Bücher zum Pride-Monat

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Bücher zum Pride-Monat

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 14. Juli 2019) Der Juni 2019 war in zweierlei Hinsicht etwas ganz Besonderes. Zum einen gehört der Pride-Monat heute sogar bei der Library of Congress klar zum Fest- und Protestkalender, zum anderen wurde dieses Jahr der fünfzigste Jahrestag der Stonewall-Krawalle gefeiert, in New York und überall sonst. Zu diesem Anlass sind in der letzen Zeit eine ganze Menge Bücher und Artikel erschienen. Hier einige weitere mehr oder weniger aktuelle Veröffentlichungen.

Die Overdrive Library feiert den Pride-Monat

Viele Bibliotheken im Overdrive-Netzwerk auf der ganzen Welt feierten den Pride-Monat (Screenshot).

Gore Vidal, das Revival

Wer erinnert sich an Myra Breckinridge? Dieser Roman hat Gore Vidal berühmt gemacht.

Im Mai 2019 hat Vintage International eine Neuauflage von Myra Breckinridge veröffentlicht, und zwar mit einer Einführung von der Feminismus- und Transgender-Ikone Camille Paglia. Der Herausgeber präsentiert diese Neuauflage zum 50. Jahrestag, obwohl das Buch erstmals im Februar 1968, also vor 51 Jahren, veröffentlicht wurde.

Myra Breckinridge

Gore Vidals mythisches Buch – Neuauflage zum 50. Geburtstag (Screenshot).

Hoffentlich ist dieses mythische Buch besser als Gore Vidals viele historische Fiktionen, die weniger interessant sind als die meisten seiner literarischen, gesellschaftlichen und politischen Essays.

Julien Greens Tagebuch in einer unveröffentlichten Version

Wer erinnert sich an die endlosen Jahre des Tagebuchs von Julien Green? Häufig waren die Texte recht alltäglich, und die interessanten Bemerkungen waren unter zu vielen banalen oder langweiligen Überlegungen verborgen.

Die Bouquins-Kollektion, die in diesem Jahr ihr vierzigjähriges Bestehen feiert, berichtet, dass am 19. September 2019 der erste Band von Julien Greens Journal intégral veröffentlicht wird. Und zwar vollständig, d. h. unzensiert und mit allen seinen Notizen über die Sexualität, Homosexualität und das Liebesleben des Autors – die in keiner der bisher veröffentlichten Ausgaben seines Tagebuchs zu lesen waren.

Pride Monat auf Overdrive

Im Juni und für den Rest des Jahres gab es eine Menge zu lesen (Screenshot).

Das Webzine ActuaLitté hat dies berichtet, und zwar mit einem Titelbild, das erklärt, dass dieser erste Band den Zeitraum 1926-1940 umfassen wird. Es soll „etwa 60 % mehr Text“ geben. Wir können annehmen, das die Ausgaben deutlich über tausend Seiten umfassen werden. Zum Vergleich: Der gleiche Zeitraum 1926-1940 hört in der luxuriösen, aber keuschen Ausgabe von La Pléiade auf Seite 549 auf.

Julien Greens Liebes- und Sexualleben, das im Manuskript des Tagebuchs sehr detailliert und explizit beschrieben war, wurde in der veröffentlichten Version systematisch weggelassen – selbstzensuriert, anonymisiert und schließlich sehr distanziert.
(Victor de Sepausy, in ActuaLitté, 21. Mai 2019)

Green hat oft schwule oder bisexuelle Autoren wie Gide, Mauriac, Cocteau, Montherlant, Jouhandeau und viele andere porträtiert, aber sein Manuskript wurde vermutlich um die Hälfte verkürzt, schlägt Victor de Sepausy in ActuaLitté vor.

Im September werden wir es ja dann wissen.

Martin Sherman, Tom Wright oder Samuel Adamson?

Die ausgezeichnete Sammlung von Methuens Dramen, die jetzt von der Bloomsbury-Gruppe herausgegeben wird, hat gerade zwei Stücke mit offenen LGBT-Themen veröffentlicht. Gute Nachrichten in mehrfacher Hinsicht.

Gently Down the Stream, von Martin Sherman (Methuen Drama) © Bloomsbury

Das Stück Gently Down the Stream des amerikanischen Dramatikers Martin Sherman wurde 2017 veröffentlicht und in New York uraufgeführt. Also ist es nicht wirklich neu. Aber die erste Londoner Ausgabe stammt erst vom 13. Februar 2019 und die zweite Ausgabe des Buches vom 22. Februar in Papierform und vom 3. Mai in digitaler Form, so der Verlag.

Das Cover ist explizit: Es ist eine schwule Liebesgeschichte. Neben der Geschichte über eine Dreierbeziehung gibt es eine Reflexion über die Entwicklung der schwulen Begegnungen im Internet und eine Betrachtung der wichtigsten Figuren in der Geschichte der LGBT-Rechte.

Undetectable

Undetectable, von Tom Wright (Methuen Drama) © Bloomsbury

Das Stück Undetectable des englischen Dramatikers Tom Wright ist da viel aktueller: Die gedruckte Version wurde am 12. März 2019 veröffentlicht, die Uraufführung fand am 15. März 2019 im Londoner King‘s Head Theatre statt, und die digitale Version erschien am 28. Mai, wieder bei Bloomsbury.

Auch dies ist eine schwule Liebesgeschichte, aber viel moderner, offener und auf Sex fokussiert. Im Gegensatz zu früheren Titelseiten ist die von Undetectable so explizit, wie es öffentliche Orte wie Buchhandlungen oder Bibliotheken erlauben: Zwei Kerle mit nackter Brust umarmen und küssen sich gegenseitig.

Einige digitale Bibliotheken nutzten den Pride-Monat, um diese beiden Bücher zu erwerben und sie für jeden zugänglich zu machen.

Wife (Titel)

Wife, von Samuel Adamson © Faber & Faber

Der australische Dramatiker Samuel Adamson hat sein jüngstes Stück bei Faber & Faber, einem der führenden britischen Theaterverlage, veröffentlicht Die Premiere von Wife fand Ende Mai 2019 statt und die Vorstellungen endeten am 7. Juli. Ungeduldige Menschen werden bis auf weiteres also die Buchvorlage lesen müssen.

Laut seinem Twitter-Account ist Samuel Anderson sehr von seinem Kollegen Alan Hollinghurst, einem der meistgelesenen LGBT-Autoren der Welt, beeinflusst worden, und Wife enthält viele Referenzen an den englischen Schriftsteller. Dieser hatte 1989 für The Swimming-Pool Library einen Stonewall Book Award und 2005 für The Line of Beauty eine Nominierung erhalten.

Das Stück Wife erzählt von vier Paaren und ihrem queeren Leben, und zwar zu vier verschiedenen Zeitpunkten (1959, 1988, 2019, 2042) und mit Ibsens Stück A Doll's House als gemeinsamem roten Faden. So musste sich zum Beispiel Daisy 1959 zwischen einem heteronomen Leben mit ihrem Mann Robert und einem echten Liebesleben mit Suzannah entscheiden.

Ein „generationenübergreifendes“ Stück im wahrsten Sinne des Wortes, wie der offizielle Trailer des Theaterstücks es bezeichnet.

Mehr verrät dazu auch dieses Interview mit Sirine Saba (die Suzannah verkörpert).

Samuel Andersons Stück ist übrigens Scott Forbes gewidmet, einem der Mitbegründer von Studio One. Dieser berühmte LGBT-Nachtclub in West Hollywood ist heute als The Factory bekannt.

Für viele andere Vorschläge zu Theaterstücken mit LGBT-Themen empfehlen wir diesen Artikel von Alex Wood.

Geschlecht und Sexualität, von A bis Z

Jessica Kingsley Publishers hat sich mit der Veröffentlichung zahlreicher Bücher über Autismus einen Namen in der Verlagswelt gemacht. Eine weniger bekannte Thematik in ihrem Katalog ist das LGBT-Universum – und natürlich auch LGBT-Menschen mit Autismus.

Titel von A-Z of Gender and Sexuality

The A-Z of Gender and Sexuality, von Morgan Lev Edward Holleb. © Jessica Kingsley Publishers

In The A-Z of Gender and Sexuality: From Ace to Ze erklärt Morgan Lev Edward Holleb Konzepte und Ereignisse und ordnet sie in den jeweiligen historischen und soziologischen Kontext ein. Tatsächlich erstreckt sich das Buch von A (asexuell) bis Zucchini, was „gute(r) Freund(in), aber nicht Partner“ bedeutet.

Da sich das LGBTQIA-Vokabular und die Wortbedeutungen heute mit Internetgeschwindigkeit verändern, ist die Veröffentlichung eines solchen Glossars im Jahr 2019 durchaus willkommen. In der digitalen Version sind die Hypertext-Links zu verwandten Wörtern und Konzepten besonders praktisch.

Overdrive Bibliothek

Einige Overdrive-Bibliotheken bewerben mehrere der auf diesem Blog besprochenen Bücher (Screenshot).

Stonewall für immer

Hier sind zwei weitere aktuelle Bücher über die Unruhen im Stonewall Inn.

Buchtitel: Stonewall

Stonewall, von Martin Duberman © Plume

Das erste Buch ist eine Neuauflage. Von Martin Duberman und erschienen bei Plume, Stonewall: The Definitive Story of the LGBTQ Rights Uprising that Changed America ist die erweiterte und aktualisierte Ausgabe von 2019 eines Titels von 1993. Die Einleitung stammt aus einem 2018 veröffentlichten Text und das Schlusswort entspricht einem unveröffentlichten Text aus dem Jahr 2019.

Das Buch enthält viele Originalfotos, alle in Schwarz-Weiß, und viele Hinweise. Die digitale Ausgabe verfügt über einen umfangreichen Index (von Namen, Orten, Konzepten) mit Hyperlinks. Kurz gesagt, dieses Buch bleibt eines der großen Werke zu Stonewall, seiner Entstehung und seinen Folgen.

Titel von Stonewall Riots

The Stonewall Riots, von Gayle E. Pitman: leicht verständlich für jeden. © Abrams.

Ein weiteres Nachschlagewerk zu Stonewall ist, im Gegensatz zu Dubermans Buch, ein neuer Titel von 2019 für ein eher jugendliches Publikum. The Stonewall Riots: Coming Out in the Streets wurde herausgegeben von Abrams Books for Young Readers. Darin erinnert die Autorin Gayle E. Pitman an Stonewall und sein 50-jähriges Jubiläum mit 50 emblematischen Dingen: Archivfotos, Poster, Schilder, Bücher, Flugblätter, Schaufenster, Fernsehsendungen usw. Kurz gesagt: Eine illustre Sammlung zum Thema.

Übrigens hat Gayle E. Pitman ebenfalls den Stonewall Book Award gewonnen, und zwar in der Kategorie Kinder und Jugendliche im Jahr 2015 (für This Day in June).

Eine homophobe Overdrive-Bibliothek?

Einige Bibliotheken im Overdrive-Netzwerk haben sich diskret entschieden, den Pride-Monat nicht zu feiern und dafür etwas anderes thematisiert (Screenshot).

Gruß an Stonewall

Die Unruhen im Stonewall Inn fanden nicht nur am 28. Juni 1969 und den folgenden Tagen in New York City statt. Sie haben auch in der allgemeinen bzw. „heterosexuellen“ Presse in vielen westlichen Ländern eine sichtbare Spur hinterlassen. Was haben Bloomberg Businessweek, Entertainment Weekly, Harper‘s Magazine, Le Monde Magazine, Publishers Weekly und viele andere gemeinsam? Sie alle widmeten dem 50-jährigen Jubiläum von Stonewall einen mehr oder weniger umfangreichen Artikel.

Hetero-Magazine, aber schwulenfreundlich

Stonewall, Pride-Monat, LGBT: Alles Begriffe, die einige heterosexuelle Zeitschriften durchaus kennen und gut vermitteln – vielleicht besser als andere.

Wir sprechen hier nicht über die drei Seiten pro Jahr über den Pride-Monat oder einen örtlichen CSD, sondern über Artikel mit mehreren Dutzend Seiten. Sie sind für eine relativ große Zielgruppe bestimmt, die nicht eigentlich mit LGBT-Themen nicht viel am Hut hat. Natürlich betrachtet jede dieser Zeitschriften Stonewall und die LGBT-Community aus ihrem spezifischen Blickwinkel – zum Beispiel einem wirtschaftlichen in der Bloomberg Businessweek oder mit einem Fokus auf Nachrichten in Publishers Weekly.

Wir sehen dies durchaus als einen Beweis für die Fortschritte, die in fünfzig Jahren gemacht wurden, und für die unumkehrbare Entwicklung der Mentalitäten hin zu einer besseren Akzeptanz von Homosexualität und LGBT-Menschen, trotz einiger reaktionären Entwicklungen hier und da. Hoffen wir, dass die großen Zeitschriften in Asien, Subsahara-Afrika und der arabischen Welt in weit weniger als fünfzig Jahren ebenfalls positiv über Stonewall und LGBT-Themen berichten werden.

Zehn Jahre vor dem Stonewall Inn in New York gab es Cooper Do-nuts in Los Angeles

Wer erinnert sich an den amerikanischen Schriftsteller John Rechy? Er hatte seine größten Erfolge von den frühen 1960er Jahren bis in die späten 1990er Jahre. Seit 2017 steht er mit seinem Roman After the Blue Hour wieder im Rampenlicht, der 2018 einen Lambda Literary Award in der Kategorie Gay Fiction gewann. Im Jahr 2018 wurde sogar Rechys erster (und bisher unveröffentlichter) Roman Pablo! herausgegeben – ein konkreter Beweis dafür, dass der fast neunzigjährige Autor wieder in Mode gekommen ist.

Titel von City of Night

City of Night, von John Rechy: Aufruhr in der Literatur. © Grove Press

John Rechys Rückkehr an die Spitze geht auf das Jahr 2013 zurück, als Grove Press City of Night in einer Ausgabe zum 50-jährigen Jubiläum mit einem unveröffentlichten Nachwort des Autors neu veröffentlicht hatte. In City of Night erinnert Rechy an die Unruhen von Cooper Do-nuts, an denen er selbst teilgenommen hatte.

Cooper Do-nuts war ein Tag und Nacht geöffnetes Café in der Innenstadt von Los Angeles, wo eine große Anzahl von LGBT-Kunden, insbesondere Trans-Menschen, verkehrten. Im Mai 1959, frustriert von den ständigen Schikanen der Polizei, rebellierten die Gäste, als drei von ihnen, darunter John Rechy, von der Polizei abgeholt wurden. Sie warfen alles auf sie, was sie gerade finden konnten: Donuts, Kaffeetassen und vieles mehr.

Das waren die Unruhen von Cooper Do-nuts zehn Jahre vor Stonewall Inn. Keine großen Unruhen in Los Angeles, weil sie nur wenige Stunden dauerten. Aber dennoch ein Ereignis, das stark genug war, eine Wirkung zu zeigen und in der Literatur Zeichen zu setzen.

Overdrive-Bibliothek

Unter den E-Books oder Hörbüchern, ob neu oder älter, waren auch viele Sachbücher (Screenshot).

Allen Bücherwürmern und Theaterliebhabern: Eine schöne Lektüre und interessante Aufführungen.

Overdrive-Bibliothek

Mehrere Overdrive-Bibliotheken im amerikanischen Süden haben LGBT-Bücher beworben, vielleicht auch versehentlich. Hier eine kleine Bibliothek in Alabama und die Austin Public Library in Austin, Texas (Screenshot).

Wolfgang / MensGo

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