Irisches Parlament entschuldigt sich bei früher verurteilten Schwulen

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Irisches Parlament entschuldigt sich bei früher verurteilten Schwulen

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 26. Juni 2018) Irlands Minister für Justiz und Gleichberechtigung, Charlie Flanagan, entschuldigte sich formell beim Oireachtas (Nationalparlament) für die Art und Weise, wie die irische Justiz einst einvernehmlichen schwulen Sex für Erwachsene sanktionierte. Seine Entschuldigung an die LGBT-Community erfolgte am 19. Juni 2018, 25 Jahre nach der Entkriminalisierung gleichgeschlechtlicher Beziehungen (24. Juni 1993). Das sagte der Minister in einer Rede, in der er einen parlamentarischen Antrag von Arbeitssenator Ged Nash vorstellte. Der Text dieses Antrags erkennt den Schaden an, der durch die Kriminalisierung von einvernehmlichem schwulem Sex zwischen Erwachsenen verursacht wird, und entschuldigt sich dafür. Charlie Flanagan betonte, dass er und die Regierung einen solchen Antrag sehr unterstützen.

As Minister for Justice and Equality, I extend a sincere apology to all of those people, to their family, and to their friends. To any person who felt the hurt and isolation created by those laws, and particularly to those who were criminally convicted by the existence of such laws.
Charlie Flanagan

(Als Minister für Justiz und Gleichberechtigung entschuldige ich mich aufrichtig bei all diesen Menschen, ihrer Familie und ihren Freunden. Für jede Person, die sich durch diese Gesetze verletzt und isoliert fühlte, und besonders für diejenigen, die durch die Existenz solcher Gesetze strafrechtlich verurteilt wurden.)

Das Sexualdeliktgesetz von 1993 hob Teile des Strafgesetzbuches auf, die durch die Gesetze von 1861 und 1885 eingeführt wurden. Charlie Flanagan bestätigte öffentlich den irreversiblen Schaden, der durch diese homophoben Gesetze vor ihrer endgültigen Aufhebung verursacht wurde. Minister Flanagan bekräftigte die Unterstützung der Regierung für Schwule und ihre ausgegrenzten Familien, erwähnte jedoch keine finanzielle Entschädigung.

Die Eröffnungsdebatte über den parlamentarischen Antrag fand in Anwesenheit einer Persönlichkeit statt, die von der irischen LGBT-Community sehr geschätzt wird: Senator David Norris, ein unermüdlicher Verfechter der LGBT-Gleichberechtigung.

David Norris

David Norris und LGBT-Aktivisten im Senat vor der Debatte über den Parlamentsantrag. © senatordavidnorris.ie

Im Anschluss an die Ministerrede gab Senator Gerry Horkan, der stellvertretende Sitzungsleiter, eine Kostprobe an trockenem Humor und Einfühlungsvermögen:

I am supposed to not allow applause but it has been done now. I am not going to worry too much about it.
Ich sollte eigentlich keinen Applaus zulassen, aber das ist jetzt geschehen. Das stört mich jetzt auch nicht weiter.

Die ganze Debatte findet man hier (ab 2:29:50. Ersatzweise hier klicken)…

Der derzeitige irische Premierminister Leo Varadkar hat sich am 18. Januar 2015 geoutet, vier Monate vor dem Referendum über die Homo-Ehe. Er erklärte auch seine Unterstützung für den Parlamentsantrag und entschuldigte sich im Namen seiner Regierung.

Als terminlicher Zufall begannen gleich zwei Tage nach der parlamentarischen Debatte die zehntägigen Feierlichkeiten des CSD (Gay Pride Dublin), dessen Hauptparade für den 30. Juni 2018 angekündigt ist.

Fast zeitgleich feiert das neue Stück A Day in May des irischen Dramatikers Colin Murphy's Weltpremiere: Die Veranstaltung findet am 24. Juni 2018 und am folgenden Tag im Olympia-Theater statt.

Poster: A Day in May

Werbeplakat für A Day in May. © olympia.ie

Wie auch immer, Colin Murphys Stück spielt im Mai 2015, kurz vor dem Referendum über die Legalisierung der Homo-Ehe in Irland. Dieses „Drama-Dokumentarstück“ nach einem Buch von Charlie Bird erzählt mehrere wahre Geschichten von Betroffenen vor dem Hintergrund des bevorstehenden Referendums. Der Erlös aus dem Stück wird der Interessengruppe Pieta House im Rahmen eines gemeinsamen Programms mit BeLonG To LGBT+ Youth Service gespendet. Dieses Programm hilft jungen Menschen dabei, ihr Selbstwertgefühl wiederherzustellen und ihre Selbstmordgedanken zu bekämpfen.

Wolfgang / MensGo

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