Tasmanien erlaubt Geschlechtsumwandlung auf Geburtsurkunden

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Tasmanien erlaubt Geschlechtsumwandlung auf Geburtsurkunden

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 29. April 2019) Die beiden Häuser des tasmanischen Parlaments haben am 10. April 2019 in dritter Lesung eine Reihe von Änderungen eines Gesetzes von 2018 endgültig verabschiedet, mit dem Ziel das Leben von transgender, intersexuellen und nicht-binären Menschen zu erleichtern. Diese Menschen sollen in der Zukunft ihre eigene Geschlechtsidentität bestimmen können und auf ihrer Geburtsurkunde eintragen zu lassen, und zwar ohne Operation, psychiatrische Behandlung oder ärztliches Attest. In nur wenigen Jahren hat sich Tasmanien von der rückständigsten LGBT-Politik in Australien zu der progressivsten Region auf dem ganzen Kontinent entwickelt – obwohl immer noch viel zu tun bleibt.

Ein neues und innovatives Gesetz

Die wichtigste Neuerung dieses Gesetzes betrifft die Verwaltungsverfahren für den Wechsel des Geschlechts. Personen ab 16 Jahren können durch einfache Erklärung und nun auch ohne Zustimmung der Eltern erreichen, dass ihre Geschlechtsidentität in der Geburtsurkunde geändert wird.

Tasmanian Families for Trans Kids

LGBT-Interessengruppen sind zufrieden, so z. B. die Tasmanian Families for Trans Kids (Screenshot).

Bei Jugendlichen unter 16 Jahren, insbesondere bei Intersex-Kindern, brauchen die Eltern das Geschlecht des Kindes nicht in der Geburtsurkunde entragen zu lassen. Dies gibt ihnen zusätzliche Zeit, bevor sie eine Entscheidung über das Geschlecht des Kindes treffen.

Gegner des Gesetzes führen ins Feld, dass das neue Gesetz die Angabe des Geschlechts einer Person auf der Geburtsurkunde nicht fordere. Diese Entscheidung ist aber lediglich eine Möglichkeit, so dass sich für die meisten Menschen nichts ändert. Es gibt also keine Verpflichtung, geschlechtsneutrale Geburtsurkunden ausstellen zu lassen.

Tasmanien: Ein homophober Staat wird sozial progressiv.

1997 war Tasmanien der letzte australische Staat, der homosexuelle Beziehungen entkriminalisiert hat. Bis 2000 war sogar Transvestismus ein Straftatbestand: Ein Mann konnte sich nicht als Frau oder eine Frau als Mann verkleiden.

Der Gesetzgeber verwandelte Tasmanien dann in einen schwulenfreundlichen Vorreiter: Zuerst wurde eine gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaft erlaubt und dann sogar die Homo-Ehe. Und beim postalischen Referendum über die Homo-Ehe hatte Tasmanien mit 63,6 % die vierthöchste Meinungsdichte zugunsten der Homo-Ehe also zwei Punkte mehr als der nationale Durchschnitt.

Transforming Tasmania

Freude über das neue Tasmanien (Screenshot).

Tasmanien war auch der erste australische Staat, der eine verpflichtende Scheidung von Trans-Personen vor einer eventuellen Geschlechtsumwandlung abgeschafft hat. Durch das neue Gesetz reicht es nun aus, sein Geschlecht auf der Geburtsurkunde ändern zu lassen.

Dieser radikale Meinungswandel ist umso bemerkenswerter, als sich die tasmanische Regierung immer gegen die vom Gesetzgeber verabschiedeten neuen Bestimmungen für die LGBT+-Gemeinschaft ausgesprochen hatte. Der am 10. April 2019 angenommene Gesetzestext ist das Ergebnis eines Entwurfs, der von der Labour-Opposition und den Grünen gemeinsam vorgelegt, aber von der tasmanischen Regierung abgelehnt wurde.

Australien hatte bereits zuvor den Eintrag des Geschlechts auf Führerscheinen gestrichen. Seit der Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in Australien am 7. Dezember 2017 gibt es keine triftigen Gründe für die Eintragung des Geschlechts in amtlichen Dokumenten mehr, weil der Hauptgrund dafür gerade darin bestand, eine Ehe zwischen Personen gleichen Geschlechts zu verhindern.

Hoffnung und Wachsamkeit

In Tasmanien bleibt jedoch noch viel zu tun, bevor Trans-Personen genauso wie andere Menschen anerkannt werden.

Das neue Gesetz müsste eigentlich 90 Tage nach der Abstimmung oder Verkündung in Kraft treten. Allerdings scheint die tasmanische Regierung nun zu beabsichtigen, das neue Gesetz im Oktober 2019 während einer legislativen Vorbereitungsphase und unter Vorwänden nochmals überprüfen zu wollen. Es könnte dann möglicherweise geändert oder aufgehoben werden, obwohl eine offizielle Prüfung bereits ergeben hat, dass die am 10. April verabschiedeten Bestimmungen sicher sind.

Das bedeutet, dass das tasmanische Parlament zwar gerade einen großen Schritt nach vorne gemacht hat (den Interessengruppen wie Tasmanian Families for Trans Kids und Transforming Tasmania begrüßen) – dennoch sollte die LGBTQI-Bevölkerung weiterhin wachsam bleiben, um eventuelle Rückschritte zu verhindern.

Wolfgang / MensGo

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