Nordirland: Ein Valentinstag wie kein anderer

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Nordirland: Ein Valentinstag wie kein anderer

Nordirland: Ein Valentinstag wie kein anderer

(Blogmensgo, schwuler Blog vom 15. Februar 2020) Ein lesbisches Paar hat die erste Homo-Ehe in Nordirland geschlossen. Am 11. Februar 2020 heiratete die 26-jährige Robyn Peoples, eine Hausmeisterin aus Belfast, die 27-jährige Pizzeria-Mitarbeiterin Sharni Edwards aus Brighton, England. Die beiden jungen Frauen, die seit sechs Jahren zusammen sind, machten ihre Verbindung durch eine Reihe von Zufällen zur ersten LGBT-Ehe in Nordirland – und sie nutzten den schönsten Tag ihres Lebens auch für politischen und gesellschaftlichen Aktivismus, darunter auch den der nordirischen Gruppe „Love Equality“.

Hier eine kurze Erklärung der beiden Bräute an ihrem Hochzeitstag an die BBC (in Englisch mit englischen Untertiteln):

Start der Homo-Ehe in Nordirland

Die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe war am 19. Dezember 2019 unterzeichnet worden und am 13. Januar 2020 in Kraft getreten. Da es in Irland jedoch ein Aufgebot von achtundzwanzig Tagen gibt, konnte diese Eheschließung erst am neunundzwanzigsten Tag stattfinden. Daraufhin konnten Robyn und Sharni am 11. Februar in einem Luxushotel in Carrickfergus, einer kleinen Stadt in der Grafschaft Antrim im Nordosten Nordirlands, heiraten.

Aber warum waren sie das erste homosexuelle Paar, das in Nordirland die Ehe eingegangen ist? Durch einen Zufall des Kalenders. Der 11. Februar ist das Datum ihres ersten Treffens vor sechs Jahren. Sie wollten dieses Jubiläum zunächst mit einer eingetragener Partnerschaft feiern. Stattdessen entschieden sie sich für eine echte Eheschließung, als sie erfuhren, dass ihr Wunschdatum der erste Tag der tatsächlichen Öffnung der Ehe für alle Paare war. Anstatt sich zu verpartnern haben sie also gleich geheiratet.

Als Sharni Edwards England verließ, um in Nordirland zu arbeiten, war sie davon überzeugt, dass die gleichgeschlechtliche Ehe dort genauso legal war wie zu Hause. Erst nach zwei Jahren des Zusammenlebens, als die jungen Frauen sich auf einer Auslandsreise verloben wollten, verstand Sharni die anachronistische Rückständigkeit der nordirischen Provinz in Bezug auf Ehe und LGBT-Rechte. Nordirland hat Homosexualität erst 1982 entkriminalisiert und bietet seit Ende 2005 lediglich die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft. Seit Ende 2019 können in Nordirland auch heterosexuelle Paare eine Partnerschaft eingehen.

Wie auch immer: Robyn Peoples und Sharni Edwards konnten so einen wunderbaren Valentinstag am 14. Februar erleben, und zwar nicht in Nordirland oder England, sondern in Zypern – wo jedoch die Homo-Ehe immer noch illegal ist.

Here ein langes Interview mit Robyn und Sharni kurz vor ihrer Hochzeit.

Am 11. Februar 2020 haben Amnesty International und die Interessengruppe „Love Equality“ in London gemeinsam eine Feier abgehalten. Es war eine Feier zum Inkrafttreten der Homo-Ehe in Nordirland (mit der Teilnahme von Julian Smith, dem britischen Außenminister für Nordirland) sowie zur Ehrung des Andenkens an die Autorin Lyra McKee, die im April 2019 während einer Demonstration in Londonderry getötet wurde. Ihre Partnerin Sara Canning nahm an der Feier teil, denn ohne diesen Mord hätten Lyra und Sara wahrscheinlich am ersten Tag in Nordirland ebenfalls geheiratet.

Robyn und Sharni hatten sich in der Woche vor ihrer Hochzeit nach Belfast begeben, um ein Wandbild zu Ehren von Lyra McKee zu betrachten. Die beiden Bräute haben sich auch mehrmals bei LGBT-Aktivistengruppen und politischen Kreisen bedankt.

Was noch zu tun bleibt

Warum haben Robyn und Sharni keine kirchliche Hochzeit durchgeführt? Weil die Legalisierung der Homo-Ehe in Nordirland derzeit nur für standesamtliche Eheschließungen gilt. Die britische Regierung führt bis zum 23. Februar 2020 Beratungen zu kirchlichen Eheschließungen und die Umwandlung von eingetragener Partnerschaften in Ehen durch. Diese Konsultationen könnten um April 2020 zu einer Reihe von Änderungen führen, deren Art und Umfang sich aber noch zeigen wird.

Künftige Änderungen müssen auch mögliche Sanktionen oder Ausnahmen für Fälle von Diskriminierung im Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Ehen vorsehen. Werden sich Standesbeamte ihrer Verantwortung entziehen können? Werden religiöse Körperschaften ungestraft die Heirat von zwei Männern oder zwei Frauen verweigern können? Werden Ladenbesitzer LGBT-Paaren Leistungen aus religiösen Gründen verweigern können? All das ist derzeit noch offen.

Am Ende hier noch ein Bericht von ITV über die Hochzeit von Sharni und Robyn, sowie über den politischen Kontext und den LGBT-Aktivismus, der es möglich machte, diesen historischen Tag und diese schöne Liebesheirat in Nordirland zu erleben.

Ein politischer Parameter scheint bei künftigen Diskussionen und Regelungen eine gewisse Rolle zu spielen. In Nordirland ist die politische Landschaft gespalten zwischen den Befürwortern eines Verbleibs im Vereinigten Königreich, wie z. B. den Democratic Unionists (DUP, überwiegend protestantisch), und den Befürwortern einer Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich (Sinn Féin, überwiegend katholisch), wobei zwei andere Parteien (Allianz und Grüne) wahrscheinlich das Zünglein an der Waage sein werden.

In den letzten Jahren hatte die DUP immer ein Veto gegen die Legalisierung der Homo-Ehe einlegen können, während Sinn Féin begann, dies als Kampagnenargument zu nutzen. Das ist logisch, denn Sinn Féin will, dass Nordirland mit der Republik Irland wiedervereinigt wird, die in einem Referendum 2015 die Homo-Ehe mit grosser Mehrheit legalisiert hat.

Wolfgang / MensGo

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