Gareth Thomas: Offen seropositiv und ein Kämpfer gegen Stigmatisierung

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Gareth Thomas: Offen seropositiv und ein Kämpfer gegen Stigmatisierung

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 18. September 2019) Zehn Jahre nach seinem Coming-out hat der ehemalige Rugby-Spieler Gareth Thomas am 14. September 2019 seinen HIV-Status enthüllt. Der ehemalige walisische Rugby-Nationalspieler, der seine Karriere 2011 beendet hatte, ist der erste britische Spitzensportler, der sich als HIV-positiv outet. Er war auch der erste britische Rugby-Nationalspieler, der sich noch während seiner Karriere als schwul geoutet hat.

In einem Twitter-Video enthüllte Gareth Thomas seinen HIV-Status und erklärte, wie er ihn erlebt und warum er ihn öffentlich gemacht hat.

Er zieht es vor, diese Tatsache selbst publik zu machen, als zuzulassen, dass es eine Boulevardzeitung tut, die sein Geheimnis entdeckt hatte und ihn erpresste. Tatsächlich plante die BBC, am 18. September 2019 eine Dokumentation über die lebende Rugby-Legende – und die LGBT-Gemeinde – zu senden, mit Thomas‘ Einverständnis und Beteiligung.

Das von der BBC ausgestrahlte Interview trägt den Titel Gareth Thomas: HIV in Me. Gareth Thomas entschied sich, sein Interview-Honorar an den Terrence Higgins Trust zu spenden, ein Verein, die sich auf Information, Beratung, Therapie und die Verbreitung guter Praktiken im Bereich HIV/AIDS spezialisiert hat.

Mit sichtbarer Emotion offenbart er seinen HIV-Status auf Twitter.

I’m living with HIV. Now you know this information, that makes me extremely vulnerable, but it does not make me weak […]. I choose to fight to educate and break the stigma around this subject. […] I’m asking you to help me to show that everyone lives in fear of people’s reactions and opinions, but that doesn’t mean we have to hide.
(Ich lebe mit HIV. Jetzt, da es jeder weiß, bin ich extrem verletzlich, aber nicht schwach […] Ich habe mich entschieden zu kämpfen, Informationen zu teilen und das Stigma in diesem Bereich zu brechen […] Helfen Sie mir bitte zu zeigen, dass wir uns nicht verstecken müssen, nur weil wir die Reaktionen und Meinungen der Menschen fürchten.)
Gareth Thomas

Noch vor der BBC-Sendung des Dokumentarfilms enthüllte Gareth Thomas am folgenden Tag in einem Interview mit dem Sunday Mirror (Honorar ebenfalls an den oben genannten Verein gespendet), dass er über seinen HIV-Status schon seit Jahren Bescheid weiß, ohne jedoch einen genauen Zeitpunkt anzugeben. Damals dachte er, er hätte nur noch ein paar Jahre zu leben, schluchzte in den Armen der Ärztin, hielt seinen HIV-Status geheim – und dachte an Selbstmord.

Aber Gareth Thomas ist ein außergewöhnlicher Kämpfer, ein Spitzensportler mit gehärtetem Stahlcharakter. Und als großer Champion hat er sich entschieden, sich seinem HIV-Status zu stellen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Zuerst mit einer Tablette pro Tag und jetzt mit Hilfe der Medien und sozialen Netzwerke. Mit dem Ziel, die Wahrheit ans Licht zu bringen, Vorurteile über seropositive Menschen zu bekämpfen und das damit verbundene Stigma zu überwinden. Kurz gesagt: Als guter Kapitän geht er stolz voran.

Many people live in fear and shame of having HIV, but I refuse to be one of them now. We need to break the stigma once and for all. I’m speaking out because I want to help others and make a difference.
(Viele Menschen leben in Angst und Scham, HIV-positiv zu sein – aber ich weigere mich, so zu sein wie sie. Wir müssen das Stigma ein für alle Mal durchbrechen. Ich spreche offen, um anderen zu helfen und um einen Unterschied zu machen.)
Gareth Thomas

Wie viele Menschen kannte Thomas niemanden mit HIV oder AIDS, als er seinen eigenen HIV-Status erfuhr. Er wusste fast nichts über die medizinischen Details und die Medikamente, die seine Infektion hemmen und ihn nicht mehr ansteckend machen.

Ohne den Erpressungsversuch einer Boulevardzeitung hätte er seinen HIV-Status wahrscheinlich nicht der öffentlich gemacht. Und danach sagt er, dass er die Reaktionen der Menschen fürchtet.

But the truth is I’m still scared even now of people finding out I’m living with HIV and I’m s****ing myself and feel petrified about what the reaction will be, because we still live in an era where HIV is not spoken about.
(Aber tatsächlich habe ich immer noch Angst, dass die Leute herausfinden könnten, dass ich HIV-positiv bin, dass ich mir in die Hose mache, weil ich vor ihrer Reaktion eine riesige Angst habe – weil wir immer noch in einer Zeit leben, in der die Leute nicht über HIV reden.)
Gareth Thomas

Fünf Jahre nach dem Ende seiner Rugby-Karriere heiratete Gareth (45) seinen Partner Stephen (56). Die Männer kannten sich noch nicht, als Gareth von seinem HIV-Status erfuhr. Stephen ist negativ.

Bislang arbeitete Gareth Thomas als Rugby-Berater für einen Fernsehsender. Er setzt sich auch gegen Homophobie im Fußball ein und hat 2018 eine Gesetzesänderung mitverfasst, um homophobe Beleidigungen bei Spielen im Allgemeinen und in Stadien im Besonderen zu verbieten.

Ebenfalls 2018 wurde er Opfer eines homophoben Angriffs. Er entschied sich dafür, seinen 16 Jahre alten Angreifer zu einer alternativen Buße verurteilen zu lassen, damit dieser die Folgen seines Handelns verstehen lernt.

Am 15. September, kurz nach Bekanntgabe seines HIV-Status, nahm Thomas an einem Ironman-Rennen teil: Er wollte beweisen, dass es durchaus möglich ist, HIV-positiv und gesund zu sein oder sogar Spitzensport zu betreiben. Während des gesamten Rennens erhielt er stehende Ovationen, bevor er den Supertriathlon etwas nach dem Sieger beendete – aber auf der Applausanzeige war er der Gewinner.

Nachfolgend ein langes Interview, in dem Gareth Thomas über seinen HIV-Status spricht, über den Erpressungsversuch der Zeitung, seinen neuen Geisteszustand (kämpferischer denn je), seine Teilnahme am Ironman, seine Projekte, seinen Kampf für bessere Informationen über HIV/AIDS und gegen die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben…

Wieder ist es der Wunsch, Vorurteile gegen HIV/AIDS zu bekämpfen, der nun zu seinem erneuten Kampf in den Medien führt. Ein Teil der britischen Königsfamilie und Regierung sowie viele Sportikonen gratulierten ihm zu seinen Bemühungen und ermutigten ihn herzlich.

Wolfgang / MensGo

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