„I’m gay.“ Ottawas Bürgermeister Jim Watson bekennt sich als schwul

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„I’m gay.“ Ottawas Bürgermeister Jim Watson bekennt sich als schwul

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 21. August 2019) Jim Watson enthüllte seine Homosexualität in einem bewegenden Artikel in der Zeitung Ottawa Citizen vom 17. August 2019, dem Tag vor dem Capital Pride, dem CSD der kanadischen Hauptstadt. Nach Bertrand Delanoë in Paris und Klaus Wowereit in Berlin ist der Bürgermeister von Ottawa nun der dritte Oberbürgermeister einer großen westlichen Hauptstadt, der seine Homosexualität während seiner Amtszeit publik machte. Jim Watson ist seit Dezember 2010 Oberbürgermeister von Ottawa. Davor war er von 1991 bis 1997 Stadtrat und von 1997 bis 2000 Bürgermeister von Ottawa, bevor das Stadtgebiet deutlich erweitert wurde.

Jim Watson mit einem Lamm

Jim Watson, hier mit einem Lamm bei einer Veranstaltung. (jimwatsonottawa.ca)

Jim Watson enthüllte seine Homosexualität zwei Wochen nach seinem 58. Geburtstag und nach fast drei Jahrzehnten in der Politik. „Rückblickend war es ein großer Fehler, mich nicht schon früher zu outen“, gibt er in einem offenen Brief an seine Mitbürger zu. Auch wenn das Bekenntnis zu seiner Homosexualität in den 1970er Jahren für einen eher schüchternen, einsamen Teenager mehr oder weniger selbstmörderisch gewesen wäre, gibt er zu.

Er wusste schon als Teenager, dass er schwul war, aber weder in der High School, noch am College, noch während seines Berufslebens hat er es geschafft, sich zu outen. Jim Watson erzählt eine Anekdote von 2003, als ein homophober Interviewer ihn während einer Debatte fragte, ob er schwul sei. Seine Wahlkampfgegnerin (Marlene Rivier) rettete ihm unbeabsichtigt das Gesicht, weil sie sagte, dass diese Art von Frage nicht in den Wahlkampf passten.

Jim Watson hat seine Homosexualität im Laufe der Jahre nur zwei schwulen Freunden offenbart, nicht aber seiner Familie oder anderen Freunden, die sich das jedoch seiner Meinung nach sowieso denken konnten. Er hat dann noch mehrere Jahre des inneren Ringens gebraucht, bis er sein Geheimnis schließlich publik machen konnte.

Zwei homophobe Vorfälle veranlassten ihn dann, sich zu outen, weil sie ihn überzeugten, dass er der Gesellschaft nützlicher sein würde, nachdem er zu seiner Homosexualität stand. Im Jahr 2014 war Watson empört über die homophobe Atmosphäre bei den Olympischen Spielen in Russland und ließ deshalb eine Regenbogenfahne auf dem Giebel des Rathauses hissen. Und 2017, als ihm ein etwa gleichaltriger Mann riet, beim Ottawa Gay Pride nicht mitzumarschieren, antwortete er, dass er dies bereits getan habe und weiterhin tun werde.

Jim Watson

Jim Watsons Rede vor dem Hissen der Regenbogenflagge am 19. August 2019 erhielt große Resonanz.

Die offizielle Parade 2019 ist für den 25. August angekündigt, und es besteht kein Zweifel, dass Jim Watson dort ein ganz besonderer Platz gebührt – beim Umzug, aber auch für sich selbst und seine Wähler.

Am 19. August 2019 hisste Jim Watson offiziell die Regenbogenflagge beim Ottawa Gay Pride. Seine Facebook-Seite erklärt die große Bedeutung dieser Veranstaltung:

Today‘s annual Capital Pride • Fierté dans la Capitale flag raising event was particularly special and important to me.
Das heutige Hissen der Flagge anlässlich des jährlichen „Capital Pride • Fierté dans la Capitale“ war für mich ganz besonders wichtig.

Der Bürgermeister von Ottawa schließt seinen offenen Brief mit einem Rat an alle Schwulen, die sich immer noch verstecken:

Don’t feel pressured or rushed to come out, but don’t wait 40 years either.
Lasst euch nicht unter Druck setzen, aber wartet auch keine 40 Jahre.

So ist das Leben.

Als eine seiner Inspirationsquellen nannte der Bürgermeister von Ottawa den politischen Mut von Svend Robinson, der sich schon in den 1980er Jahren geoutet hatte. Der ehemalige Abgeordnete, der inzwischen aus der Politik ausgeschieden ist, und Premierminister Justin Trudeau begrüßten Jim Watsons Initiative.

Hier marschiert Bürgermeister Jim Watson 2018 beim CSD in Ottawa (Capital Pride). Ab 2:21 sieht man ihn mit seiner Regenbogenkette, begleitet von Premierminister Justin Trudeau.

Übrigens haben unbekannte Personen am selben Tag (19. August 2019), an dem Jim Watson die Regenbogenfahne hisste, die Hauptstadt mit homophoben Schmierereien beschmutzt. Ein Beweis dafür, dass es auch nach einem Coming-Out noch viel zu tun gibt. Das passt, denn Jim Watson wurde – auch – dafür gewählt.

Wolfgang / MensGo

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