Endlich: Homo-Ehe in Taiwan legalisiert

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Endlich: Homo-Ehe in Taiwan legalisiert

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 29. Mai 2019) In Taiwan trat die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe am 24. Mai 2019 in Kraft. Damit ist die Insel das erste asiatische Land, in dem gleichgeschlechtliche Eheschließungen vollzogen werden können. Das taiwanesische Parlament (Legislativ-Yuan) hatte am 17. Mai in dritter Lesung knapp ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, das Präsidentin Tsai Ing-wen am 22. Mai ratifizierte. Damit wird ein Verfassungsgerichtsurteil vom Mai 2017 umgesetzt, das der Regierung bis zum 24. Mai 2019 Zeit gab, die Homo-Ehe im Gesetz zu verankern. Obwohl das Referendum über die Homo-Ehe vom 24. November 2018 gescheitert war, hatten sich fast 4.000 schwule und lesbische Paare bei ihren Gemeinden als Partner eintragen lassen.

Seit dem 24. Mai haben schon ca. 526 gleichgeschlechtliche Paare beim Standesamt geheiratet, wo sie eine Heiratsurkunde und Ausweise mit Angabe ihrer Ehe und des Namens ihres Ehepartners erhielten. Der Premierminister hatte zuvor sehr ausdrückliche Anweisungen erteilt, in denen er die Beamten aufforderte, herzlich, höflich und vorbildlich zu sein und jede diskriminierende Handlung oder Haltung gegenüber schwulen und lesbischen Paaren, die eine Ehe eingehen wollen, zu vermeiden.

Hier ein Reportage im Originalton und englischen Untertiteln zur Feier dieses wichtigen Tages in Taiwan…

Im Rathaus von Taipeh, wo fast die Hälfte der schwulen und lesbischen Ehen am ersten Tag geschlossen wurden, gab es eine große Feier zu Ehren der ersten Männer und Frauen, die einen gleichgeschlechtlichen Partner heiraten durften. Neben den Brautpaaren und ihren Familien waren auch viele ausländische Persönlichkeiten bei der Feier anwesend. Es gab Vertreter aus Spanien, dem Vereinigten Königreich, Kanada und der Europäischen Union, während Vertreter aus den Vereinigten Staaten und Australien den großen gesellschaftlichen Fortschritt Taiwans über soziale Netzwerke begleiteten.

Chi Chia-wei, der Mann, der vor dem Verfassungsgericht für die Homo-Ehe geklagt hatte, forderte andere asiatische Länder auf, ebenso wie Taiwan die gleichgeschlechtliche Ehe jetzt zu legalisieren. 1986 hatte er sich als erster Taiwanese geoutet und wurde im selben Jahr unter dürftigen Vorwänden inhaftiert.

Die Homo-Ehe in Taiwan: Noch keine vollwertige Ehe…

Dieses neue taiwanesische Gesetz macht die gleichgeschlechtliche Ehe fast gleichwertig mit der heterosexuellen Ehe. Leider nur „fast gleichwertig“:

Hier die wichtigsten Rechte gleichgeschlechtlicher Ehepaare in Taiwan:

  • Gleichstellung mit heterosexuellen Ehepaaren in Bezug auf Elternschaft, Versicherungen, Wohn- und Erbrecht usw.
  • Anerkennung des Ehepartners beim Besuchs- und Beratungsrecht, für Vollmachten, dringende medizinische Entscheidung, Bestattung, usw.

Allerdings gibt es auch wichtige Einschränkungen bei der Homo-Ehe in Taiwan:

  • Adoptionen sind auf die biologischen Kinder des Ehepartners beschränkt.
  • Eine Heirat mit einem Ausländer ist nur möglich, wenn die Homo-Ehe in dessen Land ebenfalls legal ist. Im Unterschied zu heterosexuellen binationalen Paaren müssen homosexuelle binationale Paare vor der Heirat eine behördliche Erlaubnis einholen.

Sieg oder Niederlage für die Präsidentin?

Präsidentin Tsai Ing-wen hatte 2016 die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe zu einem ihrer Wahlversprechen gemacht. Unmittelbar nachdem der Legislativ-Yuan das Gesetz zur Homo-Ehe verabschiedet hatte, schrieb sie Folgendes auf Twitter:

Tweet von Tsai Ing-wen

Wieso schreibt sie „wir“ und nicht „ich“? Weil sie und ihre Regierung schon seit dem Amtsantritt nicht versucht haben, ihr schwulenfreundliches Wahlkampfversprechen von 2015 einzulösen. Das Inkrafttreten der Homo-Ehe dürfte ihr nun doppelt schaden. Erstens, weil Gegner der Homo-Ehe, insbesondere stark religiöse und ältere Menschen, dies als Vorwand benutzen könnten, um im Jahr 2020 nicht erneut für sie zu stimmen. Zweitens, weil Schwule und Lesben ihr Nichtstun bezüglich der Forderungen der LGBT-Gemeinde während ihrer Amtszeit nicht vergessen werden.

Fazit

Ist die Einführung der Homo-Ehe in Taiwan nun ein Fortschritt oder nicht?

In zwei wichtigen Bereichen wie der Adoption von Kindern ohne biologische Bindungen und der Ehe mit Ausländern ist die völlige Gleichstellung noch nicht erreicht.

Trotzdem gibt es in Taiwan jetzt die Homo-Ehe. Ausländische Medien geben oft die kleinen Einzelheiten und Ausnahmen einer solchen Änderung nicht vollständige wider, und die breite Öffentlichkeit im Ausland bemerkt sie nicht einmal. Wichtig ist also, dass Schwule und Lesben jetzt in Taiwan heiraten können, und dabei spielt es keine Rolle, man international die kleinen Ausnahmen sieht oder nicht.

In jedem Fall wird Taiwans Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe eine große Beachtung finden. Erstens, weil Taiwan damit als erstes asiatisches Land diesen Schritt gemacht hat. Vor allem aber auch, weil dieses historische Ereignis zweifellos Wellen schlagen wird. In Thailand und den Philippinen wurde bereits zuvor über eine eingetragene Partnerschaft oder Homo-Ehe nachgedacht. Wenn jetzt also Taiwan diesen Schritt getan hat, wird dies anderen Ländern wie Thailand oder den Philippinen Auftrieb geben.

Auch in anderen Teilen Asiens, wo bereits isolierte Initiativen zugunsten der Homo-Ehe entstanden sind, könnte es nun weiter vorangehen: In Hongkong, Japan und vielleicht auch Südkorea.

Die Legalisierung der Homo-Ehe in Taiwan könnte vielleicht auch muslimische Länder in der Region (Malaysia, Indonesien, Brunei) ermutigen, Homosexuellen mehr Rechte zu gewähren. Das Pseudoargument der „verdorbenen westlichen Moral“ gilt jetzt mit Taiwan nicht mehr.

Zum Abschluss hier noch ein paar schöne Bilder. Die beiden jungen Frauen Amber Wang und Kristin Huang haben die Gelegenheit zur Heirat gleich am ersten Tag genutzt. Dank der Untertitelung auf Englisch (und Chinesisch) versteht man den Inhalt sehr gut.

 

Aktualisierung vom 25. Juni 2019:

In Taiwan gab es innerhalb eines Monats bereits mehr als tausend Eheschließungen und zwei schwule Scheidungen, aber noch keine LGBT-Adoption.

Zwischen dem 24. Mai und dem 23. Juni 2019 haben in Taiwan schon 1.173 gleichgeschlechtliche Paare geheiratet, was 10,84 % der Gesamtzahl der Hochzeiten entspricht. Laut dem Innenministerium gab es 28 Ehen zwischen Paaren, bei denen einer der beiden Ehepartner kein Taiwanese ist. Und tatsächlich haben zwei verheiratete homosexuelle Paare beschlossen, sich scheiden zu lassen.

Mit 790 Ehen in einem Monat sind lesbische Paare doppelt so häufig vertreten wie schwule Paare (383 Ehen). Dies kann die Folge einer stärkeren Stigmatisierung männlicher Paare in Taiwan sein, insbesondere in ländlichen Gebieten.

Von den 22 Städten und Landkreisen des Landes machen die fünf größten städtischen Gebiete 73,6 % der Homo-Ehen aus, mit jeweils mehr als 100 gleichgeschlechtlichen Ehen. In absteigender Reihenfolge: New Taipei (242 Homo-Ehen), Taipeh (198), Kaohsiung (159), Taichung (141) und Taoyuan (123). Am unteren Ende gab es in 5 der 22 Gemeinden jeweils weniger als 10 Homo-Ehen, und Matsu Island County noch nicht einmal eine einzige.

Andererseits hat noch keines dieser verheirateten homosexuellen Paare die Adoption der Kinder des anderen Partners beantragt, obwohl es in Taiwan seit dem 24. Mai diese Möglichkeit gibt.

Wenn es zu den Kindern kein natürliches Verwandtschaftsverhältnis gibt, diese also bereits zuvor vom Ehepartner adoptiert wurden, entfällt das Recht auf Adoption, weil ein gleichgeschlechtlicher Partner nur natürliche Kinder des anderen Partners adoptieren können.

Zwei verheiratete homosexuelle Paare haben bereits die Scheidung beantragt. Es wurde nicht verlautbart, ob es sich um schwule oder lesbische Paare handelt.

Die erste Scheidung eines gleichgeschlechtlichen Paares in Taiwan gab es im Bezirk Pingtung, wo gleich nach der Einführung der Homo-Ehe am 24. Mai 2019 immerhin 12 der 19 gleichgeschlechtlichen Eheschließungen durchgeführt wurden. Das Paar in Pingtung will sich scheiden lassen, weil die Eltern der Partner ihren Kindern die Zustimmung verweigerten. Die Homo-Ehe steht in Taiwan im Prinzip zwar allen Paaren offen, bei denen beide Partner mindestens 18 Jahre alt sind. Allerdings wird in sehr traditionell orientierten Kreisen die elterliche Zustimmung als wesentlich angesehen.

Wolfgang / MensGo

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