World Pride in New York: 50 Jahre Gay Pride mit zwei verschiedenen Paraden

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World Pride in New York: 50 Jahre Gay Pride mit zwei verschiedenen Paraden

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 3. Juli 2019) Der New York Gay Pride (CSD) und zugleich World Pride vom 30. Juni 2019 war der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Aufstände im Stonewall Inn am 28. Juni 1969. Fast 3 Millionen Zuschauer flankierten die Parade aus rund 150.000 Menschen, von den abgelegensten Stadtteilen bis in die Innenstadt von Manhattan über die 5th Avenue (offizielle Schätzung vor der Parade). Zehntausende andere Menschen nahmen am selben Tag an einer Art „Gegenparade“ teil, die der ursprünglichen Protestbewegung näher sein sollte und tausend Meilen von jeglichem Merkantilismus und Gigantismus entfernt stattfand.

Die Hauptparade, die offizielle Gay Pride Parade, wurde als Heritage of Pride Parade bezeichnet. Ein „LGBT-Vermächtnis“ und eine Parade mit 167 Wägen, die von 70 Partnerfirmen gesponsert wurde, mit einem offiziellen Ablaufplan und einer klar vorgegebenen Route, mit einer von der Polizei überwachten Parade, akribisch kalibrierten VIP-Auftritten und einem detaillierten Zeitplan, einschließlich eines Abschlusskonzertes mit Madonna. Allerdings war Lady Gagas unerwartetes Erscheinen am Rande der Parade eine Überraschung.

Hier der offizielle Trailer des Gay Pride und World Pride 2019 in New York:

Keine Markennamen oder Sponsoring, keine kommerziellen Referenzen im obigen Video. Leider sieht man im offiziellen Clip fast nur junge Menschen, und der gesellschaftspolitische Charakter verschwindet fast völlig hinter der großen Party. Mit anderen Worten, der offizielle Clip zeigt nicht die Helden von Stonewall 1969, sondern junge Leute, die an den aktuellen New Yorker Modeschauen teilnehmen könnten. Daher die Idee – und die Relevanz – einer weiteren Parade, die näher an den historischen Werten und Wurzeln der sozialpolitischen LGBT-Forderungen steht.

Die andere Parade (Queer Liberation March) wurde von einer Initiative namens Reclaim Pride als Gegenorganisation geplant: keine offiziellen Sponsoren, keine Umzugswägen, keine Polizisten (der Polizeidienst wurde von Freiwilligen bereitgestellt). Diese Parade der Dissidenten war den ursprünglichen Gay Prides deutlich näher, weil sie von der Stonewall Inn Bar (oder zumindest dem, was davon übrig ist) in Greenwich Village begann und dann zum Central Park aufstieg.

Diese Parade war in ihrem Geist und in ihrer weniger protzigen Art eher vergleichbar mit der Lesben-Parade (am Vorabend der großen Pride-Parade) und mit der Parade der Trans-People, die sich mittlerweile als weitere Attribute des New Yorker Gay Pride etabliert haben.

Die „historische Parade“ wollte wieder stärker zu den Fundamenten der LGBT-Forderungen zurückkehren und dabei Irrwege anprangern. Zu diesen Irrwegen gehört auch das Pinkwashing vieler Unternehmen, die LGBT-Initiativen mit viel PR-Wirkung sponsern, zugleich aber als homophob bekannte Finanzverbände und politische Persönlichkeiten unterstützen. Der andere große Irrweg betrifft die sehr reaktionäre Bedrohung der LGBT-Rechte durch Donald Trump und seine Regierung, insbesondere durch die Ernennung evangelikaler Richter. Der soziale Fortschritt, den man nach jahrzehntelangem Kampf erreicht hat, (insbesondere gleichgeschlechtliche Ehen) könnte durch den Bundesgerichtshof wieder beseitigt werden.

Im Jahr 2019 konzentrierten sich die offizielle und die alternative Parade insbesondere auf die sehr schwierige Lage von Transgender-Personen. Der Fall der „Transgender-Toiletten“ und die Maßnahmen von Präsident Trump gegen die Rekrutierung von Trans-Personen durch die Armee sind nur die sichtbarsten Entwicklungen in einem zunehmend intoleranten und diskriminierenden institutionellen Umfeld.

Die beiden Paraden fanden nacheinander statt, so dass die Teilnehmer der alternativen Parade sich dann der offiziellen Parade mit ihrem Kommerz anschließen konnten.

Die Feierlichkeiten des vergangenen Wochenendes bezogen sich allerdings weder auf die ersten amerikanischen LGBT-Aufstände (in Los Angeles, zehn Jahre vor New York) noch auf den 50. Jahrestag des Gay Pride (der erste fand 1970 statt). Hierzu mehr in einem der kommenden Artikel diesen Monat.

Wolfgang / MensGo

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