CSD Berlin 2018: Festlich, unvergesslich, fordernd und gewittrig

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CSD Berlin 2018: Festlich, unvergesslich, fordernd und gewittrig

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 5. August 2018) Der 40. CSD Berlin (Gay Pride) wurde am Samstag, 28. Juli 2018 gegen Ende der Veranstaltung von starkem Wind der Stärke 10 überrascht. An der Parade nahmen 600.000 Menschen teil, und zum Zeitpunkt der Abschlusskundgebung waren es noch 75.000 bis 80.000, bis die Feuerwehr das Nachkonzert am Brandenburger Tor um 19:50 Uhr wegen der Gefahr von Unfällen oder umgestürzten Bäumen unterbrach. Trotz der gefährlichen Witterung wurde am Ende niemand verletzt.

Das folgende Video (ca. 4 Stunden) gibt eine Vorstellung von der Veranstaltung und der großen Hitze. Darin vermischen sich Interviews, Kommentare und Bilder der Parade mit guter Tonqualität…

„Mein Körper, meine Identität, mein Leben!“

Unter dem Akronym CSD bzw. Christopher Street Day (in Erinnerung an die New Yorker Straße, in der 1969 die Stonewall-Aufstände stattfanden), stand der „Berlin Pride“ dieses Jahr unter dem Motto „Mein Körper, meine Identität, mein Leben!“ und konzentrierte sich damit auf den Kampf für die Rechte von Trans-Personen.

Der CSD Berlin als jährliches Event wurde im Juni 1979, zehn Jahre nach den Stonewall-Aufständen, gegründet. Rund 400 oder 500 Personen nahmen an der ersten Ausgabe teil, tausendmal weniger als heute. Inzwischen ist die Veranstaltung zu einer echten nationalen und internationalen Institution geworden, und Persönlichkeiten aller politischen Richtungen nehmen offiziell, inoffiziell oder in aller Diskretion daran teil. In diesem Jahr eröffnete Klaus Lederer, der Berliner Kultursenator, die Parade offiziell.

Zum ersten Mal in seiner Geschichte fand der CSD Berlin unter der Ära der Homo-Ehe statt, die seit dem 1. Oktober 2017 in Kraft ist. Dies ist zwar ein bedeutender Fortschritt, aber trotzdem gibt es in Deutschland nach wie vor Homophobie, und die Gleichberechtigung ist noch lange nicht erreicht. Der Unterschied in der Behandlung von Homosexuellen und Heterosexuellen ist in Bezug auf Familienrechte und Geschlechtsidentität noch immer sehr deutlich, insbesondere bei Themen wie Personenstandsdokumenten oder Geschlechtsumwandlungen.

So stellte der CSD Berlin trotz allem noch 11 wichtige Forderungen. Die Aufgabe der Politik, Verwaltung, Justiz sowie auch der Medien bleibt es, diese zu erfüllen, damit es in Deutschland auf kurz oder lang wirklich gleiche Rechte für alle gibt.

Eine Parade wie keine andere

Rund 45 Gruppen zu Fuß und 70 Umzugswagen passierten durch die Straßen des alten West-Berlin. Die Parade bestand damit aus ca. 100.000 Menschen und 500.000 Zuschauern.

Dieses Live-Video von fast zwei Stunden Dauer und einer guten Bildqualität lässt uns in die Atmosphäre des Umzugs eintauchen:

Eine der prominentesten Persönlichkeiten war dieses Jahr die geflohene syrische Trans-Frau Katia al-Schehaby, die mit ihrem Zwillingsbruder Nour unterwegs war. Sie repräsentierten zwei Problemthemen, nämlich die der Flüchtlinge und die der Trans-Personen. Katia, die ihre Hormonbehandlung noch nicht abgeschlossen hat, räumt jedoch ein, dass Deutschland gegenüber Menschen wie ihr sehr viel wohlwollender ist als Syrien, weshalb sie sich erst im Jahr 2015 nach ihrer Ankunft in Deutschland geoutet hatte.

Aufgrund des starken Unwetters mussten DJ Felix Jaehn, die israelische Sängerin Netta (Gewinnerin des ESC 2018) sowie Rapper Sookee ihr Konzert leider abblassen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen CSDs (Gay Prides) wird der CSD in Berlin ausschließlich durch private Gelder finanziert. Allerdings stellt die öffentliche Hand die Sicherheitskräfte für diese Veranstaltung nach wie vor kostenlos, wofür in anderen Ländern (wie z.  in Frankreich) ein hoher Preis verlangt wird.

Für alle, die es eilig haben, aber trotzdem einen Eindruck vom CSD Berlin 2018 bekommen wollen, gibt es hier einen Überblick in unter acht Minuten:

Die Veranstaltung wurde live übertragen und auf csd-berlin.de und Facebook auch gestreamt. Eine Text- und Bildnachricht in Blog-Version findet man hier.

Wolfgang / MensGo

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