Vanity Fair setzt Bilal Hassani auf Platz 1 der einflussreichsten LGBTI-Personen der Welt 2019

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Vanity Fair setzt Bilal Hassani auf Platz 1 der einflussreichsten LGBTI-Personen der Welt 2019

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 27. März 2019) Wer sind die 20 einflussreichsten LGBTI-Persönlichkeiten der Welt im Jahr 2019? Auf der Webseite der französischen Ausgabe von Vanity Fair steht Bilal Hassani, ein 19-jähriger Sänger und diesjähriger Vertreter Frankreichs beim ESC, an der Spitze eines Rankings, das einige Überraschungen bereithält. Hier ein paar Gedanken zu diesem Ranking und den Personen darin.

Hintergründe des Rankings

Die durch das Ranking von Vanity Fair geehrten Personen werden nach „ihrer Kunst, ihrem Aktivismus oder politischen Kampf“ eingestuft, und weil sie „ihre Stimme häufig in den Dienst der Rechte von Minderheiten stellen“.

Dies schließt Menschen, die sich nicht outen, und geoutete Leute wie Tim Cook, die keinerlei Aktivismus an den Tag legen, sofort aus.

Die Nachrichten oder Handlungen sollten einigermaßen aktuell sein, andererseits wegen des Redaktionsschlusses aber auch nicht zu aktuell: Das vorbildliche Verhalten des luxemburgischen Premierministers Xavier Bettel, der seine Homosexualität gegenüber den Führern der Arabischen Liga erst vor kurzem ganz offen vertrat, konnte deshalb nicht mehr berücksichtigt werden.

Die Liste der Gewinner: Sehr abwechslungsreich

Loui Sand: Transsexuelles Coming-out im schwedischen Handball

Zurück zur Liste der Gewinner. Der 20. Platz für Loui Sand ist nicht so sehr der Bedeutung des schwedischen Frauenhandballs geschuldet als viel mehr den aktuellen Nachrichten vom 7. Januar 2019, als die schwedische Handballerin Louise Sand das Ende ihrer Karriere und das Gefühl einer männlichen Identität publik machte. Aus Louise Sand wird jetzt Loui Sand.

Durch ihren Platz auf der Liste der Gewinner von Vanity Fair tritt Loui Sand für alle Menschen ein, die in einem weiblichen Körper geboren wurden, ihre Identität aber als männlich betrachten.

Loui Sand

Loui(se) Sand auf Instagram.

Tatsächlich machen Trans-Personen ein Viertel der Liste aus, wobei Loui Sand die einzige dieser fünf Trans-Persönlichkeiten ist, die in einen weiblichen Körper geboren wurde.

Die anderen Leute auf der Rangliste sind schwul, lesbisch oder bisexuell. Auch die Unterhaltungsindustrie ist mit 12 Stars und Starlets sehr gut vertreten: Sänger (wie Bilal Hassani) und Sängerinnen, DJs, Schauspieler und Schauspielerinnen, Fernseh-Moderatoren und sogar eine Tänzerin.

Jean Wyllys kämpft weiter, aber anderswo

Auch Politiker sind mit fünf Plätzen ganz gut vertreten. Die meisten von ihnen waren vor einem Jahr noch fast unbekannt, wie zum Beispiel der brasilianische schwule Abgeordnete Jean Wyllys. Er landete auf dem dritten Platz der Rangliste, nachdem er das Parlament verlassen und aus Angst vor einem homophoben Angriff oder einer Verfolgung in seinem Land aus Brasilien geflohen ist. Der Verfechter von LGBT-Rechten im Parlament ist der Ansicht, dass die Wahl von Jair Bolsonaro zum Chef Brasiliens die LGBT-feindliche Stimmung noch angefeuert hat.

Pete Buttigieg – ein schwuler Mann im Weißen Haus?

Der 8. Platz in der Rangliste ist sowohl in Europa als auch in seinem eigenen Land, den Vereinigten Staaten, bisher praktisch unbekannt. Pete Buttigieg (37), seit 2012 Bürgermeister von South Bend, Indiana, kandidiert für die Nominierung der Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020. Der offen schwul lebende Buttigieg glaubt, dass seine Homosexualität sich nicht auf seine Wahlkampagne auswirken wird.

Pete Buttigieg

Pete Buttigieg mit seinem Programm. © Liveright

Wie jeder ehrgeizige amerikanische Politiker hat Pete Buttigieg gerade eine Autobiographie mit starkem wahlkampforientiertem Fokus veröffentlicht, und jetzt nimmt ihn die amerikanische Presse schon etwas ernster. In diesem Buch mit dem Titel Shortest Way Home: One Mayor's Challenge and a Model for America‘s Future (der Titel spielt auf ein Zitat von James Joyce an) offenbart der Autor seine Homosexualität erst auf Seite 40. Erst im Kapitel 16 stellt Buttigieg die wichtige und sehr persönliche Frage: „Wie vereinbare ich mein Berufsleben mit der Tatsache, dass ich schwul bin?“ („How to reconcile my professional life with the fact that I am gay?“).

Pete Buttigieg ist ehemaliger Berufssoldat. Die Ära des berüchtigten „Don't ask, don't tell“ kaum mehr gekannt haben. Er war Oberleutnant zur See in der US-Marine und unter anderem in Afghanistan eingesetzt (er spricht fließend Arabisch und Dari). Nach dem Ende des Verbots für homosexuelle Soldaten, ihre Homosexualität offen zu leben, hatte Buttigieg insofern nichts zu befürchten, zumal er jetzt nur noch Reserveoffizier ist.

Mit 33 Jahren war er bereits Harvard-Absolvent und konnte „ein Sandwich in sieben Fremdsprachen bestellen“ (neben Englisch, Arabisch und Dari spricht er fließend Maltesisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Norwegisch) und begann seine zweite Amtszeit als Bürgermeister. (Man kann hier viele Gemeinsamkeiten mit Jared Polis finden. Der neue Gouverneur von Colorado ist ebenfalls schwul und hat in Princeton studiert). Mit 33 Jahren war er noch ungeoutet und wollte jetzt seine Homosexualität offiziell machen sowie den Mann seines Lebens finden.

Erst im Januar 2015, im Alter von 33 Jahren, offenbarte Pete Buttigieg seinen Eltern seine Homosexualität – wobei diese es längst vermutet hatten. Einige Zeit später outete er sich in der Gemeindezeitschrift auch gegenüber seinen Wählern. Nicht ganz ohne, denn zu dieser Zeit war der sehr homophobe Mike Pence (heute US-Vizepräsident) Gouverneur von Indiana.

Nach seinem Coming-out lernte Pete Buttigieg im Internet Chasten Glezman kennen, und die beiden heirateten am 16. Juni 2018.

Als ein Schwarzer namens Barack Obama 1995 seine Autobiographie veröffentlichte, ahnte niemand, dass er dreizehn Jahre später zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt würde. Als Pete Buttigieg 2019 seine Autobiographie veröffentlichte, war er nicht der Einzige, der glaubte, er könne der erste offen schwule amerikanische Präsident werden.

Bilal Hassani: Erster Sieg vor dem Eurovision Song Contest

Bilal Hassani wird beim Eurovision Song Contest 2019 vom 14. bis 18. Mai Frankreich vertreten. Hat der 19-jährige junge Schwule eine Chance zu gewinnen? Nach seiner Stimme und dem von ihm gewählten Lied zu urteilen, eher nicht. Nach seiner Medienpräsenz, seiner Selbstinszenierung, seiner Popularität, seinem Aktivismus, dem Songtext und der Art und Weise, wie er die französische Vorauswahl gewann, vielleicht ja doch – und es wäre dann ein großartiger und wohlverdienter Sieg.

Bilal Hassani auf Deezer

Auf Deezer und überall sonst bereitet sich Bilal Hassani auf seinen Triumph vor. © deezer.com

Bilal Hassani trägt gerne Perücken und ist ein großer Fan von Conchita Wurst, die den ESC 2014 gewonnen hatte. Im Folgejahr sang Bilal bei The Voice Kids eins ihrer Lieder und ist wird jetzt am ESC 2019 teilnehmen.

Bilals Stimme ist anders als die von Conchita. Sein Lied heißt „Roi“ und hat eine recht gewöhnliche Melodie. Und doch weist der offizielle Clip auf echtes Bühnenpotenzial hin…

Eine inoffizielle Version des Clips auf YouTube, zeigt eine sehr interessante und persönliche Seite des jungen Singer-Songwriters:

In dem Song und Clip zeigt Bilal seine persönliche Seite nicht aus Eitelkeit sondern aufgrund seines persönlichen Engagements: Er ist so, wie er ist (schwul), war es immer und wird es immer sein. Er hat viel unter homophoben Anfeindungen gelitten und wird noch lange leiden, verwandelt dies alles aber in eine positive Botschaft, die er vermitteln will.

Bilal Hassani in Technikart

Bilal Hassani – ein neuer Superstar? © Technikart

Neben der Mobilisierung seiner Fans nutzt Bilal auch die Sympathie anderer Influencer (vor allem auf Instagram und YouTube) und herkömmliche Medien bis hin zu den großen Zeitungen wie Le Monde und Le Figaro.

Unabhängig vom Ausgang der Eurovision hat Bilal für Ende 2019 auch eine große Tour durch Frankreich geplant, einschließlich eines Auftritts im legendären Pariser Veranstaltungsort Olympia am 21. Oktober, und es läuft jetzt schon eine Vor-Tournee.

Er hat gleich noch zwei weitere Lieder veröffentlicht – wie ein echter Profi: Die Medien nutzen, den Druck erhöhen und die öffentliche Sympathie verstärken.

Eines ist klar: Es sind Menschen wie Bilal Hassani, die die Massen bewegen und Meinungen beeinflussen können.

Schon früher gab es natürlich Künstler, die sich auf ähnliche Weise für soziale Aspekte einsetzten. Nehmen wir zum Beispiel Lara Fabian, die mit 49 Jahren drei Jahrzehnte älter ist als Bilal Hassani. Vor über zwanzig Jahren veröffentlichte sie einen Song mit dem Titel „La différence“ („Der Unterschied“). Damals wie heute ein wichtiger Hit für die LGBT-Community – eine außergewöhnlichen Stimme und ein sehr schönes Schwarz-Weiß-Video.

Seit der Veröffentlichung dieses Songs im Jahr 1996 singt Lara Fabian diese LGBT- und Antirassismus-Hymne in all ihren Konzerten, natürlich auch schon mehrfach in Russland. Auf ihrer letzten Tournee in Russland brachte ihr dieses Lied eine riesige Geldstrafe ein, obwohl es auf Französisch und nicht auf Russisch aufgeführt wurde, allerdings illustriert mit Fotos von LGBT-Paaren. Deshalb erhält Lara Fabian in Russland trotz ihrer großen Popularität mehr oder weniger explizite Drohungen.

Hier ist der Song nochmal mit dem gesamten Text (auf Französisch). So versteht man Lara Fabians Probleme vielleicht leichter.

Übrigens hat Lara Fabian 1988 ebenfalls (für Luxemburg) an einem Finale des Eurovision Song Contest teilgenommen.

Das Finale des Eurovision Song Contest findet am 18. Mai 2019 statt, also am Tag nach dem Internationalen Tag gegen Homophobie (17. Mai). Ein Sieg für Bilal Hassani hätte natürlich eine ganz besondere symbolische Bedeutung.

Wolfgang / MensGo

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