernstzunehmende Investment-Interessenten gibt.

Die von HuffPost übernommene AFP berichtet, dass die Idyls-Gruppe mit über 230.000 EUR verschuldet war. Der Unterschied zur Ära des früheren Besitzers und Milliardärs Bergé ist, dass dieser die Verluste des Magazins einfach abschrieb.

Die französische schwule Leserschaft verliert mit Têtu eine wahre Ikone der schwulen Presse, die seinerzeit auf das Magazin Gai Pied gefolgt war. Heute sind schwule gedruckte Zeitschriften selten. Auch Garçon Magazine, das seit November 2015 alle zwei Monate auf Papier und als PDF erschien, hat sich im November 2017 „neu aufgestellt“. Die Monatszeitschrift Hétéroclite erscheint seit April 2006, heute auf Papier und als PDF, wird aber kostenlos verteilt.

Hétéroclite

Hétéroclite soll kostenlos bleiben. © heteroclite.org

Die beiden Insolvenzen von Têtu spiegeln natürlich auch große Umbrüche der Gesellschaft und der Leserschaft wider: Die Legalisierung der Homo-Ehe in vielen Ländern und der Übergang von Druckausgaben auf digitale Formate. Gibt es heute, in Frankreich und anderswo, noch Raum für kostenpflichtige LGBT-Zeitschriften auf Papier? Und als Digitalversionen? Die Zukunft wird es zeigen.

Wolfgang / MensGo

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