Island, das schwulenfreundlichste Land der Welt

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Island, das schwulenfreundlichste Land der Welt

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 28. April 2018) Laut einer Meta-Analyse des Williams-Institut der University of California in Los Angeles (UCLA) ist Island das homofreundlichste und Aserbaidschan das homophobste Land der Welt. Dies spiegelt sich im Global LGBT Acceptance Index (GAI) wider, einem Index, der sich aus den Ergebnissen mehrerer Studien aus 141 Ländern im Zeitraum 1981-2014 zusammensetzt. Die am 18. April 2018 veröffentlichte Analyse zeigt, dass 57 % der untersuchten Länder (80 von 141) seit 1980 Fortschritte bei der Akzeptanz von LGBT-Personen gemacht haben, während es in 33 % (46 Ländern) Rückschritte gab. Überraschenderweise sind die Länder an der Spitze der Rangliste diejenigen, welche die meisten Fortschritte gemacht haben, und die Länder ganz unten sind die mit den stärksten Rückschritten.

Der GAI-Score wurde über zwei verschiedene Zeiträume (2004-2008 und 2009-2013) ermittelt, wobei der Fort- bzw. Rückschritt anhand der Differenz der beiden Punktewerte berechnet wurde.

Polarized Progress

© williamsinstitute.law.ucla.edu

Nur Island (7,37 Punkte) erzielte im Zeitraum 2009-2013 über 7 Punkte und davor, für die Jahre 2004-2008, hatte nur Island (6,02) mehr als 6 Punkte erreicht. Mit einer Zunahme von 1,35 Punkten liegt Island weitaus höher als jedes andere Land in den Top 10.

Die Top-10 des GAI-Scores im Zeitraum 2009-2013:

  1. Island (7,37)
  2. Niederlande (6,67)
  3. Schweden (6,55)
  4. Dänemark (6,31)
  5. Andorra (6,04)
  6. Norwegen (5,92)
  7. Belgien (5,92)
  8. Spanien (5,90)
  9. Frankreich (5,74)
  10. Schweiz (5,73)

Und hier die 5 untersten Platzierungen:

  • 137. Platz: Ruanda (1,56)
  • 138. Platz: Ägypten (1,50)
  • 139. Platz: Bangladesch (1,30)
  • 140. Platz: Georgien (1,08)
  • 141. Platz: Aserbaidschan (0,96)

Es überrascht nicht, dass nahezu alle skandinavischen Länder (außer Finnland, das historisch bedingt näher an Estland und Russland platziert ist) an der Spitze der Rangliste stehen. Kap Verde und Irland waren im ersten Zeitraum unter den Top 10, aber nicht mehr im zweiten, obwohl sie noch nahe beieinander liegen. Die beiden Neuzugänge im oberen Bereich sind Frankreich und die Schweiz, die bereits im ersten Zeitraum gut platziert waren.

Es überrascht auch nicht, dass die letzten zehn in der Liste in beiden Zeiträumen gleich sind, wenn auch mit leicht veränderten Einzelplatzierungen.

Es ist erstaunlich, dass die Schweiz im zweiten Zeitraum im Top-10-Bereich liegt, obwohl sie gleichgeschlechtliche Ehen noch verbietet und keine Gesetze gegen die Diskriminierung von LGBT-Personen erlassen hat. Einige Länder liegen in der Rangliste 2009-2013 wahrscheinlich etwas niedriger, weil sie erst 2014 (Vereinigtes Königreich), 2015 (Luxemburg, Irland) oder 2017 (Finnland, Malta, Deutschland) homosexuelle Ehen legalisiert haben.

Auch Afghanistan, Russland und alle anderen ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens erwartet man ganz am Ende der Liste. Dies ist zwar nicht der Fall, aber ihre GAI-Werte sind trotzdem sehr niedrig: Russland (2,91), Usbekistan (2,85), Kasachstan (2,69) und Kirgisistan (2,64). Tadschikistan und Afghanistan tauchen in der Liste nicht auf, wahrscheinlich weil verlässliche Daten fehlen.

Aus rein wissenschaftlicher Sicht ist diese Studie nicht so viel wert. Die Daten kommen aus unterschiedlichen Quellen und Studien, deren Methodik alles andere als einheitlich ist.

Der GAI-Index setzt sich einerseits aus objektiven Elementen wie Gesetze, Verordnungen, Gerichtsentscheidungen, LGBT-phobe körperliche Gewalt, Anerkennung bzw. Nichtanerkennung von LGBT-Verbänden usw. zusammen, beinhaltet andererseits aber auch subjektive Elemente wie Diskriminierung am Arbeitsplatz, gesellschaftliche Einstellungen, Gesundheitsdienste und Überzeugungen gegenüber LGBT-Personen, verbalen Missbrauch und Belästigung, Zeitungsberichterstattung sowie Toleranz bzw. Intoleranz seitens der Religion und Geistlichkeit gegenüber der LGBT-Community.

Auch die Methodik der Untersuchungen, ja sogar die (kulturelle und sprachliche) Interpretation bestimmter Begriffe (was genau ist „Akzeptanz“ denn?) ist überaus unterschiedlich.

Am Ende bleibt außerdem festzustellen, dass die Ergebnisse der Meta-Analyse schon vor ihrer Veröffentlichung veraltet waren, weil die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2014 stammen und seitdem unzählige Ereignisse – für oder auch gegen die LGBT-Community – aufgetreten sind, welche die Dynamik des Themas natürlich beeinflussen.

Mehr Infos:
Andrew R. Flores & Andrew Park (eds.) : Polarized progress – Social Acceptance of LGBT People in 141 Countries, 1981 to 2014. Los Angeles, The Williams Institute, UCLA School of Law, March 2018 (Pressemitteilung | Zusammenfassung).

Wolfgang / MensGo

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