USA ordnen Verkauf der Gay-App Grindr an

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USA ordnen Verkauf der Gay-App Grindr an

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 6. April 2019) Die US Foreign Investment Commission (CFIUS) verlangt vom chinesischen Eigentümer von Grindr, dass er die schwule Dating-App verkauft, weil Peking eine Erpressungsaktion gegen Grindr-Nutzer einleiten könnte. Ein weiterer Grund ist, dass die Sicherheit von Grindr möglicherweise unzureichend ist, insbesondere wenn die Anwendung von Angehörigen der US-Regierung genutzt wird.

Washingtons einstweilige Verfügung

Washington behauptet, dass die chinesischen Grindr-Nutzer der Pekinger Regierung ausgeliefert seien, weil diese den App-Betreiber anweisen könnte, persönliche, vertrauliche oder sogar intime Informationen über sie offenzulegen: Die Nutzerkennung, die sexuelle Orientierung und Präferenz, den HIV-Status, kompromittierende Fotos, usw. All dies könnte die chinesische Zentralregierung nutzen, um User damit zu erpressen, ihre Homosexualität preiszugeben.

Gays auf Grindr

Auf Grindr findest du den passenden Kerl… (Screenshot)

Der zweite von den USA vorgebrachte Grund ist, dass Grindr, insbesondere durch sein Geolokalisierungssystem, verwendet werden könnte, um Angehörige der Regierung zu identifizieren oder zu lokalisieren. Mit anderen Worten: Grindr stellt ein Risiko für die nationale amerikanische Sicherheit dar.

Trump-Regierung jetzt schwulenfreundlich?

Warum verdonnert die US-Regierung ein chinesisches Unternehmen zum Verkauf seiner Dating-App? Weil Grindr nicht immer in chinesischem Besitz war: Grindr wurde 2009 in Kalifornien gegründet und erst 2018 vom chinesischen Online-Gaming-Spezialisten Beijing Kunlun Tech übernommen, nachdem dieser zuvor schon 60 % der Anteile erworben hatte. Der chinesische Investor hat wohl fast 250 Millionen Dollar für die schwule Dating-App bezahlt, die weltweit einen riesigen Erfolg aufweisen kann – außer in China selbst.

In der Tat gibt es in den USA die meisten Nutzer, obwohl ihre genaue Anzahl nicht bekannt ist. Deshalb ist natürlich für die amerikanische Regierung nicht der Schutz chinesischer Schwuler wichtig, sondern der Schutz amerikanischer Schwuler, insbesondere die Vertraulichkeit von Informationen über Amerikaner, die von Regierungsbehörden und  agenturen beschäftigt werden.

Kunlun sucht wohl derzeit einen Käufer für Grindr, um amerikanische Sanktionen zu vermeiden, denn diese sind gleichbedeutend mit hohem Wertverlust. Der in den letzten Monaten geplante Börsengang erscheint zumindest vorerst nicht mehr aktuell.

Angst vor Datenlecks

Dies ist nicht das erste Mal, dass Grindr wegen des angeblich schlechten Schutzes der Daten seiner Mitglieder kritisiert wird. Laut Wikipedia hatte Grindr im April 2018 Drittunternehmen den Zugang zu personenbezogenen Daten ermöglicht, die auch den HIV-Status beinhalten könnten.

Sind die auf Grindr erfassten personenbezogenen Daten heute noch immer unzureichend geschützt? In seinem Datenschutzhinweis gibt Grindr eine lustige Antwort:

While the Grindr App permits you to make certain items (e.g., Profile Information, preferences, opinions of other users, or other information) non-public, sophisticated users who use the Grindr App in an unauthorized manner may nevertheless be able to obtain this information and may be able to determine your identity.
(Obwohl es Ihnen in der Grindr-App möglich ist, gewisse Elemente (z. B. Profilinformationen, Präferenzen, Meinungen anderer Benutzer oder andere Informationen) vor der Öffentlichkeit zu verbergen, können sich technisch versierte Benutzer, die die Grindr-App auf unbefugte Weise verwenden, diese Informationen dennoch beschaffen und somit Ihre Identität ermitteln.)

Mit anderen Worten: Ihre persönlichen Daten sind hier sicher – theoretisch.

Ein solches Missgeschick ereignete sich kürzlich mit einer anderen von China finanzierten LGBT-Dating-App. Von Juni 2018 bis 2019 speicherte Rela, eine App für Lesben und queere Frauen, die persönlichen Daten und Profile von 5,3 Millionen weiblichen Nutzern in einem nicht passwortgeschützten Server. Fest jeder konnte auf den Server zugreifen und dann den Spitznamen, das Geburtsdatum, die Maße, die sexuellen Vorlieben, die Interessen und die Statusaktualisierungen jedes Mitglieds einsehen.

Grindr-Tarife

Grindr, eine (teure) App ohne Garantien der chinesischen Regierung. (Screenshot)

Homosexualität ist in China zwar seit 1997 legal, aber Schwule und Lesben werden in China immer noch stark stigmatisiert, weil es kein LGBT-Antidiskriminierungsgesetz gibt.

Die Vereinigten Staaten stellen für ähnliche Apps wie Rela oder Blued keine Forderungen auf, weil diese im Gegensatz zu Grindr fast ausschließlich in China genutzt werden.

Wolfgang / MensGo

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